Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
die am 30. März versandte eMail der Ärztekammer war lediglich als Erinnerung daran gedacht, dass unsere Mitglieder ohne elektronischen Heilberufeausweis demnächst mit Nachteilen zu rechnen haben und leider zurzeit bei den Vertrauensdiensteanbietern auf Bundesebene bei der Beantragung mit Verzögerungen rechnen müssen.
Wir sehen uns seitdem einem "Shitstorm" sondergleichen ausgesetzt, der einmal mehr deutlich macht, dass viele unserer Mitglieder nicht ausreichend oder gar fehlinformiert sind. Die Eckpunkte seien hier gleich nochmals aufgeführt.
Zuvor möchten wir aber als Präsident und als ärztlicher Geschäftsführer Ihrer Kammer unserer Fassungslosigkeit über verbale Entgleisungen bei den geäußerten Anwürfen "Luft machen". Es ist für uns nicht nachvollziehbar, wie sich im Gesundheitswesen tätige Vollakademiker insbesondere gegenüber nachgeordneten MitarbeiterInnen der Kammer derart im Ton vergreifen können, als seien sie für "das Übel dieser Welt" verantwortlich.
Denjenigen von Ihnen, die sich in großer Überzahl mit sachlichen Fragen gemeldet haben, danken wir für Ihre Geduld und hoffen, dass wir zur Klärung beigetragen konnten.

Informiert zu sein, setzt eine Befassung mit der Thematik voraus, die wir Ihnen leider auch nicht abnehmen können:
Das Bundesgesundheitsministerium treibt die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung mit Nachdruck voran. Nicht nur durch entsprechende Gesetzgebung (siehe SGB V) sondern auch durch Übernahme der Anteilsmehrheit an der damit beauftragten gematik GmbH. Der Aufbau der so genannten Telematik-Infrastruktur mit all ihren Komponenten - wozu auch der elektronische Heilberufeausweis (eHBA) gehört - sowie die verpflichtende Einführung entsprechender Anwendungen inklusive der Sanktionen ist bundesgesetzlich verankert. Weder Ärztekammern, noch Kassenärztliche Vereinigungen sind für Reihenfolge und Zeittaktung verantwortlich, auch wenn die ärztlichen Körperschaften elektronische Kommunikationswege selbstverständlich für zeitgemäß halten und deren Nutzung fördern.
Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung informieren seit Monaten (wenn nicht Jahren) über die anstehenden Veränderungen, sowohl im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt, als auch im Nordlicht sowie auf unseren Homepages. Das Deutsche Ärztblatt hat ganze Reihen zu diesem Thema veröffentlicht.
Der eHBA ist ein offizieller (Bundes-)Ausweis mit einer so genannten qualifizierten Signatur-Funktion, der Sie als Ärztin/Arzt eindeutig ausweist. Dieser ist zur Teilnahme an der Telematik-Infrastruktur erforderlich. Der eHBA wird durch vom Staat akkreditierte Vertrauensdiensteanbieter ausgestellt, die dafür eigenständig Gebühren erheben. Den Ärztekammern ist es immerhin gelungen, den "normalen" Arztausweis gleich mit "aufdrucken" zu lassen, damit unsere Mitglieder nicht zwei unterschiedliche Ausweise immer dabei haben müssen. Um diese "normale" Arztausweisfunktion automatisch sicherzustellen, haben wir die Beantragung des eHBA bei einem der vier Bundesanbieter über unsere Homepage für Sie eingerichtet. Von den Gebühren erhalten wir als Kammer keinen Cent. Die Kosten zur technischen Ausstattung und Einrichtung (auch für den eHBA) werden anteilig von den Krankenkassen übernommen. Für Vertragsärzte hält die Kassenärztliche Vereinigung auf ihrer Homepage umfassende Informationen zur Umsetzung, Finanzierung und zu den Anwendungen bereit. Für Krankenhausärzte wird die Umsetzung in der Regel hausintern organisiert.

Wir können Ihre Proteste an vielen Stellen nachvollziehen, sind aber als (Landes-)Ärztekammer - wie dargelegt - die völlig falsche Adressatin. Aber auch Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung, die sich mit Forderungen nach alltagstauglicher Umsetzung, zur Finanzierung und zum Missmanagement bei den Anwendungen immer wieder lautstark zu Wort gemeldet haben, haben nur bedingt Einfluss.

Trotzdem hoffen wir, Ihnen mit diesem Überblick einen Leitfaden zur Überwindung der Irritationen an die Hand geben zu können.
In diesen speziellen Zeiten aber wünschen wir Ihnen jetzt zunächst ein frohes Osterfest.

Prof. Dr. Henrik Herrmann, Präsident

Dr. Carsten Leffmann, ärztlicher Geschäftsführer