Die im September deutlich gestiegenen Infektionszahlen haben Bundes- und Landesregierung sowie medizinische Experten zu deutlichen Mahnungen zum Verhalten der Menschen veranlasst. Auch wenn Schleswig-Holstein Ende vergangenen Monats im Vergleich zu anderen Bundesländern noch vergleichsweise wenige Infektionen aufwies, warnten auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Landesgesundheitsminister Dr. rer. pol. Heiner Garg (FDP) vor einem nachlässigen Verhalten und einer Verharmlosung der Situation. Die Landesregierung entschloss sich Ende September zu keinen weiteren Lockerungen.

„Gerade in Zeiten, in denen wieder mehr Freiheiten möglich sind, ist es notwendig, dass alle die Regeln einhalten“, sagte Günther nach einer Videokonferenz mit Experten über den Verlauf der Corona-Pandemie. Er appellierte zugleich an die Bevölkerung, auf Reisen in den Herbstferien zu verzichten. Passend dazu wies das Robert Koch-Institut (RKI) neben zahlreichen anderen Gebieten auch die dänische Region Hovedstaden inklusive der Hauptstadt Kopenhagen als Risikogebiet aus.

Garg warnte zu mehreren Anlässen im September davor, Covid-19 auf die leichte Schulter zu nehmen. „Das Coronavirus ist kein Schnupfen“, sagte Garg. Weil die Erkrankung sehr schwere Verläufe nehmen könne, sei es oberstes Gebot der Landesregierung, die Menschen in Schleswig-Holstein zu schützen. Gelingen soll dies mithilfe einer Kombination aus konsequenter Ahndung von Verstößen und Verweisen auf vernünftiges Verhalten und Gemeinsinn. „Wir müssen als Land zusammenstehen, um gemeinsam durch die Pandemie zu kommen“, sagte Garg.

Kein Verständnis zeigte der Minister für Nachlässigkeiten oder mutwillige Verstöße gegen die Vorsichtsmaßnahmen, etwa die mehrfach registrierte Hinterlegung falscher Kontaktdaten bei Restaurantbesuchen. Klare Ansage des Ministers hierzu: „Das ist nicht nur nicht witzig, sondern blöde, rechtswidrig und rücksichtslos.“ Schließlich sei die Kontaktnachverfolgung eines der wirkungsvollsten Instrumente im Kampf gegen die Pandemie und helfe dabei, Infektionsketten rechtzeitig zu erkennen und zu brechen.

Wie wird geahndet? Verstöße gegen die geltenden Schutzmaßnahmen sind bußgeldbewehrt und können von den Behörden kontrolliert werden. Bußgelder in einer Höhe von bis zu 10.000 Euro sind zum Beispiel bei Verstößen gegen die Regel der 14-tägigen Quarantäne im eigenen Zuhause möglich. Bis zu 5.000 Euro können verhängt werden, wenn trotz Quarantänebestimmungen nach Ein- oder Rückreise aus einem Risikogebiet Besuch empfangen wird. Bis zu 2.000 Euro können verhängt werden, wenn Einreisende/Rückreisende sich nicht beim zuständigen Gesundheitsamt melden.
Die Gesundheitsämter stellen solche Verstöße vor große zusätzliche Hürden, die ihnen die ohnehin herausfordernde Arbeit weiter erschweren. Wie angespannt die Situation im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) derzeit ist, machte Dr. Alexandra Barth in einem bei der TK-Jahrestagung in Kiel ausgestrahlten Videointerview deutlich. Die Vorsitzende des Landesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im ÖGD berichtete von der seit Monaten bestehenden Arbeitsbelastung der Mitarbeiter und sagte: „So wie jetzt können wir nicht über Monate weiter arbeiten.“

Barth hatte zuvor in einem Gespräch mit den „Kieler Nachrichten“ deutliche Worte für ihre Mitmenschen in Neumünster gefunden, wo sie im Fachdienst Gesundheit mit steigenden Infektionszahlen konfrontiert war. „Die Neumünsteraner gehen absolut unvernünftig mit der bedrohlichen Situation um und tun durch enges Beieinandersein so, als wäre schon alles vorbei“, wurde Barth in der Zeitung zitiert. Die Sieben-Tage-Inzidenz in der kreisfreien Stadt war zwischenzeitlich auf rund 31 pro 100.000 Einwohner gestiegen, sodass Oberbürgermeister Olaf Tauras sich zur Ankündigung von Einschnitten im öffentlichen Leben bei weiter steigenden Zahlen gezwungen sah.                          
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