Als das Gemeinschaftslabor Holsteinische Ärzte am 3. Dezember 1973 gegründet wurde, startete der Verbund mit 36 Ärzten. Anfangs mit mehr Gegen- als Rückenwind aus der Berufspolitik, wie sich Dr. Kurt Lamprecht erinnert. Doch schnell zeigte sich, dass die Labormedizin ein unverzichtbares Element der medizinischen Diagnostik ist. Lamprecht ist Mitinitiator des Gemeinschaftslabors und Entscheidungsträger der ersten Stunde. Er war nach dessen Gründung im Jahr 1973 einer der Stellvertreter des ersten Vorsitzenden und späteren KV-Vorsitzenden Dr. Eckard Weisner aus Preetz und übernahm 1991 den ersten Vorsitz.
Die ersten Jahrzehnte waren von Strukturveränderungen der Gesellschaftsverträge geprägt, die durch Anpassungen der Labor-Gebührenordnung forciert wurden. Doch das Einsparpotenzial durch die Konzentration auf Laborgemeinschaften hat bis heute Vorteile. So änderten sich die Abrechnungsmodalitäten von ehemals Individualabrechnungen hin zu einer fachgruppenspezifischen Labor-Pauschale. Ausgenommen sind privatärztliche Abrechnungen über die GOÄ. Mit wenigen Ausnahmen haben niedergelassene Ärzte seither keine Regressforderungen zu befürchten.
Neben Veränderungen, die die Abrechnungen betreffen, haben sich seither viele Arbeitsabläufe und Leistungen des Gemeinschaftslabors weiterentwickelt. Ein Flächenland wie Schleswig-Holstein verlangte früh nach innovativen logistischen Diensten.

„Anfangs fuhren die ersten Mitarbeiter mit dem Fahrrad die ersten Proben von den Praxen abholen“, erinnert sich Lamprecht an die ersten Jahre. Später fuhren die Angestellten mit dem privaten PKW. Und noch etwas später konnte das Gemeinschaftslabor einen eigenen Fahrdienst anbieten. Heute können Ärzte, die Mitglied der Gesellschaft sind, Proben per App zur Abholung anmelden und eine Wunschabholzeit vermerken. Ein Kurierdienst holt, wenn nötig auch mehrmals täglich, die Proben ab und bringt sie in eines der Labore. „Die Ergebnisse der Proben kommen in Echtzeit auf die Mobilgeräte der Ärztinnen und Ärzte“, so Dr. Johannes Schuldt. Der junge niedergelassene Internist aus Schwentinental übernahm nach seiner Wahl zum ersten Vorsitzenden und einer Einarbeitung durch Lamprecht dessen Position im Sommer des vergangenen Jahres.
Für ihn steht fest, dass sich die Kontakte zu den Arztpraxen wieder verstetigen müssen. Vor der Corona-Pandemie öffnete das Labor wöchentlich seine Pforten für interessierte Ärzte und das Praxispersonal, die sich so einen Einblick in die Laborarbeit verschaffen konnten. Zudem wurden Fortbildungen in der Labordiagnostik und -technik angeboten.
Dass ein junger Arzt zu Beginn seiner beruflichen Karriere dieses Ehrenamt übernimmt, freut Lamprecht. Er hatte schon länger nach einem potenziellen Nachfolger gesucht. Für Schuldt war es keine allzu schwere Entscheidung. Mit guter Einarbeitung wurde er an die Aufgaben als Vorsitzender herangeführt, erleichtert wurde ihm der Einstieg durch die familiäre Atmosphäre im Gemeinschaftslabor. Schuldts Formel für das Gewinnen von Ehrenämtlern: „Einfach ausprobieren.“


Text: Stephan Göhrmann
Foto: Stephan Göhrmann