Weiterbildungsbefugte haben Zeit, eine Befugnis nach neuer WBO zu beantragen. Ihre Befugnis bleibt für einen Übergangszeitraum gesichert. Weiterzubildende müssen nicht befürchten, dass Weiterbildungszeiten verloren gehen.

Die ärztliche Weiterbildung wird unter verantwortlicher Leitung der von der Ärztekammer befugten Ärzte in einer zugelassenen Weiterbildungsstätte durchgeführt. Es handelt sich um eine wichtige hoheitliche Aufgabe, die im Rahmen einer Befugniserteilung von der Ärztekammer Schleswig-Holstein auf entsprechende Kammermitglieder übertragen wird.

Hierfür sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. So kann eine Befugnis u. a. nur erteilt werden, wenn der Arzt die Bezeichnung, die er weiterbilden möchte, selber führt, fachlich und persönlich geeignet ist und eine mehrjährige Tätigkeit nach Abschluss der entsprechenden eigenen Weiterbildung nachweisen kann sowie in verantwortlicher Stellung tätig ist. Ganz entscheidend für die Erteilung einer Befugnis ist die Weiterbildungsstätte, an der die Weiterbildung durchgeführt werden soll, da der zu erteilende Befugnisumfang wesentlich davon abhängt, was dort vermittelt werden kann. So müssen insbesondere die für die Weiterbildung typischen Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten nach Zahl und Art der Patienten regelmäßig und häufig genug vorkommen. Auch müssen Personal und Ausstattung der Einrichtung den Erfordernissen der medizinischen Entwicklung Rechnung tragen.

Viele zur Weiterbildung befugte Ärzte in Schleswig-Holstein fragen sich aktuell vielleicht, welche Auswirkungen die am 1. Juli 2020 in Kraft tretende neue Weiterbildungsordnung auf ihre bestehende Weiterbildungsbefugnis haben wird. Die nach bisheriger Weiterbildungsordnung erteilten Befugnisse gelten für Weiterbildungen nach der bisherigen WBO bis zum Auslaufen des Gültigkeitsdatums weiter. Damit haben die weiterbildungsbefugten und die sich in Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzte eine gewisse Planungssicherheit, um eine begonnene Weiterbildung innerhalb der Übergangsfristen für Schwerpunkt- und Zusatz-Weiterbildungen bis zum 30. Juni 2023 und für Facharztweiterbildungen bis zum 30. Juni 2027 abschließen und anerkannt bekommen zu können.  
Befristet gelten die nach bisheriger Weiterbildungsordnung erteilten Befugnisse auch für die neue Weiterbildungsordnung. In diesen Fällen wird individuell auf eine Gleichwertigkeit geprüft und die absolvierten Weiterbildungszeiten können in der Regel anerkannt werden.

Allerdings sind die Weiterbildenden in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass in diesen Fällen die Weiterbildungsinhalte nach der neuen WBO und den dazugehörigen Richtlinien zum Inhalt der Weiterbildung vermittelt werden, die durchaus von der bisherigen WBO abweichen können. Zudem liegt es gemeinsam mit den Weiterzubildenden in deren Verantwortung, darauf zu achten, dass die in der neuen WBO vorgeschriebenen Weiterbildungszeiten entsprechend absolviert werden. Auch haben beide gemeinsam die Verantwortung dafür, dass eine entsprechende Dokumentation der Weiterbildung in dem dafür von der Kammer zur Verfügung gestellten elektronischen Logbuch vorgenommen wird.  

Können also bestimmte Anteile der Weiterbildung an der Weiterbildungsstätte nicht vermittelt werden, ist dafür Sorge zu tragen, dass durch Rotation oder Wechsel an eine andere, geeignete Weiterbildungsstätte die Weiterbildung in der vorgeschriebenen Weise absolviert werden kann.  
Da sich Weiterbildungszeiten in den Schwerpunkt- und Zusatz-Weiterbildungen verkürzt haben, kann es zu Irritationen hinsichtlich erteilter Weiterbildungsbefugnisse kommen, die im Folgenden kurz erläutert werden sollen: Alle Schwerpunktweiterbildungen haben sich von drei Jahren, wovon bislang ein Jahr bereits während der Facharztweiterbildung absolviert werden konnte, auf zwei Jahre verkürzt, wobei gleichzeitig aber auch die „Versenkbarkeit“ weggefallen ist. Das bedeutet, dass zusätzlich zur Facharztweiterbildungszeit lediglich zwei Jahre Weiterbildung im Schwerpunkt absolviert werden müssen. Vergleichbares gilt für viele Zusatz-Weiterbildungen, wobei auch hier zeitliche Abweichungen möglich und zu beachten sind. Wenn nun eine nach bisheriger WBO ausgesprochene Befugnis für einen Schwerpunkt im Umfang von 24 Monaten (2/3 der nach bisheriger WBO erforderlichen Weiterbildungszeit) erteilt worden war, kann nicht davon ausgegangen werden, dass diese nach neuer Weiterbildungsordnung automatisch einer vollen Weiterbildungsbefugnis entsprechen würde, weil die Weiterbildungszeit sich auf zwei Jahre verkürzt hat.  

Daher an dieser Stelle noch einmal der dringende Appell an Weiterbildende und Weiterzubildende, sich bei Beginn der Weiterbildung ab dem 1. Juli 2020 unbedingt nach den Inhalten der neuen WBO zu richten. Weiterzubildende, die erst ab dem 1. Juli 2020 mit ihrer Weiterbildung beginnen, haben nicht die Wahl, ihre Weiterbildung nach der bisherigen oder nach der neuen Weiterbildungsordnung durchzuführen, sondern haben sich in jedem Fall nach der neuen WBO zu richten. Insofern wird es auch im Interesse der Weiterbilder sein, eine entsprechende Weiterbildungsbefugnis nach neuer WBO zeitnah zu beantragen.  

Zum praktischen Vorgehen: Ab 1. Juli 2020 werden Unterlagen für die Beantragung einer Weiterbildungsbefugnis nach neuer WBO auf der Homepage der Ärztekammer Schleswig-Holstein (www.aeksh.de) zur Verfügung stehen. Parallel wird der Weiterbildungsausschuss in den nächsten Monaten für die meisten Fächer Kriterien für die Erteilung von Weiterbildungsbefugnissen nach der neuen WBO entwickeln. Sobald diese vom Kammervorstand verabschiedet worden sind, werden die entsprechenden Weiterbildungsbefugten darüber informiert und gebeten, in den darauffolgenden zwölf Monaten eine entsprechende Befugnis nach neuer WBO zu beantragen.  
Sollte zu diesem Zeitpunkt bereits nach neuer Weiterbildungsordnung eine Befugnis erteilt worden sein, kann eine Überprüfung des erteilten Befugnisumfangs anhand der dann verabschiedeten Kriterien durch die Kammer vorgenommen und auch von dem Weiterbildungsbefugten beantragt werden.  
 
Manuela Brammer

Artikel aus der 5. Ausgabe des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatts.