Bad Segeberg, 3. März 2020 – Heute ist der Welttag des Hörens. Vor zehn Jahren initiierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie (BVHI) erstmalig diesen Aktionstag. Mittlerweile gibt es verschiedene Aktionen und Veranstaltungen von HNO-Ärzten, Hörakustikern und Verbänden. Der diesjährige Welttag steht ganz  unter dem Schwerpunkt „Hör nicht auf!“. Auch die Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) unterstützt den Tag des Hörens. „Wir möchten unseren Beitrag zur Prävention leisten, denn  eine Hörminderung kann durchaus vermeidbar sein“, meint Dr. Henrik Herrmann, Präsident der ÄKSH.

Gesundheitsprojekt zum Thema „Hören und Hörprobleme lösen“

Um in Schleswig-Holstein flächendeckend ein Bewusstsein zu schaffen, unterstützt die ÄKSH die Gesundheitskampagne „Hören und Hörprobleme lösen“. Seit 2019 organisiert die ÄKSH  landesweite Informationsveranstaltungen zusammen mit dem LandFrauenVerband Schleswig-Holstein e.V. (LFV SH). Innerhalb von zwei Jahren sollen insgesamt 71 Vorträge in den  Ortsverbänden der LandFrauen gehalten werden. Durchgeführt werden die Informationsveranstaltungen von Prof. Rainer Schönweiler, Leiter der Sektion für Phoniatrie und  Pädaudiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck, und seinem Team. Die Referenten informieren über das Hörorgan, Erkrankungen des Gehörgangs sowie  Schwerhörigkeit und klären über die richtige Ohrenhygiene und unterstützende Maßnahmen auf.

Ein missverstandenes Leiden

Laut einer Studie* unternehmen etwa zwei Drittel der Schwerhörigen in Deutschland nichts gegen ihre Hörminderung. Probleme beim Hören können in doppelter Hinsicht zu  Missverständnissen führen: bei dem Menschen mit Hörminderung sowie bei dessen Gesprächspartnern oder Angehörigen. „Dass Angehörige nicht mehr im gewohnten Maße an  Gesprächen teilnehmen, wird oft mit steigendem Alter der Betroffenen falsch verstanden“, so Herrmann. Oftmals wird vermutet, dass es sich um erste Anzeichen einer dem Alter zugrundeliegenden Zerstreutheit handelt. Dabei reagieren die Menschen mit einer geminderten Hörfähigkeit nur auf die Satzfetzen, die sie mitbekommen. „Das hat nichts mit dem  geistigen Zustand des Betroffenen zu tun“, meint der Präsident der ÄKSH.
Für die hörgeminderten Menschen bedeutet das eine Doppelbelastung. Die Reaktion ihrer Gesprächspartner verunsichert sie zusätzlich zu dem eigenen schlechten Hören. Das kann dazu führen, dass sich diese Menschen zurückziehen und nicht mehr an Gesprächen sowie dem sozialen Leben  teilnehmen wollen. „Das Schamgefühl der Betroffenen spielt bei diesem Thema eine genau so große Rolle, wie die Unwissenheit der Gesprächspartner oder Angehörigen. Daher ist  Aufklärung und Prävention äußerst wichtig“, warnt Herrmann. 

* Die Studie wurde von Bridget Shield, Professorin für Akustik an der London South Bank University, im „Hearing Loss – Numbers and Costs & EuroTrak Germany 2018“ veröffentlicht.

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