Vorher noch belächelt als ein Thema für Idealisten und Datensammler und beschränkt auf den institutionellen Rahmen des Qualitätsmanagements, reift es jetzt zu einer Steuerungskomponente auf Systemebene.“ So Professor Matthias Schrappe, Internist und Systemforscher, ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrates Gesundheit und Autor des Buches Qualität 2030 (Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2015).

Auch wenn die Einführung und kontinuierliche Weiterentwicklung von Qualitätssicherungsverfahren nach und nach in allen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung seit nunmehr 30 Jahren gesetzlich verpflichtend ist, kommt der Qualität und deren „Management“ durch die in Umsetzung befindliche qualitätsrelevante Vergütung nochmals mehr Bedeutung zu. Die Definition von „Management“, die dabei unsere Nöte, professionellen Anforderungen und individuellen Wünsche im deutschen Gesundheitswesen wunderbar zum Ausdruck bringt, stammt von Joan Magretta in ihrem Buch Basic Management (dtv 2004) und lautet: „Komplexität und Spezialisierung in Leistung verwandeln“.

Ein zielorientiertes, erfolgreiches Qualitätsmanagement nicht zuletzt im ärztlichen Sinn bedarf somit einer Methodenkompetenz, die zwar nicht „vom Himmel fällt“, aber auch keine „Hexerei“ ist. Alle anderen Branchen dieser Welt machen es uns vor, viele Ärzte indes haben dieses „powervolle“ Handwerkszeug noch nicht für sich entdeckt, sondern lassen sich – zweifellos im Kerngeschäft eng eingebunden – durch den Gesetzgeber in Sachen Qualität „vor sich hertreiben“.

Die Bundesärztekammer hat mit der ersten Auflage des Curriculums „Ärztliches Qualitätsmanagement“ bereits 1996 ein Schulungsprogramm aufgelegt, dem sich auch andere Berufsgruppen problemlos anschließen konnten. Die meisten Anbieter öffneten daher von Anfang an ihre Kurse allen Gesundheitsprofis mit Berufserfahrung. Ärzte konnten gemäß Weiterbildungsordnung nach Absolvierung des Kurses durch Prüfung die führbare Zusatzqualifikation erlangen.

Mehrere Tausend haben in den folgenden Jahren diesen Kurs durchlaufen und sich in unterschiedlichen Einrichtungen mit unterschiedlichem zeitlichem Engagement dem Thema verschrieben. Es gibt wohl kaum noch einen größeren Anbieter in der ambulanten wie stationären Versorgung, der nicht entsprechende Experten beschäftigt, auch wenn sie überwiegend mit der Umsetzung gesetzlicher Forderungen beschäftigt sind. Inzwischen gehen die ersten von ihnen in den Ruhestand.

Auch die 2018 verabschiedete neue (Muster-)Weiterbildungsordnung hält an der Zusatz-Weiterbildung „Ärztliches Qualitätsmanagement“ fest und fordert eine mindestens zweijährige Weiterbildung in einem Gebiet und eine 200 Stunden umfassende Kursweiterbildung. In der Version vom April dieses Jahres liegt nunmehr eine komplett überarbeitete Neufassung des Bundesärztekammercurriculums vor, in der zum Beispiel den Themen „Patientensicherheit und Risikomanagement“ so viel mehr Raum gegeben wird, dass ein ehemals eigenständiges Curriculum dazu entfallen kann.

Nach diesem brandaktuellen Curriculum findet nach langer Pause wieder ein Kurs im Norden statt. Um von vornherein die Möglichkeit einer berufsgruppenübergreifenden Teilnahme zu signalisieren, wurde der Kurs mit dem Titel „Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung“ angekündigt. Unter der Leitung von Prof. Henrik Herrmann und dem Verfasser dieses Beitrags wurde in Kooperation mit erfahrenen Experten ein Kurs konzipiert, der glücklicherweise die notwendige Teilnehmerzahl erreichte und am 8. Juni in Bad Segeberg mit einer ersten Präsenzwoche startete. Herrmann, selbst Qualitätsmanager und seit vielen Jahren KTQ-Visitor, lag auch als Präsident der Ärztekammer ein Neustart in diesem urärztlichen Bereich sehr am Herzen. Der Verfasser bringt u. a. Erfahrungen aus der GQMG (Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung) und als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg mit ein.
Ohne letztendlich als Kursanbieter Einfluss darauf haben zu können, hat sich wie so oft eine hochinteressante Zusammensetzung der Teilnehmer ergeben, die sich nicht nur für den Kurs, sondern speziell auch für die Referenten von Anfang an als Gewinn darstellte. So nehmen neben jüngeren Kollegen erfahrene Ärzte in Leitungspositionen, Kollegen im Dienst der Bundeswehr oder des MDK sowie hauptberuflich im Qualitätsmanagement Tätige aus vier Bundesländern an dem Kurs teil. Die Referenten sind hauptsächlich Experten aus dem norddeutschen Raum, oder reisen – wie zum Thema Projektmanagement – sogar aus München an.

Nach weiteren Präsenzwochen im September und Dezember folgt ein Abschlusswochenende im Februar 2021. Zusammen mit eLearning-Modulen im Umfang von 40 Stunden und einem Praxisprojekt in individueller Eigenarbeit wird der geforderte Umfang von 200 Stunden erreicht und der Kurs endet mit der Vorstellung und Diskussion der Praxisprojekte. Auch gemäß der am 1. Juli 2020 in Kraft getretenen Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Schleswig-Holstein können sich dann die schleswig-holsteinischen Teilnehmer zur Erlangung der Zusatzbezeichnung „Ärztliches Qualitätsmanagement“ bei der Kammer zur Prüfung anmelden. Analoges gilt für die Teilnehmer aus anderen Bundesländern in ihren Kammerbereichen.
Text: Dr. Carsten Leffmann/Foto: di