
Kammerversammlung: Reformen, Weiterbildung und digitale Projekte
Die Ärztekammer Schleswig-Holstein hat auf ihrer Kammerversammlung zentrale gesundheitspolitische Themen diskutiert und wichtige Weichenstellungen für die kommenden Monate vorgenommen. Kammerpräsident Prof. Henrik Herrmann betonte in seinem Bericht, dass das Gesundheitswesen in einer entscheidenden Phase stehe.
Mit Blick auf die Krankenhausreform kritisierte er: „Die Vorhaltevergütung bleibt wie im Ausgangsgesetz fallzahlabhängig. Das führt erneut zu dem bekannten DRG-Hamsterradeffekt – genau das Gegenteil von der versprochenen Entökonomisierung. Die Vorhaltevergütung sollte das Personal am Patienten unabhängig von den Fallzahlen sichern. 40 bis 60 Prozent des Budgets sollten dafür eingesetzt werden – eine echte Entlastung für Ärztinnen und Ärzte. Ein solches Modell könnte die Arbeitsverdichtung in den Krankenhäusern durchbrechen und die Arbeitsbedingungen so verbessern, dass viele Beschäftigte von Teilzeit zurück in Vollzeit wechseln. Gleichzeitig wäre es ein starkes Steuerungsinstrument, um die Daseinsvorsorge sinnvoll zu planen.“
Neben den Diskussionen zur Krankenhausreform berichtete Herrmann ausführlich über die zentralen Handlungsfelder der Kammerarbeit und des schleswig-holsteinischen Gesundheitswesens.
Schwerpunkte in Schleswig-Holstein
Personalbedarfsbemessung (ÄPS-BÄK)
Die Evaluationsphase des ärztlichen Personalbedarfsbemessungssystems (ÄPS-BÄK) ist gestartet. Nach einer Pilotphase wird das System nun bundesweit in fast 70 Kliniken getestet, darunter auch ein Krankenhaus in Schleswig-Holstein. Ziel ist eine patienten- und aufgabengerechte Personalausstattung. Herrmann: „Wir erwarten, dass die Ergebnisse den Weg in den Regelbetrieb ebnen – damit endlich ein realistisches Bild der Arbeitsbelastung entsteht.“Anerkennung internationaler Ärztinnen und Ärzte
Die Bearbeitung von Anerkennungsverfahren für Ärztinnen und Ärzte aus Drittstaaten wurde neu aufgestellt. In Schleswig-Holstein konnten zahlreiche Gutachterinnen und Gutachter gewonnen werden, um Verfahren auf Landesebene zu beschleunigen. Gleichzeitig rücken Kenntnisprüfungen stärker in den Fokus. „Das ist wichtig für die Patientensicherheit, bedeutet aber auch eine enorme Mehrbelastung für die Ärztekammer. Umso mehr freuen wir uns über die Unterstützung großer Kliniken wie des UKSH“, so Herrmann.Qualitätssicherung in der Radiologie
Die neuen ärztlichen Stellen für Qualitätssicherung in Radiologie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin haben ihre Arbeit aufgenommen. Erste Pilotverfahren wurden erfolgreich durchgeführt, und ein digitales System für Bildprüfungen ist gestartet. „Das Projekt zeigt, dass Qualitätssicherung modern, digital und praxisnah umgesetzt werden kann“, erklärte Herrmann.Digitalisierung & Kommunikation
Seit September gibt es neben dem analogen Ärzteblatt auch ein ePaper und ein Webmagazin. Außerdem ist die neue Homepage der Ärztekammer online und die Mitglieder können Informationen aus der Ärztekammer über eine App beziehen. Herrmann: „Damit haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht: Wir sind informativer, schneller und nachhaltiger – und freuen uns auf Feedback unserer Mitglieder.“10 Jahre Institut für ärztliche Qualität
Das gemeinsame Institut von Ärztekammer, Landeskrankenhausgesellschaft und Kassenärztlicher Vereinigung feierte sein zehnjähriges Bestehen. Besonders erfolgreich ist das Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin mit bundesweit führenden Einschreibezahlen. „Das IÄQ ist ein Paradebeispiel, wie Zusammenarbeit im Gesundheitswesen innovative Lösungen hervorbringen kann“, so Herrmann.
Gastrede von Staatssekretär Tauras
Als Gastredner sprach Staatssekretär Dr. Olaf Tauras vom Ministerium für Justiz und Gesundheit Schleswig-Holstein. Er ging auf die laufenden Prozesse rund um die Krankenhausstrukturreform ein und stellte die nächsten Schritte für das Land vor. „Für uns ist eine schnellere und umfassendere Anpassung der bestehenden Regelungen weiterhin wünschenswert. Denn das Reformvorhaben sorgt, seit es angestoßen wurde, für einen Schwebezustand in unserer Krankenhauslandschaft. Die Verzögerungen auf Bundesebene bremsen die Länder aus und lassen viele Fragen sowohl der Träger, als auch der Bürgerinnen und Bürger offen.“