Nachruf auf Prof. Hans Rieckert
Am 22. November 2025 verstarb Prof. Hans Rieckert. Von 1974 bis 2003 war er Lehrstuhlinhaber für Sportmedizin an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel.
Nach dem Abitur im Jahr 1958 in Calw studierte er Medizin an der Universität Tübingen sowie an der CAU. Nach dem medizinischen Staatsexamen im Jahr 1963 wurde er 1964 in Kiel mit einer Dissertation zur Muskelphysiologie promoviert. Im Jahr 1970 habilitierte er sich an der Universität Ulm im Fach Physiologie. Bereits 1973 erhielt er dort eine Professur und baute die Leistungsphysiologie maßgeblich auf.
An der CAU war Prof. Rieckert der erste Lehrstuhlinhaber für das Fach Sportmedizin. In den 1970er Jahren wirkte er entscheidend am Aufbau des neu strukturierten Instituts für Sportwissenschaft mit. Im Zuge der Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele 1972 wurden in Kiel damals für die Universität wegweisende Sportstätten errichtet, die heute unter Denkmalschutz stehen.
Seine Forschungsschwerpunkte lagen im Bereich der körperlichen Leistungsfähigkeit: Er untersuchte, wie der menschliche Organismus auf Belastung reagiert, welche Grenzen und Anpassungsprozesse bestehen und wie diese Erkenntnisse für Training und Wettkampf nutzbar gemacht werden können. Mehrere Dutzend Medizinerinnen und Mediziner wurden von ihm promoviert.
Als langjähriger Leiter der medizinischen Untersuchungsstelle Kiel des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein stellte die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1988 in Seoul als Mannschaftsarzt des Deutschen Segler-Verbands einen seiner beruflichen Höhepunkte dar.
Als Vorsitzender des Sportärztebundes Schleswig-Holstein von 1975 bis 2008 etablierte und entwickelte er das Fach Sportmedizin in unserem Bundesland mit großem Engagement weiter. Er selbst war ein vielseitiger Sportler: Bis ins Alter von über 70 Jahren absolvierte er Ligaspiele im Tennis. Seine besondere Leidenschaft galt zudem dem Wintersport. Über viele Jahre organisierte er sportmedizinische Exkursionen nach Oset in Norwegen. Auch in Kiel konnte man ihn bei der ersten noch so dünnen Schneedecke beim Skilanglauf auf dem Sportplatz oder im Wald antreffen.
Darüber hinaus prägte er Generationen von Sportlehrkräften und Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftlern, die in Kiel studiert haben. Auch als Emeritus blieb er ein außerordentlich geschätzter und hoch angesehener akademischer Lehrer, Arzt und Freund und unterstützte die Lehre weiterhin aktiv, zuletzt in der Ringvorlesung „Alter, Gesundheit und aktiver Lebensstil“.
Mich unterstützte er als mein Vorgänger stets kollegial und sehr freundschaftlich. Sein Tod ist für unser Institut und auch für mich persönlich ein großer Verlust. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.












