Bad Segeberg, 13. September 2019 – Die zentrale Rolle der Allgemeinmedizin im Gesundheitswesen ist in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein gestärkt worden. Nun müssen Konzepte erarbeitet werden, die die Bedürfnisse junger Ärztinnen und Ärzte besser berücksichtigen und einen flexiblen Einstieg in die hausärztliche Versorgung in allen Regionen ermöglichen. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein hält insbesondere Team- und Delegationsmodelle für sinnvoll. Zwangsmaßnahmen wie etwa die Landarztquote lehnt die Ärztekammer dagegen ab.

Vorbild Allgemeinmedizin – ein Leuchtturmprojekt
"Junge Ärztinnen und Ärzte erwarten, dass sie sich in ihrer Tätigkeit auf die ärztlichen Aufgaben konzentrieren können. Das kann nur gelingen, wenn sie Teamstrukturen vorfinden, die Delegation ermöglichen", sagt der Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Dr. Henrik Herrmann. Neben diesen beiden Punkten hält er digitale Unterstützung des hausärztlichen Praxisalltags für unerlässlich. Von Arbeitgebern erwartet er, dass Ärzte in Weiterbildung positives Feedback erhalten und nicht dauerhaft über der Belastungsgrenze eingesetzt werden.„Die Qualität der universitären Ausbildung der Allgemeinmedizin ist auf einem sehr hohen Niveau. Und durch die gute Zusammenarbeit zwischen Ärztekammer, KV und Landeskrankenhausgesellschaft in Form des Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin (KWA.SH) steigt das Ansehen der Allgemeinmedizin auch außerhalb des universitären Rahmens“, fasst Herrmann den Status Quo der Disziplin zusammen. Das merken die Studierenden sowie Ärztinnen und Ärzte. Herrmann ist sich sicher, durch eine starke Weiterbildung wird die Allgemeinmedizin an Ansehen gewinnen: „In Zukunft wird die Allgemeinmedizin durch Best-Practices und Peer Review-Verfahren anderen Disziplinen ein Vorbild sein.“

Normative Ansätze statt Zwang
Einsatzmöglichkeiten finden Allgemeinmediziner in Schleswig-Holstein reichlich. Neben Einzel- und Gemeinschaftspraxen und Ärztezentren auf dem Land sind auch in den Städten vereinzelt hausärztliche Stellen zu besetzen. Trotz der hohen Nachfrage nach Hausärzten auf dem Land wäre eine Landarztquote, wie sie politisch diskutiert wird, aus Sicht Herrmanns das falsche Signal. "Allgemeinmedizin ist attraktiv - unabhängig von der Region, in der sie ausgeübt wird. Zu dieser Tätigkeit muss niemand verpflichtet werden. Zielführender wäre es, die Regionen, die keinen Hausarzt finden, attraktiver zu machen und die Arbeitsbedingungen vor Ort an die Bedürfnisse der jungen Allgemeinmediziner anzupassen", sagt Herrmann. Er gibt auch zu bedenken, dass die von Politikern diskutierte Landarztquote Studienanfängern diktieren würde, wo sie zwölf Jahre später ihren Beruf ausüben sollen. "Das halte ich für komplett unangemessen. Ich setze auf Hausärzte, die freiwillig und gerne in ihrer Region arbeiten", so Herrmann.

In Schleswig-Holstein hat u.a. die Arbeit der beiden Lehrstühle für Allgemeinmedizin in Kiel und Lübeck, aber auch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass die Allgemeinmedizin unter angehenden Ärztinnen und Ärzte stärker in den Fokus gerückt ist. Einen Überblick über den Wandel in der Allgemeinmedizin, über die aktuelle Situation und die Herausforderungen in der hausärztlichen Versorgung bietet das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt in der aktuellen Ausgabe ab heute. (www.aeksh.de/aerzteblatt/2019/09)