Eva-Maria Ebner ist seit fünf Jahren niedergelassene HNO-Ärztin in Oldenburg in Holstein – ganz gegen den Trend in Einzelpraxis. Trotz einiger Hürden hat sie ihre Entscheidung nie bereut.
Junge Ärztinnen wollen sich meistens nicht niederlassen. Wenn doch, nicht in Einzelpraxis. Aber ganz bestimmt nicht in der Provinz, sondern möglichst in einer Metropole. Es sind Vorurteile wie diese, mit denen das Traineeprogramm der KV Schleswig-Holstein unter jungen Ärzten aufräumt. Seit 2014 lädt die KV in diesem Rahmen Ärzte, die sich für eine Niederlassung interessieren, ein, um Informationen von Experten und erfahrenen Kollegen zu bekommen. 
Neben Expertentipps u. a. zu Finanzen, Steuern, Abrechnung und EDV bekommen die Teilnehmer Erfahrungsberichte aus erster Hand. Niedergelassene Kollegen aus Schleswig-Holstein berichten den angehenden Vertragsärzten, wie sie den Weg in die Praxis bewältigt haben und wie sie die oft kritisierten Rahmenbedingungen in der ambulanten Versorgung wahrnehmen und im Alltag mit ihnen zurechtkommen. Eine von ihnen ist Eva-Maria Ebner. Die heute 38-jährige HNO-Ärztin entschied sich schon mit 33 Jahren für die Niederlassung und hat diesen Schritt bis heute nicht bereut: „Ich würde mich jederzeit wieder niederlassen“, sagt sie. Sie schätzt es, ihre eigenen Entscheidungen fällen zu können – deshalb ist die Einzelpraxis auch fünf Jahre nach der Übernahme für sie noch die richtige Praxisform. Das schon unterbreitete Angebot einer Teilhaberschaft lehnte sie ab, weil sie die Entscheidungen in ihrer Praxis auch künftig gerne selbst fällen möchte. 
Dass ihre Standortwahl ausgerechnet auf Oldenburg in Holstein fiel, verdankt sie dem ambulanten Abschnitt ihrer Weiterbildung. Der führte sie in die Einzelpraxis eines Kollegen, der sich nach Süddeutschland verändern wollte. Ebner beschäftigte sich deshalb schon vor ihrer Facharztprüfung mit der Möglichkeit der Niederlassung und der Praxisübernahme. Die gebürtige Wolfsburgerin erlebte die Kleinstadt in Ostseenähe als lebenswert: „Ich fühle mich hier angekommen und angenommen“, sagt sie über das Leben in Oldenburg, wo rund 10.000 Menschen leben.
Leicht fiel ihr der Praxisstart dennoch nicht. Ebner hatte in den ersten Jahren ihrer Niederlassung eine Reihe von Hürden zu überwinden. Die wichtigsten:
  • Hoher Patientenandrang: Schon ihr Vorgänger hatte eine überdurchschnittlich gut frequentierte Praxis mit rund 1.600 Scheinen im Quartal geführt. Bei Ebner stieg die Patientenzahl noch einmal an – auf rund 2.100 Scheine wurde die Praxis ausgebaut. Negative Folge dieser eigentlich positiven Resonanz: Abschläge in der Abrechnung. Ebner bewältigte die Situation, indem sie eine Sonderbedarfszulassung bei der KV beantragte und bewilligt bekam. Sie fand einen erfahrenen Arzt, der seit Sommer angestellt bei ihr arbeitet.
  • Regress: Die Androhung eines Regresses konnte Ebner abwehren, weil sie dokumentieren konnte, dass sie deutlich über Fachgruppendurchschnitt behandelt und die Überschreitungen durch den Schwerpunkt Allergologie und das damit verbundenen Patientenvolumen deshalb gerechtfertigt waren. Die Regressandrohung wurde zurückgenommen.
  • Wirtschaftliches Risiko: Die hohe sechsstellige Summe für die Praxisübernahme und die damit verbundene langfristige Verschuldung schreckte zunächst auch Ebner. Ihre Kalkulation ergab aber, dass sie den Kredit auch in kürzerer Zeit zurückzahlen könnte, als von den Banken empfohlen. Tatsächlich erlaubten die Praxiserlöse dann eine Rückzahlung des Praxiskredits innerhalb von fünf Jahren. 
Nach Bewältigung dieser Hürden blickt Ebner noch optimistischer in die Zukunft. Mit der frei werdenden Liquidität will sie die technische Ausstattung ihrer Praxis weiter verbessern. „Mein Ziel ist es, die Patienten so gut wie möglich zu versorgen. Deshalb freue ich mich, dass ich jetzt neu investieren kann“, sagt Ebner.
Nichts verändern will sie an ihrem Praxisstandort im Ärztehaus Oldenburg auf dem Gelände des örtlichen Krankenhauses. Dort hat Ebner mehrere Belegbetten und damit die Möglichkeit, Eingriffe direkt neben ihrer Praxis durchführen zu können. Für das Krankenhaus, das auch die Praxisräume vermietet, ist sie außerdem konsiliarärztlich tätig. Damit verfügt Ebner über verschiedene Standbeine, auf die sie das wirtschaftliche Risiko verteilen kann. 
Eine andere Konstellation als die Einzelpraxis in Oldenburg kann sich Ebner derzeit schwer vorstellen: „Ich möchte hier noch rund 25 Jahre lang Patienten behandeln.“ Ob das immer in Einzelpraxis geschehen wird oder in anderen Konstellationen, lässt sie offen. Wichtiger ist ihr, dass sie das für sie aktuell passende Praxismodell gefunden hat, auch wenn es nicht den gängigen Vorstellungen entspricht. Eine Einschränkung machte sie bei ihrer insgesamt positiven Darstellung vor den Kollegen: Die fünf Jahre bewältigte sie ohne Kinder. Als Mutter, so lautete ihre Einschätzung, wäre der Schritt in die Niederlassung sicherlich schwerer gewesen. Damit bestätigte sie die Skepsis mancher Teilnehmerinnen, denen die Niederlassung als junge Mutter oft als zu große Hürde erscheint. Speziell auf die Vereinbarkeit von Familie und Praxis ist die in der Akademie der Ärztekammer stattfindende Reihe deshalb auch schon eingegangen. 
Dirk Schnack 
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