„So schaff´ ich am sausenden Webstuhl der Zeit“ – Goethes Zitat gilt mehr denn je in unserem täglichen Leben und in unserem Gesundheitswesen. Der zuständige Gesundheitsminister trägt 19/19 dazu bei, 19 Gesetze in 19 Monaten, die meisten davon 2019. Das zeigt den Wandel an, in dem wir uns zurzeit befinden. Natürlich impliziert dieser Wandel Veränderungen, Unsicherheiten, eventuell auch Ängste.

Doch in allen Veränderungen besteht auch die Möglichkeit von neuen Entwicklungen und Verbesserungen. Ein Leben ohne Wandel ist kaum vorstellbar: Medizinisch-technischer Fortschritt, neue Diagnostikverfahren, Patienten erheben digital eigene Daten, neue Medikamente, die bisher nicht heilbare Erkrankungen teilweise nach einer Verabreichung heilen können, digitale Transformation. Diese Veränderungen sinnvoll in die medizinisch-ärztliche Versorgung einzubinden, ist jetzt die große Herausforderung, der sich die Ärzteschaft und die Ärztekammern stellen. Dabei geht es vor allem um Vertrauen in die Medizin, denn ohne Vertrauen wird keine Patienten-Arzt-Beziehung aufzubauen sein. Unsere Ärztekammer hat sich in diesem Jahr dieser Thematik in allen ihren Facetten angenommen.

Ein weiteres Hauptthema in diesem Jahr ist die Umsetzung der Musterweiterbildungsordnung in das Landesrecht gewesen. Die neue Weiterbildungsordnung verdient das Attribut neu: Kompetenzbasierung als Grundgedanken, Inhalte vor Zeiten, neue Kriterien für Befugniserteilungen, fachlich empfohlene Weiterbildungspläne, ein elektronisches Logbuch – auch hier ist der digitale Wandel sichtbar. Nun hat die Kammerversammlung Ende November das Gesamtwerk verabschiedet. Doch es liegt wie in allen anderen Bereichen noch viel Arbeit vor uns. Jetzt gilt es, die neue Weiterbildungsordnung umzusetzen, Informationsveranstaltungen und Schulungen durchzuführen, vor Ort in die Krankenhäuser und großen ambulanten Weiterbildungsstätten zu gehen und die neue Satzung mit Leben zu erfüllen. Für uns ist die Weiterbildung von höchster Bedeutung: Sie prägt die neue Arztgeneration und vermittelt neben Kompetenzen auch Haltung, Werte und die Fähigkeit, sich neuen Entwicklungen und Veränderungen zu stellen und diese in ärztliches Handeln zu integrieren. Dies ist übrigens schon immer ärztlicher Alltag gewesen, nur dreht sich der Webstuhl immer schneller.
Doch wird es immer die Weihnachtszeit geben, Momente zum Innehalten und Besinnen, jenseits von Wandel und Veränderungen. Wir wünschen uns allen ruhige, erholsame Tage, Zeit für unsere Familie und Freunde und Vorfreude auf das neue Jahr, das ein spannendes neues Jahrzehnt einleiten wird.

Freundliche Grüße

Ihre
Dr. Henrik Herrmann, Dr. Gisa Andresen, Dr. Carsten Leffmann, Karsten Brandstetter