Ziel: Bessere Weiterbildung und Erhalt der ambulanten Pädiatrie. Kliniker, niedergelassene Pädiater und Ärztinnen in Weiterbildung berichten von ihren Erfahrungen.

Weiterbildung in der Pädiatrie findet noch immer fast ausschließlich im klinischen Kontext statt. Und das, obwohl viele Inhalte der ambulanten allgemeinen Pädiatrie in der Klinik nicht oder nur bedingt weitergebildet werden können und jeder zweite Pädiater später in der ambulanten Grundversorgung tätig wird. Seit einem guten Jahr kann Weiterbildung nun auch in der ambulanten allgemeinen Pädiatrie – zumindest im ländlichen Raum – gefördert werden, eine Anerkennung von Weiterbildungszeiten von bis zu 24 Monaten ist schon seit Langem möglich.
Auch der Wunsch der Assistenten nach Weiterbildung in der ambulanten Grundversorgung wird immer wieder bekundet. Oft scheitert dieser Wunsch an organisatorischen und strukturellen Problemen bei der Umsetzung. Die Kinderkliniken der Akutversorgung in Schleswig-Holstein und niedergelassene Pädiater haben deshalb in Absprache mit Assistentenvertretern ein Konzept erarbeitet, das Abhilfe schaffen soll.
 Im Rahmen des Projekts „Verbundweiterbildung in der Pädiatrie in Schleswig-Holstein“ erhalten Ärzte in Weiterbildung die Möglichkeit, im Rahmen einer Abordnung vorzugsweise im dritten oder vierten Weiterbildungsjahr für die Dauer von 12 bis 24 Monaten mit halber Stelle in der ambulanten grundversorgenden Pädiatrie tätig zu werden.

Das Projekt bietet folgende Merkmale:

  • Verbundweiterbildung in einem verlässlichen Rahmen
  • Zusammenarbeit von Kinderkliniken und qualifizierten Weiterbilderpraxen
  • Durchführung in der Fläche in Schleswig-Holstein
  • Fundierte klinische Weiterbildung in den Bereichen der spezialisierten Pädiatrie einschließlich der Neonatologie und Intensivmedizin
  • Vollständiges Angebot aller für die Facharztweiterbildung geforderten Weiterbildungsinhalte im vorgegebenen Zeitrahmen
  • Vermittlung von Erfahrungen in der pädiatrischen Grundversorgung für Ärztinnen und Ärzte bereits in der Weiterbildung mit dem strukturierten kompetenzbasierten Curriculum PaedCompenda®
  • Abordnung in die Weiterbilderpraxis im vereinbarten Umfang
  • Darüber hinausgehender Stellenanteil wird in der Klinik abgeleistet
  • Der Arbeitsvertrag und die Vergütung bestehen unverändert fort
  • Die Tätigkeit wird von der Ärztekammer in vollem Umfang anerkannt

Hier werden die Ärzte auf der Basis des  strukturierten kompetenzbasierten Curriculums PaedCompenda® der Deutschen Gesellschaft für Ambulante Allgemeine Pädiatrie (DGAAP) weitergebildet (siehe nebenstehende Infoleiste).
Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Rahmen der Weiterbildung sind vielfältig und lassen sich oft an die Erfordernisse verschiedener Praxisformen, der Klinikstrukturen und an die Wünsche für die Tätigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Ärzte in Weiterbildung anpassen. An Beispielen berichten wir auf den folgenden Seiten exemplarisch, welche Erfahrungen Kliniker, niedergelassene Weiterbilder und Ärzte in Weitbildung mit dem Verbundmodell gemacht haben.

Beispiele

Beispiel 1

Verbundvertrag zwischen der Kinderklinik Itzehoe, der Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Pinneberg und der Ärztin in Weiterbildung Dr. Lara Philippa Schröder.

Im vierten Weiterbildungsjahr wird zwischen der Kinderklinik Itzehoe und der Praxis für Kinder- und Jugendmedizin in Pinneberg ein Abordnungsvertrag geschlossen. Dr. Lara Philippa Schröder arbeitet für zwölf Monate mit halber Stelle in der pädiatrischen Grundversorgung, mit der anderen halben Stelle ist sie weiterhin in der Klinik tätig und übernimmt auch Spät- und Wochenenddienste. Nach Ende der zwölf Monate kehrt sie mit voller Stelle an die Klinik zurück.


Dr. Lara Philippa Schröder,
Weiterbildungsassistentin Pädiatrie

SHÄ: Hat die Abstimmung zwischen Kliniktätigkeit und der Tätigkeit in der Praxistätigkeit funktioniert?

Dr. Lara Philippa Schröder: Anfangs gab es noch einige Schwierigkeiten in der Abstimmung. Mit zunehmenden Erfahrungen mit der Doppeltätigkeit wurde dies immer besser und hat später sehr gut geklappt.

Konnten Sie die Doppelbelastung von Klinik- und Praxistätigkeit bewältigen?

Dr. Schröder: An die fehlende Kontinuität in der Stationsarbeit der Klinik musste ich mich erst gewöhnen, die Arbeitsbelastung insgesamt habe ich eher als geringer empfunden als die reine Kliniktätigkeit.

Haben sich Ihre Erwartungen an die ambulante Weiterbildung erfüllt und was hat ihnen die Weiterbildung persönlich gebracht?

Dr. Schröder: Für mich war es interessant, zunächst bei der Untersuchung und Gesprächsführung dabei zu sein. Später war die Rückmeldung und Diskussion über den Umgang mit eigenen Patienten sehr hilfreich. Ein strukturiertes Weiterbildungs-Curriculum könnte meiner Ansicht nach noch konsequenter in der Praxis angewendet werden. Gelernt habe ich neben der Sicherheit in der Durchführung von Vorsorgen und Impfungen, dem Kennenlernen von Praxisalltag und Abrechnungswesen, einem besseren Verständnis für die Kommunikationsprobleme zwischen Klinik und Praxis die schnellere und fokussierte Versorgung von ambulanten Patienten. Ich kann eine solche Weiterbildung, auch wenn später keine Niederlassung angestrebt wird, nur empfehlen.

Vielen Dank für das Gespräch.


Dr. Georg Hillebrand,
Chefarzt der Kinderklinik Itzehoe

SHÄ: War es schwierig einen Abordnungsvertrag zu gestalten, der alle Wünsche von Klinik, Praxis und Weiterbildungsassistentin zusammenbringt?

Dr. Georg Hillebrand: Es gab durchaus Anlaufschwierigkeiten. Wir arbeiten hier in einem 3-Schicht-Modell, am Wochenende in einem 2-Schicht-Modell. Da lassen sich halbe Arbeitstage nicht gut integrieren. Der Wunsch der Weiterbilder-Praxis war jedoch verständlicherweise eine regelmäßige Anwesenheit der Assistentin, am besten mit täglich 4 Stunden Arbeitszeit. Da mussten wir einen Kompromiss finden, dies ist im Verlauf dann auch gut gelungen.
Ein anderes Problem waren ungeplante Ausfallzeiten von Kollegen in der Klinik: Hier muss beiden Seiten klar sein, dass die Weiterbildungsassistentin aufgrund des komplexen Einsatzplanes nicht mal eben als schnell einspringende Ersatzkraft zur Verfügung steht. Ebenso müssen Urlaube sorgfältig und mit langem Vorlauf geplant werden.

Wie waren die Erfahrungen nach der Rückkehr der ÄiW in die Klinik und wie lautet Ihr Fazit?

Dr. Hillebrand: Diese Rückkehr findet gerade erst statt. Mein erster Eindruck ist, dass die Kollegin an Wissen, Selbstständigkeit und Sicherheit gewonnen hat, vor allem in der Betreuung der ambulanten Notfallpatienten – dies war ja auch zu erwarten und ich freue mich, diese Erwartung nun bestätigt zu sehen.
Mein Fazit: Ein gutes Projekt, ein sinnvoller Baustein in der Weiterbildung zum Pädiater. Allerdings sollte es aus meiner Sicht keine Verpflichtung zur ambulanten Weiterbildung geben, sondern es sollte eine freiwillige Wahloption bleiben, die aufgrund ihrer Attraktivität sicherlich genügend Interessenten anzieht. Das Klinikum Itzehoe macht jedenfalls weiter mit, die nächste Rotation in die Praxis ist bereits fest geplant!

Vielen Dank für das Gespräch.

Beispiel 2

Verbundvertrag der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am WKK Heide mit der Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin Husum und der Ärztin in Weiterbildung Constanze Witt.

Constanze Witt sucht den Wiedereinstieg in die Weiterbildung nach einjähriger Elternzeit nach der Geburt von Zwillingen. Zuvor hat sie mit voller Stelle die ersten vier Weiterbildungsjahre in Kliniken absolviert. Für den Wiedereinstieg reduziert sie ihre Vollzeittätigkeit auf eine halbe Stelle und wird im Rahmen einer Abordnung in der Praxis für Kinder- und Jugendmedizin in Husum tätig. Dabei kommen ihr die geregelten Arbeitszeiten ohne Schicht-/Nacht- und Wochenenddienste für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegen.


Constanze Witt,
Weiterbildungsassistentin Pädiatrie

SHÄ: Was hat Ihnen die Weiterbildung persönlich gebracht?

Constanze Witt: Das Konzept der Verbundweiterbildung hat mir den Wiedereinstieg in den Beruf trotz der zurzeit hohen persönlichen Belastung überhaupt erst möglich gemacht. Dabei waren mir die Option der Rückkehr in die Klinik und ein festes Gehalt in Höhe der Klinikbezüge wichtig.
Schon länger hegte ich den Wunsch, einen Einblick in die ambulante Pädiatrie zu bekommen, den ich auf dem Weg zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, auch im Hinblick auf das für die Facharztprüfung erforderliche Wissen und dessen praktische Umsetzung, für unerlässlich halte. Nicht nur das Krankheitsspektrum unterscheidet sich zwischen Praxis und Klinik deutlich, auch die Vorgehensweisen in Diagnostik und Therapie sind andere und ergänzen sich zum Teil. Die Kenntnis beider Bereiche und ihrer Möglichkeiten ebnet meiner Meinung nach den Weg für eine gute Zusammenarbeit zwischen ambulanter und stationärer Pädiatrie.

War das strukturierte, kompetenzbasierte Weiterbildungscurriculum PaedCompenda® für Sie hilfreich?

Witt: Der Überblick über die großen Themengebiete der ambulanten grundversorgenden Pädiatrie war besonders zu Beginn eine große Hilfe. Der Anspruch, in allen Bereichen ein umfassendes Wissen und Handeln in einem begrenzten Zeitraum zu erlangen, ist allerdings ein sehr großer und birgt die Gefahr zu hoher Erwartungen an die eigenen Fähigkeiten. Es geht darum, in der täglichen Praxis wiederholt das eigene Tun zu hinterfragen und dem aktuellen Stand der Kenntnisse und Möglichkeiten anzupassen. Manche Inhalte können dabei unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens angegangen werden. Dafür und für den Abgleich des eigenen Weiterbildungsstands sowie die Fokussierung auf  Tätigkeitsschwerpunkte in der Weiterbildung kann das Curriculum  sehr hilfreich sein.

Welche Rolle spielen Beobachtung und Rückmeldung durch den Weiterbilder?

Witt: Terminierte Beobachtung, die Rückmeldungen und das Anvertrauen umschriebener Bereiche haben mir Sicherheit gegeben. Die täglichen Besprechungen und der unmittelbare Austausch sowie die Möglichkeit, zu jedem Zeitpunkt Rat und eine zweite Meinung einholen zu können, haben die Zeit für mich so wertvoll gemacht und eine solide Basis für meine folgende Weiterbildung in der Pädiatrie geschaffen.
 
Wie lautet Ihr Fazit der ambulanten Weiterbildung?


Witt: Ein Meilenstein in meiner Weiterbildung, den ich nicht missen möchte – weder beruflich noch persönlich. Es war für mich die Chance, mein verloren geglaubtes Wissen und meine Fähigkeiten wieder aufzufrischen und zu erweitern. Und eine Möglichkeit zu erleben, wie erfüllend eine kontinuierliche Betreuung eines bekannten Patientenstamms sein kann.

Vielen Dank für das Gespräch.


Dr. Christoph Weiß-Becker,
niedergelassener Kinder- und Jugendarzt

SHÄ: Wie lässt sich die Weiterbildung einer Ärztin zeitlich in den vollen Terminkalender und den durchgeplanten Tagesablauf in der Patientenversorgung integrieren?

Dr. Christoph Weiß-Becker: Am Anfangt bedarf es tatsächlich einer Umstellung in den Abläufen und es muss Zeit eingeplant werden, um Inhalte zu vermitteln. Mit Frau Witt haben wir die vierte Assistentin weitergebildet und immer wieder erlebt, dass die investierte Zeit im Verlauf der Weiterbildung am Ende doppelt zurückgegeben wird, indem die zunehmend selbstständigere Tätigkeit der Ärztin in Weiterbildung auch zu einer Entlastung der Weiterbilder führt.

Ist ein strukturiertes Weiterbildungskonzept für die Weiterbildung hilfreich?

Weiß-Becker: Unbedingt. Das eingesetzte Weiterbildungscurriculum PaedCompenda ist kompetenzbasiert, fragt also nicht, was die Weiterbildungsassistentin weiß, sondern was sie kann. Dies erfolgt durch Beobachtung und Rückmeldung. Im direkten Austausch auf Augenhöhe kann gemeinsam also sehr schnell entschieden werden, welche Tätigkeiten sich die Weiterbildungsassistentin zutraut und der Weiterbilder ihr auch anvertraut. Diese Tätigkeiten sind dann in der Zukunft selbstständig durchführbar. Das gibt im Arbeitsalltag für alle Beteiligten der Praxis Sicherheit bei der Aufgabenverteilung. Ein umfangreicher Lernzielkatalog für anspruchsvolle praxisrelevante Tätigkeiten der ambulanten allgemeinen Pädiatrie ermöglicht einen Überblick über die Vorkenntnisse vor Beginn der Weiterbildung in der Praxis und dient der Dokumentation des Weiterbildungsfortschritts, aber auch dazu, auf ausstehende Weiterbildungsinhalte zu fokussieren und diese gezielt zu erarbeiten.

Warum braucht es Ihrer Meinung nach einen Weiterbildungsverbund?

Weiß-Becker: Nach unseren Erfahrungen ist es schwierig – insbesondere für Praxen im ländlichen Raum wie der unseren – Ärzte in Weiterbildung für die Praxis zu finden. Auf der anderen Seite hören wir immer wieder den allgemeinen Wunsch der Assistenzärzte nach besserer Weiterbildung in der pädiatrischen Grundversorgung. Das alle Beteiligten – Kliniker, Niedergelassene und Ärzte in Weiterbildung – eingebunden in einen festen Rahmen zusammenkommen können, das kann im Verbund möglich gemacht werden.

Würden Sie wieder im Verbundmodell weiterbilden?

Weiß-Becker: Wir planen bereits die nächste Einstellung eines Weiterbildungsassistenten im Frühjahr. Weiterbildung in der eigenen Praxis bringt uns selbst ja auch weiter, indem wir uns von den Weiterzubildenden auf die Finger schauen lassen und unsere ärztliche Tätigkeit und die Praxisabläufe hinterfragen lassen und erklären müssen. Und zum Weiterbildungsverbund gehört auch ein regelmäßiger Austausch der Weiterbilder im Rahmen von Qualitätszirkeln. Dort findet ein fachlicher Austausch zu Weiterbildungsinhalten und -methoden statt, den ich nicht missen möchte.

Vielen Dank für das Gespräch.

Beispiel 3

Weiterbildungsassistent im dritten Weiterbildungsjahr in der Klinik plant eine Weiterbildung in der ambulanten Pädiatrie.

Simon Jung ist in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Itzehoe mit voller Stelle im 3. Weiterbildungsjahr tätig. Nachdem er vom Konzept der Verbundweiterbildung gehört hat, plant er im Rahmen eines Abordnungsvertrags mit halber Stelle in der Praxis Erfahrungen zu sammeln. Mit der anderen halben Stelle wird er in der Klinik weiterarbeiten.


Simon Jung

SHÄ: Warum Weiterbildung in der ambulanten Pädiatrie?

Simon Jung: Eine Weiterbildung in der ambulanten Pädiatrie eröffnet mir spannende Möglichkeiten, Kinder und ihre Erkrankungen über einen längeren Zeitraum als in der Klinik ärztlich begleiten zu können. Neben der Behandlung chronischer Erkrankungen interessiert mich hier insbesondere auch die präventive Medizin mit Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen. Zudem sehe ich die Weiterbildung in der ambulanten Pädiatrie als hervorragende Gelegenheit, tiefergehende Einblicke in den Praxisalltag zu erhalten, vom Zeitmanagement über Budget- und Ressourcenplanung bis hin zur Mitarbeiterführung und der Koordination interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Was erwarten Sie von einer guten Weiterbildung?

Jung: Ein strukturiertes Weiterbildungskonzept. Ich verspreche mir hiervon, auch im Praxisalltag stets den Überblick über den Weiterbildungsstand zu behalten, meine Lernschritte überprüfen zu können, um individuelle Schwerpunkte in der Weiterbildung vorrausschauend setzen zu können

Warum haben Sie sich für das Verbundmodell entschieden?

Jung: Als ich das erste Mal vom Verbundmodell hörte, war ich sofort begeistert. Neben einem strukturierten Weiterbildungskonzept bietet der Abordnungsvertrag eine sichere Vertragsgestaltung mit weitgehendem Einblick in die ambulante Pädiatrie und zugleich mit der Möglichkeit, den Kontakt in die Klinik zu halten und am Ende der Praxisweiterbildung unkompliziert in die Klinik zurückkehren zu können. Damit bleibt mir nach der Facharztprüfung die Option klinischer oder ambulanter Tätigkeit offen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Fazit

Das Verbundkonzept in Schleswig-Holstein führt zu einer Verbesserung der Weiterbildung, indem Inhalte der ambulanten allgemeinen Pädiatrie dort erlernt werden, wo sie vorkommen – in der Grundversorgung der Pädiatrie, in den Kinder- und Jugendarztpraxen in Schleswig-Holstein. Durch ein neues, strukturiertes und kompetenzbasiertes Curriculum wird die Qualität der Weiterbildung verbessert, sie wird nachvollziehbar und legt damit auch ein gutes Fundament für die Zusammenarbeit zwischen Praxen und Kliniken. Die Zukunft liegt in einem gemeinsamen kompetenzbasierten Weiterbildungsprogramm für Klinik und Praxis, die Lerninhalte werden aufeinander abgestimmt sein und sich ergänzen.
Weiterbildung im Verbundmodell wird für Weiterzubildende attraktiv, teilnehmende Kliniken und Praxen werden im Werben um Assistenten ein Qualitätsmerkmal in der Weiterbildung herausstellen können.
Erfahrungen in klinischer und ambulanter Weiterbildung werden Assistenten die Entscheidung für die spätere berufliche Ausrichtung erleichtern und helfen, eine flächendeckende Versorgung in der Pädiatrie auch in ländlichen Räumen aufrecht zu erhalten.
Schon jetzt zeigen sich – wenn auch noch nicht so deutlich wie in der Allgemeinmedizin – Probleme bei der Nachbesetzung von Praxen, und dies nicht nur in den ländlichen Regionen, sondern auch in städtischen Bereichen. So sehr neue Möglichkeiten der Förderung ambulanter Weiterbildung in der Kinderheilkunde zu begrüßen sind, ist zugleich zu bedauern, dass bislang Praxen in kreisfreien Städten von der Förderung ausgenommen sind. Viele Praxen liegen  in der Nähe von großen weiterbildenden Kliniken dieser Städte und bleiben damit von der Förderung ausgeschlossen. Hier heißt es, in Zukunft auf Änderungen zu drängen.
Flächendeckende Verbundweiterbildung in der Pädiatrie in Schleswig-Holstein ist ein zukunftsweisendes Projekt. Es gilt, das Vorhaben auszubauen und mit Leben zu füllen.


Dr. Christoph Weiß-Becker
Weiterbildungsbeauftragter des Berufsverband
für Kinder und Jugendmedizin in Schleswig-Holstein

Foto: AdobeStock/vchalup