Schmerzpatienten soll mit dem SchmerzStrang Nordwest geholfen werden. Das von der Ärztegenossenschaft Nord gemanagte Projekt stellt auch Schmerzmediziner wie Dr. Jochen Leifeld aus Rendsburg zufrieden. Finanziert wird das Projekt durch den Versorgungssicherungsfonds des Landes – Gesundheitsminister Dr. rer. pol. Heiner Garg übergab kürzlich den Zuwendungsbescheid.

Chronische Schmerzpatienten und ihre behandelnden Ärzte machen seit Jahren darauf aufmerksam, dass die Betroffenen Probleme haben, in angemessener Zeit versorgt zu werden. Bis zu neun Monate soll die Wartezeit auf eine Behandlung bei einem Schmerzspezialisten zum Teil dauern – für viele Menschen, bei denen der Schmerz zum beherrschenden Thema ihres Daseins geworden ist, viel zu lang. Grund für diese Situation ist die mit landesweit rund 30 überschaubare Zahl an niedergelassenen Schmerzmedizinern, die wiederum nach Überzeugung von Dr. Jochen Leifeld aus Rendsburg so gering ist, weil die monetären Rahmenbedingungen unattraktiv sind.

Bemühungen, diese Bedingungen in Verhandlungen mit Krankenkassen zu verbessern, sind nach Angaben von Leifeld und Dr. Klaus Bittmann von der Ärztegenossenschaft Nord bislang weitgehend gescheitert. Entsprechend begeistert zeigten sich die beiden Ärzte, als im Februar der „Schmerzstrang Nordwest“ als erstes Projekt überhaupt für eine Förderung aus dem kürzlich aufgelegten Versorgungssicherungsfonds des Landes Schleswig-Holstein ausgewählt wurde. „Nie zuvor hatte ich es mit einem vergleichbaren Projekt zu tun, einem, das so vielversprechend ist, so ideal in die Zeit passt, unnötige Fesseln löst, Performance steigert, Rationalisierungsreserven freigibt“, sagte Leifeld im Pressegespräch. Bittmann sprach von einem „enormen finanziellen Anschub“ durch den Fonds und dem Ehrgeiz, das Projekt nach Ende der Förderlaufzeit im Oktober 2021 in die Regelversorgung zu überführen.

Gesundheitsminister Dr. rer. pol. Heiner Garg betonte, wie begrenzt die 300.000 Euro Fördermittel über drei Jahre angesichts des hohen Bedarfs in der Schmerztherapie sind. Er bezeichnete eine Wartezeit von einem Dreivierteljahr für einen chronischen Schmerzpatienten als „völlig inakzeptabel“. Rund 78.000 chronische Schmerzpatienten gibt es laut Leifeld in Schleswig-Holstein. Die Schmerzmediziner im Land sind nach seiner Beobachtung „Kümmerer“, die deutlich mehr als acht Stunden am Tag arbeiten. 

Das Projekt ist auf die Region westlich der A7 und nördlich des Nordostsee-Kanals begrenzt. Patienten aus dieser Region mit chronischen Schmerzen, deren behandelnde Ärzte eine Teilnahme empfehlen, können nach Anmeldung bei einer Fallmanagerin der Ärztegenossenschaft Nord an Kleingruppen teilnehmen, die von Schmerztherapeuten geleitet werden. In diesen Gruppen aus drei bis fünf Betroffenen gehen die Schmerzmediziner gezielt auf die individuellen Probleme der Patienten ein und besprechen die nächsten Behandlungsschritte. Die Betreuung in diesen Gruppen geht weit über das hinaus, was in einer Sprechstunde zu leisten wäre. Weiterer Pluspunkt: Die Patienten finden hier sozialen Rückhalt und spüren, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Weitere Module des Projektes sind interdisziplinäre Schmerzkonferenzen, telemedizinische Beratungen durch Schmerz­ärzte und die Möglichkeit, bei Bedarf Spezialisten etwa für Migräne oder Fibromyalgie hinzuziehen zu können. 

Leifelds Euphorie über das Projekt speist sich auch aus den ersten Erfahrungen dieser Kleingruppenarbeit. Er selbst hat in den ersten Wochen schon 20 solcher Gruppen geleitet und spürt, wie sehr die Patienten davon profitieren. Bis zur Vorstellung des Projektes hatten insgesamt vier Schmerztherapeuten solche Gruppen geleitet, sieben aus der Region haben Interesse an einer Mitarbeit.
Für das Leiten einer Kleingruppe erhalten Schmerztherapeuten 350 Euro je Sitzung. Die Teilnahme an einer Schmerzkonferenz und die Vorstellung eines Patienten werden mit 75 Euro vergütet.
Text/Foto: Dirk Schnack