Oskar-Medizinpreis für Christoph Lange
Verliehen wurde der Preis am 23. März auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in München. Lange bezeichnete die Auszeichnung als Anerkennung für sein gesamtes Team. Zentraler Motor seiner Forschung ist das europäische Netzwerk TBnet, das Lange 2006 mitgegründet hat und das europaweit rund 1.000 Mitglieder umfasst. Wie wichtig grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Fall der Tuberkulose ist, machte Lange am Beispiel der Ukraine deutlich: Das Land hat sich von einer mittleren Tuberkulose-Inzidenz bis zum Jahr 2022 innerhalb von zwei Jahren nach Beginn der russischen Invasion zu einem Hoch-Inzidenz-Land entwickelt.
Ziel: Diagnostik und klinisches Management verbessern
Langes besonderes Forschungsinteresse gilt Antibiotika-resistenten Tuberkuloseerregern, weil es über viele Jahre keine neuen Medikamente gab und die Entwicklung von Resistenzen dadurch gefördert wurde. Mit seiner Forschung möchte Lange die Diagnostik sowie das klinische Management verbessern und neue Tuberkulosetherapien entwickeln. Lange gilt auch als „Pionier der Präzisionsmedizin der Tuberkulose". „Wir konnten zeigen, dass individualisierte Therapien bessere Behandlungserfolge erzielen als starre Standardregime. Mit molekularen Methoden können heute Antibiotikaresistenzen frühzeitig und ausreichend präzise vorhergesagt werden, um betroffenen Personen individuell die wirksamste Therapie anzubieten“, wurde Lange in einer Pressemitteilung der DGP anlässlich der Preisverleihung zitiert.
Perspektiven für Menschen, denen Antibiotika nicht helfen
Arbeiten seines Teams haben dazu geführt, dass die WHO 2020 die Definitionen für die Behandlungsergebnisse der Tuberkulose überarbeitet hat und 2021 die Schweregrade der Antibiotikaresistenz von Tuberkulosebakterien durch die WHO neu definiert wurden. Im UNITE4TB Konsortium entwickelt Lange gemeinsam mit internationalen Partnern neue Tuberkulosetherapien, um damit Perspektiven für Menschen zu schaffen, bei denen aktuell verfügbare Antibiotika nicht mehr wirksam sind.
Internationale Standards für Antibiotic Stewardship
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Christoph Lange konnten zeigen, dass Resistenzen gegen neue Medikamente entstehen können – ein Warnsignal für die globale Gesundheitspolitik. Als Reaktion darauf wurden erstmals internationale Standards für ein Antibiotic Stewardship speziell für Tuberkulose entwickelt. Mithilfe dieser Standards soll zukünftig der Einsatz von Antibiotika besser gesteuert und die Entstehung weiterer Resistenzen gebremst werden.
Preisgeld fließt in die Umsetzung der Standards
Das Preisgeld von 50.000 Euro will Lange unmittelbar in die Umsetzung dieser Standards investieren. Geplant ist eine internationale Konferenz im Sommer 2026 in Moldau, bei der Expertinnen und Experten aus mehr als 50 Ländern zusammenkommen. In einer gemeinsamen Bestandsaufnahme auf Basis einer bereits durchgeführten Umfrage wird dann gezeigt, in welchen Ländern Standards auf welche Weise bereits etabliert sind. Dort, wo noch Handlungsbedarf besteht, sollen gezielte Maßnahmen eingesetzt werden, um Antibiotic Stewardship für die Tuberkulose in Europa sukzessive zu etablieren. (PM/RED)












