
Ärztekammer begrüßt ausdrücklich Initiative zur Zuckersteuer
„Die gesundheitlichen Folgen eines übermäßigen Zuckerkonsums sind seit Jahren wissenschaftlich belegt. Wir sehen in unseren Praxen und Kliniken täglich die Konsequenzen – von Adipositas bis hin zu Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wir sprechen hier nicht nur über individuelles Verhalten, sondern über ein strukturelles Problem, das politische Antworten erfordert“, erklärt Prof. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein.
Internationale Erfahrungen zeigen, dass steuerpolitische Maßnahmen ein wirksames Instrument sein können. Insbesondere das Beispiel Großbritannien gilt als erfolgreich: Dort wurde mit der sogenannten Soft Drinks Industry Levy ein Modell eingeführt, das Hersteller dazu motiviert hat, den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig ist der Konsum stark zuckerhaltiger Getränke zurückgegangen.
„Die Erfahrungen aus Großbritannien belegen, dass eine klug ausgestaltete Zuckersteuer wirkt – nicht nur durch Verhaltensänderungen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, sondern auch durch Innovationen in der Lebensmittelindustrie“, so Herrmann. „Eine solche Steuer setzt genau dort an, wo Prävention am effektivsten ist: bei den Rahmenbedingungen.“
Die Ärztekammer Schleswig-Holstein betont darüber hinaus, dass die Einnahmen aus einer Zuckersteuer konsequent in Präventionsmaßnahmen reinvestiert werden sollten.
„Es ist entscheidend, dass die Mittel aus einer solchen Steuer nicht im allgemeinen Haushalt verschwinden, sondern gezielt in Prävention fließen. Nur so können wir nachhaltige Effekte erzielen“, erklärt Herrmann. „Wir brauchen flächendeckende, niedrigschwellige Präventionskampagnen, die alle Bevölkerungsgruppen erreichen – von der Kita bis ins hohe Alter.“
Eine zweckgebundene Verwendung der Einnahmen könne dazu beitragen, Aufklärung und Gesundheitsförderung deutlich auszubauen und langfristig auch das Gesundheitssystem zu entlasten.
„Jeder Euro, den wir heute in Prävention investieren, spart morgen ein Vielfaches an Behandlungskosten und vor allem auch an menschlichem Leid“, so Herrmann.
„Ich würde es begrüßen, wenn die Bundesratsinitiative Erfolg hätte. Aus meiner Sicht gibt es keine überzeugenden Argumente gegen eine entsprechende Abgabe“, sagte Prof. Henrik Herrmann als Reaktion auf den Kabinettsbeschluss. Er verwies auf funktionierende Projekte in der Prävention, die aber in aller Regel Inseln blieben und nicht ausgerollt werden. Von einer Abgabe erhofft sich der Kammerpräsident eine flächendeckende Unterstützung des Präventionsgedankens. Er ist überzeugt: „Die Industrie würde sich darauf einstellen. Momentan hat sie dafür in Deutschland keinen Anreiz.“
Neben der allgemeinen Zuckerproblematik richtet die Ärztekammer einen besonderen Blick auf Energy Drinks, die bei Kindern und Jugendlichen zunehmend konsumiert werden. Diese enthalten häufig nicht nur sehr hohe Zuckermengen, sondern auch erhebliche Dosen an Koffein und anderen stimulierenden Substanzen.
„Energy Drinks sind aus medizinischer Sicht besonders problematisch. Die Kombination aus Zucker und Koffein kann gerade bei jungen Menschen gesundheitliche Risiken erhöhen – von Herz-Kreislauf-Belastungen bis hin zu Schlafstörungen“, warnt Herrmann.
Die Ärztekammer Schleswig-Holstein spricht sich daher für ergänzende Maßnahmen aus, darunter strengere Abgaberegeln, klare Altersgrenzen sowie eine intensivere Aufklärung über die Risiken.