Viele Schleswig-Holsteiner bemühten sich in den vergangenen Monaten erfolglos um einen Impftermin: Telefonische Versuche in den Arztpraxen endeten wegen der zahlreichen anderen Anrufer mit einem Besetztzeichen und wer auf einen Termin im Impfzentrum hoffte, musste sich im Anmeldeportal mit einer sechsstelligen Zahl an Mitbewerbern einen immer gleichen Bildschirm teilen, um am Ende ohne Termin auszuschalten.
Neue Registrierungsmöglichkeiten für die Arztpraxen und für die Impfzentren haben diesen Zustand kürzlich beendet. Das neue Anmeldeportal der KV (www.praxis­impfliste-sh.de) lässt Arztpraxen und Impfwillige in Schleswig-Holstein leichter zusammenfinden und verringert zugleich das Anrufaufkommen in den Praxen.

„Wir sehen im Moment sehr großen Bedarf, den Anmeldeprozess zu erleichtern und den Impfstoff zu den Menschen zu bringen“, sagte KV-Chefin Dr. Monika Schliffke zum Start des Portals am 19. Mai. Die Warteliste löste die Impflisten in den einzelnen Praxen ab. Bis dahin hatten die impfenden Praxen nach der geltenden Priorisierung eigene Listen geführt, ohne zu wissen, ob die entsprechende Person nicht bereits geimpft wurde.
Nach einem ersten Aufruf der KV waren zum Start 122 Praxen landesweit verzeichnet, aus denen Impfwillige seitdem auswählen können. Die KV erwartete, dass sich weitere Praxen anschließen, wenn diese ihre bestehenden Wartelisten abgearbeitet haben. Das kostenlose Angebot konnten zunächst nur Menschen nutzen, die 60 Jahre oder älter sind und sich mit AstraZeneca impfen lassen möchten.

Dafür werden die Anmeldedaten an die ausgewählte Praxis weitergeleitet, diese teilt den Impfwilligen dann einen Termin mit. Das Portal informiert die Impfwilligen darüber, dass bis zum Anruf rund eine Woche vergehen kann. Ihren Platz auf der Warteliste können die Registrierten anschließend mit einem Barcode verfolgen. Das Portal hält auch weitere Informationen bereit, damit schon vor dem Praxisbesuch möglichst viele Fragen geklärt sind.
Für die 28 Impfzentren in Schleswig-Holstein gibt es seit diesem Monat ebenfalls eine Registrierungsmöglichkeit. Zuvor wurden Termine über das Portal www.impfen-sh.de direkt vergeben, sobald Impfstoff vorrätig war – was bei den leer ausgegangenen Impfwilligen für Verärgerung gesorgt hatte. Da auch keine Registrierungsmöglichkeit für eine Warteliste geboten wurde, mussten sie wiederholt auf die Seite gehen und neue Versuche starten. Diese „Lotterie“ wurde von vielen Menschen als Zumutung empfunden.
Landesgesundheitsminister Dr. rer. pol. Heiner Garg kündigte neben der künftigen Registrierungsmöglichkeit auch an, dass die Impfzentren mindestens bis Ende September weiter impfen und dass auch die mobilen Teams im Einsatz bleiben werden, um in Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünften zu impfen. Mit den Kommunen strebe das Land eine Abstimmung darüber an, welche Anlaufstellen in sozialen Brennpunkten für Impfaktionen infrage kommen. Als mögliche Standorte nannte Garg Tafeln und Stadtteilcafés.

An den Schulen will Garg möglichst noch vor Beginn der Sommerferien mit den Impfungen beginnen lassen – sobald der Impfstoff für Jüngere zugelassen ist. Garg betonte, dass deshalb nicht weniger Impfstoff für andere Altersgruppen zur Verfügung steht.
In einer Pressekonferenz am 18. Mai war Garg auch auf den bisherigen Pandemieverlauf in Schleswig-Holstein eingegangen und hatte auf die im Bundesvergleich niedrigen Inzidenzwerte hingewiesen. „Wir sind dankenswerterweise das Bundesland mit den niedrigsten Inzidenzen pro 100.000 Einwohner“, betonte Garg. Er sah darin eine „gute Ausgangslage, um Lockerungen auf den Weg zu bringen“.

Mitte Mai hatten mehr als eine Million Menschen in Schleswig-Holstein eine Erstimpfung erhalten. Garg zeigte sich optimistisch, dass die Impfquote in den Folgewochen weiter deutlich gesteigert werden könnte – wenn die zugesagten Impfstofflieferungen eintreffen. Er erinnerte daran, dass die Knappheit der Impfstoffe der Grund dafür ist, dass bislang noch nicht jeder Impfwillige einen Impftermin bekommen konnte.

Text: Dirk Schnack/Foto: Thomas Eisenkraetzer