Die betriebliche Einstiegsqualifizierung für medizinische Fachangestellte stellt ein bewährtes Instrument zur Aktivierung von Ausbildungspotenzialen dar. In Zeiten, in denen fast täglich über den bevorstehenden Fachkräftemangel berichtet wird, ist auch das medizinische Assistenzpersonal von dieser Entwicklung nicht ausgeschlossen.

Im Rahmen des „Nationalen Paktes für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs“ wurde das Instrument der Einstiegsqualifizierung eingeführt. Es handelt sich um ein Förderprogramm der Bundesagentur für Arbeit, das sich u. a. an Ausbildungsbewerberinnen und -bewerber richtet, die mit individuell eingeschränkten Vermittlungsperspektiven auch nach dem 30. September (im Anschluss an die bundesweiten Nachvermittlungsaktionen der Kammern und der Agentur für Arbeit) noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben oder noch nicht in vollem Umfang über die erforderliche Ausbildungsbefähigung verfügen. Durch den Praxisbezug eröffnet die Einstiegsqualifizierung jungen Menschen die Möglichkeit, ausbildungsrelevante Grundlagen sowie erste berufliche Erfahrungen zu gewinnen , die sich unmittelbar aus den Inhalten der Ausbildungsordnung ableiten.

Abgesehen von dem wünschenswerten Effekt, dass Schulabgängerinnen und Schulabgänger frühzeitig in zielführende Qualifizierungen aufgenommen werden, haben die ausbildenden Betriebe den Vorteil, dass sie zukünftige Auszubildende und deren Leistungsfähigkeit kennenlernen und praxisnah zur Ausbildung hinführen können. Zu beachten ist, dass eine praxisbezogene Ausbildung immer Vorrang vor einer Einstiegsqualifizierung hat, und dass die Übernahme in Ausbildung vom Unternehmen angestrebt werden soll.

Der ausbildende Betrieb schließt mit dem/der Bewerber/-in einen Praktikumsvertrag mit Vergütungspflicht gemäß § 26 Berufsbildungsgesetz. Dieses Langzeitpraktikum dauert mindestens sechs bis maximal zwölf Monate mit einer Probezeit von maximal einem Monat. Die Einstiegsqualifizierung muss inhaltlich so gestaltet sein, dass sie Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit vermittelt und auf den Ausbildungsberuf vorbereitet. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein hat hierzu einen Qualifizierungsvertrag, einen Qualifizierungsplan sowie einen Beurteilungsbogen erstellt.

Während der Einstiegsqualifizierung als Medizinische Fachangestellte bestehen Berufsschulpflicht und und die Verpflichtung an einem zweiwöchigen überbetrieblichen Praktikum im Edmund-Christiani-Seminar teilzunehmen. Die Kosten dafür sind vom Arbeitgeber zu tragen.

Die vermittelten Kenntnisse und Fertigkeiten sind vom Arbeitgeber zu bescheinigen. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein stellt über die erfolgreich durchgeführte praxisbezogene Einstiegsqualifizierung ein Zertifikat nach entsprechender Mitteilung durch den Arbeitgeber aus.

Die Zeit der Einstiegsqualifizierung kann bei erfolgreichem Abschluss und Einhaltung der Berufsschulpflicht eine nachfolgende Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten um bis zu sechs Monate verkürzen.

Gefördert wird die Einstiegsqualifizierung durch die Bundesagentur für Arbeit. Der Arbeitgeber erhält einen Zuschuss zu der Vergütung bis zur Höhe von 216 Euro, sowie einen pauschalierten Anteil am durchschnittlichen Sozialversicherungsbeitrag. Dieser Betrag wird jährlich neu berechnet, bleibt jedoch für die Dauer des individuellen Förderzeitraums konstant.

Nähere Informationen zu den Voraussetzungen einer Einstiegsqualifizierung erhalten Sie in auch im Rahmen des Projektes „Passgenaue Vermittlung“ im Zuge dessen die Mitarbeiterinnen des Edmund-Christiani-Seminars die Arztpraxen bei der Auswahl geeigneter Auszubildender unterstützt.