Vor fünf Jahren war das Ärztezen­trum Büsum ein Projekt, von dem niemand wusste, ob es funktioniert: Eine Gemeinde stieg erstmals in Deutschland in die ambulante Versorgung ein und gründete eine kommunale Eigeneinrichtung. Das bedeutet wirtschaftliches Risiko für die Kommune, um über angestellte Ärzte die ambulante Versorgung zu sichern. Inzwischen ist nicht nur die gesichert, das Zentrum zieht auch immer mehr nicht-ärztliche Gesundheitsberufe an.
„Das Ärztezentrum hat eine Sogwirkung für das Personal und für andere Gesundheitsanbieter entfaltet“, sagt Thomas Rampoldt. Der Geschäftsführer der Ärztegenossenschaft Nord managt auch das Ärztezentrum der Gemeinde Büsum. Als Rampoldt damit im Jahr 2015 begann, gab es in dem Seebad ein Ärztehaus mit vier Einzelpraxen in der Westerstraße. Die niedergelassenen Ärzte wollten ihre Praxen abgeben, fanden aber keine Nachfolger. Heute ist vom damaligen Haus nur noch der Eingangsbereich übrig. Von den Ärzten ist nur noch Dr. Volker Staats, der 2015 jüngster Praxisinhaber war, dabei. Heute ist Staats nicht mehr selbstständig, sondern angestellter ärztlicher Leiter in einem Team mit fünf weiteren Kollegen. Mit 63 Jahren ist Staats inzwischen der älteste Arzt.

Andere Gesundheitsberufe haben sich ebenfalls für den Standort entschieden. Unter dem Dach des Zentrums finden sich Apotheke, Physiotherapie, Heilpraktiker, der Kurmittelbereich, ein Schulungszentrum. Eine ärztliche Psychotherapeutin, ein Zahnarzt und ein Sanitätshaus kommen noch hinzu. Das von Rampoldt zu Beginn einkalkulierte Minus aus dem Geschäftsbetrieb ist dank der Mieteinnahmen von Jahr zu Jahr geringer geworden. Im letzten bislang veröffentlichten Wirtschaftsjahr 2018 waren dies noch 30.000 Euro. Das sind überschaubare Kosten, auch weil im Gegenzug ein Millionenbetrag für den Kurmittelbereich nicht mehr anfällt. Insgesamt arbeiten rund 50 Menschen bei den verschiedenen Gesundheitsanbietern im Ärztezentrum, das nach Eröffnung des nächsten Bauabschnitts 4.700 Quadratmeter umfassen wird.

Die Gemeinde hatte als Vorreiter für kommunale Eigeneinrichtungen das Glück, dass sie aus verschiedenen Fördertöpfen, u. a. von der KV Schleswig-Holstein, unterstützt wurde. Die KV setzt wie berichtet heute auf lokale Zentren, die von selbstständigen Ärzten geführt werden.

 Führen also Zentren wie Büsum zum Ende der Selbstständigkeit? Staats, der selbst 22 Jahre niedergelassen war, hat trotz des Büsumer Erfolges die Vorteile der Selbstständigkeit nicht vergessen. „Man ist sein eigener Herr und es ist finanziell attraktiver“, sagt er. Über das Thema Selbstständigkeit werde im Team gesprochen und für ihn steht fest: „Die Selbstständigkeit eines Arztes aus Büsum wäre nicht das Ende unseres Gemeinschaftsprojektes.“

Rampoldt verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass jeder im Zentrum angestellte Arzt in die Niederlassung gehen und dennoch seine Praxis im Haus behalten kann. Dies war bei der Gründung Voraussetzung für die Förderung durch die KV und auch ein Wunsch der Ärztegenossenschaft, deren Mitglieder überwiegend niedergelassen sind. Rampoldt hat die Hoffnung nicht aufgegeben, auch dieses Ziel mit dem Ärztezentrum erreichen zu können: „Ich kann mir gut vorstellen, dass einer unserer jungen Ärzte irgendwann diesen Schritt gehen wird.“
Text/Foto: Dirk Schnack