Ein "urärztliches Verfahren" für das Qualitätsmanagement: Peer Review ermöglicht einen kollegialen Dialog auf Augenhöhe.

Seit 2011 etabliert die Ärztekammer Schleswig-Holstein als Koordinierungsstelle das Peer Review Verfahren als neue und freiwillige Methode in der Qualitätssicherung in Schleswig-Holstein. Es wurde von Ärzten für Ärzte entwickelt und steht für gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft voneinander zu lernen. Besucher („Peer“) und Besuchter analysieren gemeinsam medizinische Sachverhalte und erarbeiten Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken. Verbesserungspotenziale sollen erkannt, Prozessabläufe optimal organisiert und Fehler möglichst vermieden werden. In der Ärzteschaft erfährt das Verfahren eine hohe Akzeptanz. Im Vordergrund steht der kollegiale Dialog auf Augenhöhe.

 

Phasen des Peer Review Verfahrens

Ein Peer-Review-Verfahren läuft typischerweise in mehreren Phasen ab: Selbstbewertung, Fremdbewertung und kollegialer Besuch vor Ort und Bericht. Im kollegialen Dialog werden gemeinsame Abläufe reflektiert, ggf. identifizierte Verbesserungspotenziale beschrieben und Lösungsansätze diskutiert. Maßnahmen, die sich daraus ergeben, werden idealerweise in den PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Act) des internen Qualitätsmanagementsystems einer Einrichtung eingespeist. Transparenz in der Analyse und zugleich Vertraulichkeit im Review zählen zu den kollegialen Prinzipien, die dem fachlichen Austausch zugrunde liegen.

Die Bundesärztekammer sieht das Peer-Review-Verfahren innerhalb der Qualitätsmanagementbestrebungen als ärztliche Leitmethode an und hat ein Curriculum Ärztliches Peer Review zur Schulung von Peers und einen Leitfaden Ärztliches Peer-Review verfasst.

In Schleswig-Holstein wird Peer Review derzeit durchgeführt in...

...der Intensivmedizin (hier aufklappen)

Das intensivmedizinische Peer-Review-Verfahren ist für Chefärztinnen und Chefärzte bzw. Ärzte und Fachpflegekräfte in leitender Position entwickelt worden. Ziel ist ein persönlicher Erkenntnisgewinn für alle beteiligten Ärzte und Pflegekräfte. Die medizinisch-fachlichen Inhalte des Verfahrens werden regelmäßig durch eine der DIVI (Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Notfall- und Intensivmedizin) angegliederten Lenkungsgruppe aktualisiert.

Das intensivmedizinische Review-Team ist multidisziplinär besetzt und besteht aus zwei Intensivmedizinern und einer Pflegefach­kraft Intensivmedizin. Es wird von einem ärztlichen Mitarbeiter der Ärztekammer begleitet. Alle Teilnehmer des Peer-Reviews unterzeichnen eine Verschwiegenheitserklärung.

Für die Qualifikation als Peer sind die Teilnahme an einem Kurs nach dem Curriculum der Bundesärztekammer sowie die Durchführung von zwei Probereviews erforderlich. Der Schwerpunkt des Curriculums besteht einerseits auf der Vermittlung von Verfahrenskenntnissen, andererseits auf der sozialen und kommunikativen Kompetenzvermittlung.

...der Allgemeinmedizin (hier aufklappen)

 Seit dem Jahr 2014 wird das Peer Review Verfahren im ambulanten Bereich in der Allgemeinmedizin zunächst im Rahmen eines Pilotprojektes angeboten. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch das Institut für Allgemeinmedizin des UKSH in Kiel. Eine an den Ausschuss Qualitätsmanagement der Ärztekammer Schleswig-Holstein angegliederte Arbeitsgruppe hat sich mit der Konzeption dieses Verfahrens befasst und wird sich auch zukünftig mit der weiteren Entwicklung befassen.

Zielgruppe sind niedergelassene Ärzte, die die Fachgebietsbezeichnung Allgemeinmedizin besitzen oder hausärztlich tätige Internisten. Angestellte Ärztinnen und Ärzte der genannten Fachrichtungen können sich ebenfalls an diesem Verfahren beteiligen. Sowohl der besuchende als auch der besuchte Peer unterzeichnen eine Verschwiegenheitserklärung.

Voraussetzung ist die Teilnahme an einer Schulung zum Peer in der Allgemeinmedizin in Anlehnung an das Curriculum „Ärztliches Peer Review“ der Bundesärztekammer. Die Präsenzzeit für diese Schulung beträgt 6 Stunden. Im Vordergrund steht die Vermittlung der Rolle als Peer und von personalen Kompetenzen. 

Interessenten an beiden Peer Review Verfahren können sich gerne an die Ärztekammer Schleswig-Holstein wenden, die die Koordinierungsfunktion für dieses Verfahren inne hat.