
Ärztekammer warnt vor dramatischer Entwicklung im Gesundheitswesen
Krankenhausreform ohne echte Entlastung
Besonders im Fokus steht die aktuelle Krankenhausreform. „Die Insolvenzgefahr für Krankenhäuser ist so hoch wie nie. Selbst große Schwerpunktversorger stehen vor existenziellen Problemen“, warnte Prof. Herrmann. Die angekündigte Entökonomisierung des Gesundheitswesens sei in der Praxis nicht erkennbar. „Mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) sollte eigentlich eine Neuausrichtung erfolgen, doch de facto bleibt das alte System bestehen – nur mit noch mehr Regelungen und Vorschriften“, kritisierte Herrmann.
Ein Kernproblem der Reform sei die ausufernde Bürokratie: Krankenhäuser müssen nun quartalsweise detaillierte Angaben zur ärztlichen Besetzung in verschiedenen Fachabteilungen machen. „Das ist das Gegenteil von Bürokratieabbau“, sagte Herrmann. Die ohnehin angespannte Situation werde dadurch weiter verschärft, da medizinisches Personal immer mehr Zeit mit Verwaltungsaufgaben verbringen müsse, anstatt Patientinnen und Patienten zu versorgen.
Ambulante Versorgung unter Druck
Auch im ambulanten Bereich sieht die Ärztekammer dringenden Handlungsbedarf. Zwar sei die Entbudgetierung im hausärztlichen Bereich ein positives Signal, doch angesichts eines Defizits von 6,2 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung müsse die Politik grundlegende Reformen in Angriff nehmen. „Wir brauchen eine zielgerichtete Versorgungssteuerung und bessere Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, um den drohenden Praxisschließ8ngen entgegenzuwirken“, so Herrmann.
Zunehmende Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte
Ein weiteres zentrales Thema der Kammerversammlung war die zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen. „Gewalt in Praxen und Kliniken hat nicht nur psychische und physische Auswirkungen auf das Personal, sondern verändert langfristig auch das Arzt-Patienten-Verhältnis“, erklärte Herrmann. Der Respekt gegenüber medizinischen Fachkräften nehme ab, während Aggressionen zunähmen – eine Entwicklung, die dringend gestoppt werden müsse. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein fordert daher verstärkte Schutzmaßnahmen und ein entschlosseneres Vorgehen der Politik gegen Gewalt im Gesundheitssektor. Bis Sommer wird die ärztliche Selbstverwaltung einen runden Tisch mit Beteiligten aus dem Gesundheitswesen ins Leben rufen.