Portrait von Frau Burmeister

Frisch ausgebildet: Physician Assistants aus Heide

Vor drei Jahren starteten die ersten Physician Assistants (PA) mit ihrer Ausbildung im neuen Studiengang am Bildungszentrum des Westküstenklinikums (WKK) Heide. Eine von ihnen war die MFA Martje Burmeister. Im Interview mit Dirk Schnack berichtet sie von ihren Erfahrungen und Perspektiven.

Sie sind eine PA aus dem ersten Ausbildungsjahrgang in Heide und haben ihr Studium vor wenigen Tagen beendet. Wo werden Sie künftig arbeiten?
Martje Burmeister:
Ich bin ab 1. November als PA in der Neurologie des WKK in Heide angestellt. Ich freue mich auf diese Aufgabe, für die eine neue Stellenbeschreibung formuliert wurde. Ich werde an der Schnittstelle zwischen dem Ärzteteam und den Pflegenden arbeiten und bin selbst gespannt, welchen Spielraum mir diese Tätigkeit bieten wird. Froh bin ich, dass ich in ein mir schon bekanntes Team komme. Ich habe hier schon während des studienbegleitenden Praktikums gearbeitet und mich initiativ beworben.

Es gab also keine Stellenausschreibung, die Klinik hat nicht gezielt nach einer PA gesucht?
Burmeister:
Nein, solche Stellengesuche sind bislang noch sehr selten. Der leitende Oberarzt der Neurologie hatte mich vorher angesprochen und gefragt, ob ich mir eine Tätigkeit als PA dort vorstellen kann. Ich habe trotzdem mehrere Initiativbewerbungen für verschiedene Kliniken geschrieben, die Stelle in der WKK-Neurologie hat mir aber am meisten zugesagt. 

Sie haben vor ihrem PA-Studium eine Ausbildung zur MFA in hausärztlichen Praxen absolviert. Wäre der ambulante 
Bereich für Sie als PA keine Alternative gewesen?
Burmeister:
Derzeit nicht, weil der ambulante Bereich nach meiner Wahrnehmung noch nicht richtig auf PAs vorbereitet ist. Dafür müssten aus meiner Sicht noch einige strukturelle Anpassungen erfolgen. Die Abrechnungsmöglichkeiten erschweren es den Praxisinhabern, PAs zu beschäftigen. Das scheint im stationären Bereich besser zu gelingen. Das heißt aber nicht, dass ich mir ein Arbeiten in ambulanten Strukturen nicht vorstellen könnte. 

Als Absolventin des ersten Ausbildungsjahrgangs sind Sie so etwas wie eine Pionierin. Wie wirkt sich das auf ihr Arbeitsumfeld aus?
Burmeister:
Ich bin zwar die erste PA in der neurologischen Klinik, aber nicht die einzige im WKK. Hier sind wir insgesamt acht PAs, und wir tauschen uns auch untereinander aus. Aber es stimmt: PAs im Klinikalltag sind noch für die meisten Mitarbeitenden und auch für die Patienten ungewohnt. Bei vielen spürt man noch Unsicherheit über unsere Rolle – das geht mir persönlich auch so und das macht es aber auch spannend. Die Arbeit ist stark abhängig vom Teamgeist der jeweiligen Abteilung. In meiner Klinik spüre ich hohe Aufgeschlossenheit. Ich habe während meiner verschiedenen Praktika aber auch erfahren, dass es nicht jeder Arzt begrüßt, wenn PAs im Team sind. Ein Arzt meinte, PAs seien zum Kaffee kochen da – das war eine Einzelmeinung. In der Pflege freut man sich nach meinem Eindruck, dass es mit PAs neue, ständig verfügbare Ansprechpartner auf der Station gibt. 

Und wie reagieren die Patienten?
Burmeister:
Überwiegend positiv, allerdings können sie unsere Rolle bislang am schwersten einordnen. Ich versuche es ihnen so zu erklären, dass ich alles machen darf, was ein ärztlicher Weiterbildungsassistent im ersten Jahr machen darf. Allerdings glaube ich auch, dass den meisten die Berufsbezeichnung ziemlich egal ist – Hauptsache, ihnen wird geholfen. 

Und wie empfinden Sie selbst Ihre Rolle?
Burmeister:
Ich bin froh, dass ich viele Tätigkeiten selbstständig ausführen kann, aber unter Supervision der Ärzte. Die Tätigkeiten, für die Ärzte die Verantwortung tragen, sollten nach meiner Überzeugung auch in ihrer Hand bleiben.  

Manche Ärzte sehen PAs kritisch, weil sie befürchten, dass bislang ärztliche Tätigkeiten auf die nicht so umfangreich ausgebildeten und geringer entlohnten PAs übertragen werden. Können Sie diese Skepsis nachvollziehen?
Burmeister:
Nein, denn PAs nehmen Ärzten nichts weg, sondern entlasten sie. Wir schaden ihnen nicht, sondern nützen ihnen und der Patientenversorgung. Damit das deutlich wird, sind genau formulierte Stellenbeschreibungen wichtig – dann wissen alle Seiten über die Rolle von PA Bescheid. 

Wie haben Sie ihre dreijährige Ausbildung empfunden?
Burmeister:
Als sehr positiv, anstrengend und manchmal – weil wir halt die ersten waren und außerdem alle Corona-Phasen mitgemacht haben – auch als chaotisch. 
Es gab auch Überraschungen, wie etwa in meiner Zeit in Brunsbüttel, als ich im OP schon als Assistenz mitwirken durfte. Das war nicht selbstverständlich, andere PAs durften den OP gar nicht betreten. 
Zwischen den Uniwochen und den Praktika gab es Selbstlernzeit, in der wir alle regulär in unseren grundständigen Berufen gearbeitet und danach gelernt haben. 

Vielen Dank für das Gespräch.