In Gedenken an Dr. Rolf Burger
Als wir die Ausbildung zum Internisten begannen, war die Medizin noch eine andere. Patienten blieben nicht selten zwei Wochen im Krankenhaus. Es gab Zeit für Beobachtung, für Gespräche, für Zweifel und für das langsame Verstehen von Krankheit. „Diesen Patienten müssen wir erst noch auf uns wirken lassen.“
Heute, in einer Medizin der Fallpauschalen, der kurzen Liegezeiten, der getakteten Abläufe, verstehen wir besser, was er damit meinte. Für Dr. Burger war Krankheit niemals nur ein Laborwert, ein CT-Befund oder eine Endoskopie. Die biografische Anamnese war für ihn tägliche ärztliche Praxis. Er war Lehrer im besten Sinne des Wortes. Er lehrte nicht nur Differentialdiagnosen, sondern ärztliche Haltung. Gründliche Untersuchung. Präzise Beobachtung. Kritisches Denken. Er lehrte uns Respekt vor dem Patienten.
Autorität muss nicht laut sein
Wir erinnern uns an die täglichen Mittagsbesprechungen. Schwierige Fälle wurden diskutiert, Befunde hinterfragt und Diagnosen gesucht. Ebenso gehörten Literatur, Musik, Philosophie und Humor dazu. Nicht selten wurde zwischen medizinischen Fragestellungen eine Videoszene von Loriot gezeigt. Humor war ein Markenzeichen von Dr. Burger. In seiner Gegenwart wurde viel gelacht.
Viele von uns verdanken ihm ihre medizinische Prägung. Er hat uns gezeigt, dass fachliche Exzellenz und Bescheidenheit kein Widerspruch sind. Dass Autorität nicht laut sein muss. Dass Führung nicht durch Kontrolle entsteht, sondern durch Vertrauen. Und dass man auch als Chefarzt stets neugierig bleiben kann. Wenn wir heute auf unsere eigene ärztliche Tätigkeit zurückblicken, begegnen wir ihm immer wieder. Dann merken wir: Gute Lehrer gehen nie wirklich. Stellvertretend für viele ehemalige ÄrztInnen in Weiterbildung, die bei ihm lernen durften, sagen wir danke: für das Wissen, für den Humor, für die Menschlichkeit und für das Vertrauen, das er in uns gesetzt hat. Dr. Rolf Burger bleibt für viele von uns ein Vorbild dessen, was ein Arzt sein kann.












