Altruismus bei den einen, überzogene Rendite-Erwartungen bei den anderen? Die einen, die guten, das sind die öffentlichen und die frei-gemeinnützigen Klinikträger. Die anderen mit den vermeintlich überzogenen Rendite-Erwartungen sind die privaten Klinikträger. Soweit die Schwarz-Weiß-Sicht, wie sie manche Ärzte immer stärker wahrnehmen, wenn öffentlich über die Rolle von Klinikträgern diskutiert wird.

Dieser Eindruck drängte sich auch Klinikärzten in Schleswig-Holstein auf, etwa nachdem sie im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt (Ausgabe 2, Seiten 24, 25: „Zu profitorientiert“) die Zuschrift unserer Leserin Dr. Mechthild Klingenburg-Vogel gelesen hatten. Viele der bestehenden Probleme im Gesundheitswesen sind nach ihrer Ansicht verschärft worden, weil sich der Staat zunehmend aus der Finanzierung zurückzieht und Kliniken deshalb gedrängt werden, sich marktwirtschaftlich und wettbewerbsorientiert auszurichten.

Für Dr. Wolfgang Klauser und Dr. Jörg Löwe war dieses Statement Anlass, Kontakt mit uns aufzunehmen. Denn schon seit geraumer Zeit nehmen sie wahr, dass in vielen anderen Beiträgen u. a. von Politikern häufig wenig differenziert wird, wenn im Zusammenhang mit der Ökonomisierung die Rolle privater Klinikträger diskutiert wird. Im Gespräch mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt warnten sie vor einer Schwarz-Weiß-Sicht, die die Verantwortung für Defizite im Gesundheitswesen auf marktwirtschaftlich ausgerichtete Klinikträger schiebt.

Klauser, Chefarzt der Orthopädie in der zum Fresenius-Konzern zählenden VAMED Ostseeklinik Damp, betont, dass für ihn und seine Kollegen kein Druck besteht, bestimmte Fallzahlen zu erreichen oder Renditen zu erwirtschaften. „Solche Vorgaben habe ich nie erlebt. Den Satz „die Rendite stimmt nicht“ habe ich bei uns noch nie gehört. Leistungsziele gibt es bei uns hinsichtlich der Qualität, aber nicht der Menge“, sagt er. Als Arzt fühlt er sich herabgewürdigt, wenn Patienten, Kollegen oder Politiker Klinikträgern, in denen er arbeitet, eine Philosophie unterstellen, deren primäres Ziel Renditemaximierung ist. „Das widerspräche meinem ärztlichen Auftrag und ich bin sicher, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen das auch nicht mitmachen würden.“

Sein Kollege Dr. Jörg Löwe, leitender Oberarzt und stellvertretender Chefarzt im Lubinus Clinicum, fühlt sich bei seinem Arbeitgeber ebenfalls wohl, eben weil er einem finanziellen Erwartungsdruck nicht standhalten muss. „Wir arbeiten so, wie es aus medizinischer Sicht für die Patienten am sinnvollsten ist. Die Rendite stand bei uns noch nie an erster Stelle“, sagte der Orthopäde, der schon seit seiner AiP-Zeit im Jahr 2002 in dem traditionsreichen Kieler Privatkrankenhaus tätig ist.

In einem anderen Punkt machen die beiden unterschiedliche Erfahrungen. Klauser berichtet zum Teil von niedergelassenen Ärzten mit Vorurteilen gegenüber privaten Klinikträgern. „Dazu trägt sicherlich bei, dass wir einem Dax-Konzern angehören. Als Ärzte können wir versuchen, mit unserer Expertise zu überzeugen – und da haben wir gute Argumente“, sagt Klauser. Löwe nimmt bislang keine Ressentiments von einweisenden Kollegen wahr. Er führt dies auf den Ruf des Hauses und die zum Teil über Jahrzehnte bestehenden Kooperationen zurück. Wohl aber hört er von Vorurteilen, die pauschal gegenüber privaten Klinikträgern geäußert werden. Hier sieht er Politik und Standesvertretungen gefordert: „Es sollte klar formuliert werden, ob das Nebeneinander von öffentlichen und privaten Trägern gewollt ist oder aber die Weichen für andere Lösungen gestellt werden, um die Diskussion um Trägerschaften aus der Ärzteschaft herauszuhalten und Schaden für das Ansehen der Kollegen in den privaten Häusern abzuwenden.“

Klauser verweist auf die zahlreichen Ärzte, die nicht nur schon jetzt für private Klinikträger arbeiten, sondern auch auf hohe Bewerberzahlen. Er führt dies insbesondere auf ein umfangreiches internes Fortbildungsprogramm zurück. „Wir fordern viel, wir fördern aber auch“, sagt er. Löwe verweist in diesem Zusammenhang auf ein gutes Betriebsklima und eine angenehme Arbeitsatmosphäre, die es bei dem oft kolportierten Renditedruck aus seiner Sicht kaum geben könnte.

Ein Imageproblem, wie sie es bei manchen Kolleginnen und Kollegen im mittleren Alter aus Äußerungen wahrnehmen, beobachten sie unter jüngeren Ärztinnen und Ärzten nicht. Den zum Teil geäußerten Vorwurf der „Rosinenpickerei“ halten Löwe und Klauser für ungerechtfertigt und führen ihn auf die zunehmende Spezialisierung der Krankenhauslandschaft zurück. Diese Spezialisierung erfordert, dass manche Eingriffe in ihren Häusern abgelehnt und andere Einrichtungen dafür empfohlen werden. Dies geschehe dann aber nicht aus Rendite-Erwägungen, sondern aus Qualitätsgründen. „Die von uns angebotenen Leistungen erbringen wir in hoher Qualität. Wenn uns das nicht möglich ist, überweisen wir“, sagt Klauser. Löwe berichtet, dass nicht jeder Eingriff, der bei Lubinus vorgenommen wird, zwangsläufig Rendite verspricht. „Es kommt auch vor, dass sich Eingriffe nicht lohnen. Wir operieren dann trotzdem, weil es darum geht, den Menschen zu helfen“, sagt Löwe.

Dass Kliniken aber grundsätzlich gehalten sind, Gewinne zu erwirtschaften, halten beide für legitim. Ohne Gewinn wären Investitionen in neue Medizintechnik und Ausstattung, die den Patienten zugutekommen, nicht möglich, geben sie zu bedenken. Dass neben den Investitionen auch noch Renditen und damit Dividenden für Aktionäre möglich sind, ist für sie kein Ausweis kalter Marktwirtschaft, sondern funktionierender Mechanismen: Ohne Anreiz eines Gewinns gäbe es kein frisches Kapital, das dem Gesundheitswesen zufließt. Das Vertrauen, dass der Staat dauerhaft dieses Kapital zur Verfügung stellt, haben sie nicht – die Aussicht privater Kapitalgeber auf Rendite dient also aus ihrer Sicht dazu, die Versorgung zu verbessern. Klauser sagt deshalb ganz deutlich: „Private Klinikträger sind für unsere Gesundheitsversorgung unverzichtbar.“ Auch Löwe hält diese Sichtweise für alternativlos: „Anders wäre realitätsfern.“

Beiden Ärzten ist daran gelegen, den Austausch mit Kollegen im ambulanten Bereich und in öffentlich-rechtlich oder frei-gemeinnützigen Häusern zu intensivieren und nicht zu polarisieren. „Das kollegiale Miteinander muss unangetastet bleiben“, sagt Löwe. Beide geben auch zu bedenken: „Im ambulanten Bereich sind Praxisinhaber ebenfalls gehalten, ihre Arbeit so effizient zu gestalten, dass neben den Gehältern ein Unternehmergewinn und ein Überschuss für Investitionen bleibt.“

Gerne hätten wir das Thema auch noch mit Ärzten aus Schleswig-Holstein besprochen, die bei anderen privaten Klinikträgern beschäftigt sind. Nach Anfragen bei drei weiteren privaten Klinikträgern gab es jedoch die erstaunliche Antwort, dass aus ihren Kliniken kein Arzt an einem solchen Gespräch teilnehmen wird – obwohl eine Autorisierung der jeweiligen Passagen zugesichert war. Eine Begründung für die Absage lieferte keiner der drei Träger.
Text: Dirk Schnack / Foto: VAMED Ostseeklinik Damp