Nein, allenfalls ein bisschen kompliziert - hier die Klärung:

Das Ziel, auch in der Gesundheitsversorgung als einer der wenigen verbleibenden Branchen zeitgemäße digitale Strukturen einzuführen, wird spätestens seit 2003 mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte vom Bundesgesetzgeber verfolgt. In dem jahrelangen Prozess gab es Fortschritte, Stillstände und auch Rückschritte. Zuletzt hat dieses bundesweite Telematik-Infrastrukturvorhaben aber klarere Konturen angenommen und wird nun mit enormer politischer Schubkraft vorangetrieben.

Der Zugang zu dieser "digitalen Welt" äußerst schützenswerter Gesundheits- und Krankheitsdaten muss ohne jeden Zweifel strengstens geregelt und stets nachvollziehbar sein. Zur eindeutigen Identifizierung und Authentifizierung von Ärztinnen und Ärzten innerhalb der Telematik-Infrastruktur (TI) des deutschen Gesundheitswesens dient der elektronische Heilberufsausweis (eHBA). Einige Funktionen und Anwendungen innerhalb der TI sind längst umgesetzt, andere werden zeitnah und in schneller Taktung folgen. Alle Ärztinnen und Ärzte sind aufgefordert, sich über ihren eigenen Bedarf in dieser Hinsicht und damit die Notwendigkeit, sich einen eHBA zuzulegen, zu informieren. Damit wird schon deutlich, dass Ärztinnen und Ärzte, die ihren Beruf nicht oder nicht mehr ausüben, diesen in der Regel nicht benötigen. Alle einschlägigen Institutionen wie KVSH, KBV, gematik, ÄKSH, BÄK etc. haben ausführliches Material online gestellt oder in ihren Publikationsorganen veröffentlicht. Auch hier folgen unten weitere wichtige Aspekte.

Komplizierter wird es nun bei der Frage, wer stellt einen solchen eHBA aus? Von Bundesebene wurde festgelegt, dass der eHBA eine so genannte "qualifizierte Signatur" nach Vertrauensdienstegesetz (VDG) (früher: Signaturgesetz) enthalten muss. Diese berechtigt zur amtlichen Authentifizierung in allen Bereichen (analog zum Personalausweis mit Signaturfunktion), so z. B. außerhalb des Gesundheitswesens auch beim Notar (etc.). Bundesweit sind nach aufwändigem Zulassungsverfahren bislang vier Institutionen berechtigt, derartige Signaturen in Kombination mit Arztausweisen auszugeben (Bundesdruckerei, T-Systems, Medisign und SHC/Atos). Die Landesärztekammern haben die Aufgabe, zu bestätigen, dass es sich tatsächlich um Ärztinnen und Ärzte handelt. Um nicht mehrere "Arztausweise" bei sich tragen zu müssen, wurde der klassische Arztausweis mit dem eHBA kombiniert und die Landesärztekammern - so auch wir in Bad Segeberg - bieten über die Portale (Homepages) die Möglichkeit der Beantragung mit genauen Gebrauchsanweisungen (https://akis.aeksh.de/).

Zu Beginn stand noch nicht endgültig fest, welcher Sicherheitsgrad der Signatur für den Zugang zur TI vorgeschrieben werden würde und ob nicht eine "fortgeschrittene Signatur" nach dem ehemaligen Signaturgesetz gegebenenfalls ausreichen würde. In Schleswig-Holstein wurden seinerzeit zur Unterstützung der zügigen Umsetzung Ausweise mit fortgeschrittener Signatur kostenfrei angeboten. Aus diesem Grunde sind im Moment bei uns im Land noch drei unterschiedliche Arztausweise im Umlauf (die taubenblauen Papierausweise sind allesamt inzwischen ungültig!).

1. Der Scheckkartenausweis ohne Chip. Ein reiner Sichtausweis zum Nachweis, Ärztin oder Arzt und Mitglied einer Ärztekammer zu sein. Dieser Ausweis hat keinerlei elektronische Funktion.


2. Der Scheckkartenausweis der Ärztekammer Schleswig-Holstein mit Chip und fortgeschrittener Signatur. Dieser Ausweis hat elektronische Funktionen (z. B. Zugang zum AKIS-Portal der Ärztekammer) berechtigt aber nicht zum Zugang zur TI! Dieser Ausweis ist nicht mit Kosten verbunden, wird allerdings auch seit Juni 2020 nicht mehr ausgestellt. Sie können ihn daran erkennen, dass auf der Rückseite steht: "Falls gefunden, bitte zurück an: Ärztekammer Schleswig-Holstein..."