„Nichts ist so beständig wie der Wandel“ – seit Heraklit begleitet uns diese Weisheit und prägt gesellschaftliche Diskussionen. Zurzeit stehen der Klimawandel und der digitale Wandel an erster Stelle. Beide haben weltumspannende Bedeutung, beide betreffen alle gesellschaftliche Schichten, Politik und das Gesundheitswesen gleichermaßen. Und doch gibt es Unterschiede: Während beim Klimawandel die Auswirkungen und Problemlösungen noch umstritten sind und sich im Entscheidungsprozess befinden, ist die digitale Transformation Realität und ihre Umsetzung erfolgt in einer rasanten Geschwindigkeit.

Dies zeigt sich auch in unserem Gesundheitswesen. Die Digitalisierung schreitet voran, digitale Innovationen werden in ärztliches Handeln überführt. Die Integration von Innovationen in die Patientenbehandlung stellt für uns Ärztinnen und Ärzte immer eine Herausforderung dar. Sei es das Thermometer, das Stethoskop, das Röntgen und nun die digitale Technik – die Fragen sind die gleichen: Haben wir Vertrauen in die Innovationen, schaden sie nicht, welchen Nutzen haben sie, tun sie Gutes? Dazu müssen wir Stellung beziehen, klare ethische und medizinische Grundsätze festlegen und Verantwortung übernehmen.
Ich bin mir sicher, dass die digitale Medizin nicht nur eine andere, sondern auch eine bessere Medizin sein wird. Sie unterstützt uns in der Entscheidungsfindung, sie ist für uns ein unverzichtbares Hilfsmittel und erleichtert definierte Prozesse. Wie jede Innovation birgt sie neben Chancen auch Risiken. Es liegt an uns, die technischen, rechtlichen und ethischen Fragen im Hinblick auf die digitale Transformation zu stellen und gemeinsam zu beantworten, um die Patientenversorgung sicherer, gezielter und besser zu machen. Unsere Ärztekammer nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein, indem sie die Umsetzung in die Versorgungsrealität aktiv begleitet, mit den Partnern im Gesundheitswesen zusammenarbeitet, offen für sinnvolle Veränderungen ist und sich der Vertrauensfrage in der digitalen Medizin stellt. Dazu möchten wir auch einen neuen Ausschuss „Digitale Transformation“ auf der nächsten Kammerversammlung bilden.
Der digitale Wandel wird nie unsere ärztliche Profession ersetzen, nie Empathie, Humanität und individuelle Erfahrungen im direkten Patienten-Arzt-Kontakt bieten können. Er kann uns aber wieder Raum und Zeit dafür geben und uns auf unsere ärztlichen Kernkompetenzen und unsere Sinne fokussieren.

Freundliche Grüße

Ihr Dr. Henrik Herrmann
Präsident