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Dr. Olaf Tauras ©Lamberty
18. September 2025

Ärztekammer warnt vor Reformstau bei Krankenhausreform

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein warnt vor erheblichen Lücken in der geplanten Krankenhausreform. Präsident Prof. Henrik Herrmann kritisierte bei der Kammerversammlung, dass zentrale Probleme nicht gelöst würden und warnte vor einem Reformstau wenn die Politik nicht nachbessere.

„Die Krankenhausreform muss die Fehlentwicklungen des alten Systems beenden. Wenn die Vorhaltevergütung weiterhin an Fallzahlen gekoppelt bleibt, entsteht erneut der bekannte Hamsterradeffekt. Ärztinnen und Ärzte müssen den Freiraum bekommen, den die Versorgung dringend braucht. Dazu sollten insgesamt 40 bis 60 Prozent des Budgets dienen und nur der Rest über die DRG´s im Sinne von Sachkosten und anderen Kosten abgerechnet werden.“

Herrmann kritisierte zudem, dass die ärztliche Weiterbildung im Gesetzesentwurf kaum vorkomme: „Wer heute Reformen plant, muss auch an morgen denken. Wir brauchen klare Rahmenbedingungen, damit junge Kolleginnen und Kollegen ihre Weiterbildung zuverlässig absolvieren können. Sonst drohen uns Engpässe in essenziellen Fachgebieten, die wir uns angesichts der demografischen Entwicklung nicht leisten können.“

Tauras: „Ressourcen müssen umstrukturiert werden“
Als Gastredner erläuterte Staatssekretär Dr. Olaf Tauras (Ministerium für Justiz und Gesundheit Schleswig-Holstein) den Stand der Reformumsetzung. „Die Krankenhausstrukturreform bringt insbesondere für Ihren Berufsstand viele Veränderungen mit sich. Diejenigen unter Ihnen, die im stationären Sektor tätig sind, werden die Effekte dieser Veränderungen zukünftig unmittelbar in Ihrem Behandlungsalltag wahrnehmen. Aber auch im ambulanten oder sektorenübergreifenden Bereich wird sich die Reform spürbar auswirken.“

Tauras betonte, dass die bestehenden Strukturen den wachsenden Herausforderungen nicht mehr gerecht würden: „Es ist daher unbestritten, dass die Ressourcen umstrukturiert werden müssen.“ Mit Blick auf Schleswig-Holstein sagte er: „Wir möchten in unserem Einflussbereich verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich die Krankenhauslandschaft weiterentwickeln kann. Wir arbeiten daher mit Hochdruck an der Neufassung des Krankenhausplans sowie der Anpassung des Landeskrankenhausgesetzes.“

Zur Finanzierung verwies er auf den Transformationsfonds: „Neben der planerischen Umsetzung der Reform benötigt das Verfahren auch eine solide finanzielle Untermauerung. Hierzu wird vom Bund ein Transformationsfonds in Höhe von 50 Milliarden Euro aufgelegt. Für Schleswig-Holstein werden etwa 1,6 Milliarden Euro bereitgestellt.“

Gemeinsamer Ausblick
Während die Ärztekammer auf Nachbesserungen bei Entökonomisierung und Weiterbildung drängt, arbeitet das Land an einer zügigen und transparenten Umsetzung der neuen Strukturen. Beide Seiten betonten, dass die Reform nur dann Wirkung entfalten könne, wenn politische Vorgaben und ärztliche Praxis eng verzahnt würden.