Bad Segeberg, 21. März 2021 – Ausgrenzung,  Vorurteile, Diskriminierung – Rassismus ist in unserer Gesellschaft an der Tagesordnung. Ob bewusst oder unbewusst – rassistisches Denken macht sich im alltäglichen Leben bemerkbar. Dies gilt auch für das Gesundheitswesen. Bei einem offenen Gespräch in der Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) mit betroffenenMitgliedern wurde deutlich, wie verbreitet Ressentiments und Diskriminierung für Ärzt*innen anderer Herkunft sind.

Patient: „Herr Doktor, mussten Sie unbedingt einen *N-Wort* in Ihrer Praxis einstellen.“

Mit Ärzt*innen aus 100 Nationen ist die medizinische Versorgung in Schleswig-Holstein international aufgestellt. Zudem gibt es kaum einen Bereich, der so von der Expertise von Menschen, die nach Deutschland immigrieren, angewiesen ist wie das Gesundheitswesen. Und dennoch: „Rassismus ist ein gesellschaftliches Phänomen. Wir können uns davon im Gesundheitswesen nicht frei sprechen. Wir als Ärztekammer sind uns dessen bewusst und nehmen das Problem ernst“, so Prof. Henrik Herrmann, Präsident der ÄKSH. In einer offenen Gesprächsrunde gab die ÄKSH Betroffenen Raum, um über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Betroffener: „In so manchen Situationen, hätte ich mir von meinem Vorgesetzten gewünscht, dass er für mich einsteht.“

Eindrücklich schilderten die betroffenen Ärzt*innen, dass sie nicht nur als Privatpersonen Rassismus ausgesetzt sind, sondern auch im Patientengespräch und unter Kolleg*innen Diskriminierung erfahren. „In so manchen Situationen, hätte ich mir von meinem Vorgesetzten gewünscht, dass er für mich einsteht“, erzählt einer der Gesprächspartner und macht deutlich, dass Nichtstun keine Option sein kann. „Als Ärztekammer müssen wir uns daher fragen, was sich im ärztlichen Bereich und im Gesundheitswesen ändern muss und was wir dazu beitragen können“, so Dr. Gisa Andresen, Vizepräsidentin der ÄKSH. Da Alltagsrassismus oft auch unbewusst praktiziert wird, hält Andresen die Aufnahme der Thematik in das Fortbildungsprogramm für Weiterzubildende und ärztliche Führungskräfte für sinnvoll. So ließen sich Ärzt*innen für das Thema sensibilisieren. Eine weitere Möglichkeit könnte eine ehrenamtliche Stelle sein, in der eine Person, die für die Aufarbeitung sensibilisiert ist, ein niedrigschwelliges Gesprächsangebot für Betroffene darstellt. Die ÄKSH wird mit ihren Mitgliedern im Gespräch bleiben und das Thema Rassismus sowie andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit weiter durchleuchten.

Herrmann: „Als Ärztekammer stehen wir für alle unsere Mitglieder ein – ungeachtet der Hautfarbe oder Herkunft.“

 

 

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