Die imland Kliniken im Kreis Rendsburg-Eckernförde stehen vor harten Einschnitten. Hauptgrund ist die schlechte Bausubstanz an beiden Klinikgebäuden in Rendsburg und in Eckernförde. Die Pandemie hat bestehende wirtschaftliche Probleme verschärft.

Träger der beiden Kliniken ist der Kreis Rendsburg-Eckernförde, der über Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, Arbeitsplatzabbau und Anpassung des medizinischen Leistungsangebotes am Standort Eckernförde entscheiden muss – oder über einen zentralen Neubau. Diese Variante wurde aus der Kommunalpolitik als zusätzliche Option ins Spiel gebracht, weil alle drei von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft genannten Szenarien für die Zukunft beider Standorte harte Einschnitte vorsehen. Eine Entscheidung soll im Laufe des Jahres fallen.
Derzeit ist der Klinikbetrieb nicht kostendeckend; seit Jahresbeginn waren 13 Millionen Euro an Zuschüssen des Kreises erforderlich. Nach Einschätzung von imland-Geschäftsführer Markus Funk ist weder ein Verkauf noch die Insolvenz Thema. Deshalb haben Wirtschaftsprüfer von KPMG ein Gutachten erstellt, das drei Szenarien beinhaltet, die dem Kreis zur Entscheidung vorliegen:

  • Erhalt des Status quo: An beiden Standorten bleibt die medizinische Versorgung im gewohnten Umfang erhalten. Dies würde Investitionen in einer Gesamthöhe von 125 Millionen Euro erfordern, von denen 46 Millionen Euro von den Gesellschaftern oder zusätzlich vom Land getragen werden müssten. 100 Vollzeitstellen müssten abgebaut werden. In diesem Fall erwarten die Gutachter ab 2026 wieder Gewinne aus dem operativen Betrieb. Die wohnortnahe Versorgung bliebe erhalten.
  • Verkleinerung in Eckernförde: Das stationäre Angebot in Eckernförde würde erheblich verkleinert. Es bliebe eine stationäre Basis-Notfallversorgung mit Innerer Medizin, Unfallchirurgie und elektivem Gelenkzentrum. Allgemeine Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Geriatrie und Schmerztherapie müssten nach Rendsburg verlagert werden. Aufbau der Kapazitäten in Rendsburg und Abbau in Eckernförde würden erhebliche bauliche Veränderungen bedeuten. Von den Gesamtinvestitionen in Höhe von 101 Millionen Euro blieben über 42 Millionen Euro, die von den Gesellschaftern zu tragen wären. 250 Vollzeitstellen müssten abgebaut werden. Ab 2024 könnten laut Gutachten wieder Gewinne realisiert werden. Die wohnortnahe Versorgung würde leiden.
  • Ambulantes Versorgungszentrum in Eckernförde: Keine stationäre Versorgung mehr in Eckernförde, stattdessen Umbau in ein ambulantes Versorgungszentrum. Rendsburg müsste in diesem Fall das stationäre Angebot deutlich aufstocken. Die Gesamtinvestitionen für dieses Szenario liegen bei 99 Millionen Euro, von denen die Gesellschafter mehr als 55 Millionen Euro tragen müssten. 420 Vollzeitstellen würden abgebaut. Gewinne wären schon 2023 wieder möglich. Die wohnortnahe Versorgung würde am stärksten leiden.

Wirtschaftsprüfer und Funk halten das zweite Szenario für unwahrscheinlich, weil sie den Rückbau auf ein 60-Betten Krankenhaus nicht für zukunftsträchtig erachten. „Das wäre ein Sterben auf Raten“, sagte Funk. Vom Arbeitsplatzabbau im dritten Szenario wäre jeder vierte „Imländer“ betroffen, gab Funk bei der Vorstellung der Szenarien in Eckernförde zu bedenken. Für ihn ist wichtig, dass die mit der Entscheidung verbundenen Investitionen gesichert sein müssen, damit die Lösung auch umgesetzt werden kann.
Funk machte deutlich, dass die bauliche Situation an beiden Standorten ein Grund für die Schieflage ist. Die Pandemie hat die Probleme verschärft: Die Vorhaltekosten haben sich erhöht, zugleich gingen die Erlöse deutlich zurück. Wegen der niedrigen Inzidenz in Schleswig-Holstein bekam das Haus nur geringe Ausgleichszahlungen. Hinzu kommt die Wettbewerbssituation: Nur 60 Prozent der Patienten aus dem Kreis lassen sich in einem imland-Krankenhaus behandeln, die Häuser in Neumünster, Schleswig und Kiel sind ebenfalls schnell erreichbar. Funk ist dennoch überzeugt, dass imland langfristig erfolgreich arbeiten könnte: „Wir haben ein attraktives medizinisches Portfolio.“

Text und Foto: Dirk Schnack