Zu lange Wartezeiten? KVSH fordert ehrliche Debatte
Die KV Schleswig-Holstein hält die jüngste Kritik von Politik und GKV-Spitzenverband wegen vermeintlich langer Wartezeiten für gesetzlich Versicherte für zu kurz gegriffen. Sie warnte in einer Pressemitteilung vor populistischen Debatten zu diesem Thema.
„Entscheidend für die Vergabe eines Facharzttermins ist zuallererst die medizinische Notwendigkeit. Viele Anliegen – etwa Vorsorgeuntersuchungen oder Verlaufskontrollen – sind aber nicht zeitkritisch, längere Wartezeiten daher vertretbar“, wurde Schleswig-Holsteins KV-Chefin Dr. Bettina Schultz in einer Pressemitteilung der Körperschaft zitiert. Bei akuten Beschwerden, so die Vorstandsvorsitzende, versuchten Arztpraxen in der Regel, einen kurzfristigen Termin anzubieten. Zugleich verwies sie auf die Wege, die den Patienten zur Verfügung stünden, um akute Erkrankungen und dringende Behandlungsbedarfe zeitnah versorgen zu lassen:
- die Hausarzt-Facharzt-Überweisung bei dringendem Behandlungsbedarf,
- die offenen Sprechstunden ausgewählter Facharztgruppen zur ersten Einschätzung ohne Termin,
- sowie die Terminservicestelle der KVSH, die verbindlich einen Kontakt zu einer Praxis für einen Facharzttermin innerhalb der gesetzlichen Fristen vermittelt.
Als „einfach nur frech" bezeichnete Schultz eine aktuelle Forderung des früheren Bundesgesundheitsministers Prof. Karl Lauterbach (SPD) nach einer Termingarantie für GKV-Versicherte bei Fachärzten. „Wer gesetzlich Versicherte, die innerhalb von drei Wochen keinen Facharzttermin erhalten, künftig wie Privatversicherte ambulant im Krankenhaus behandeln lassen will – und dies auch noch aus dem Honorartopf der niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte finanzieren möchte –, verkennt die Versorgungsrealität vollständig. Mal ganz davon abgesehen, dass die Krankenhäuser gar nicht die Kapazitäten hätten, Patienten in größerer Zahl ambulant zu behandeln", hieß es in der Mitteilung der KVSH.
40 Millionen Facharzttermine nicht vergütet
Auch andere aktuelle Einlassungen Lauterbachs stoßen bei Akteuren des Gesundheitswesens auf Kritik. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) empfahl Lauterbach deshalb „mehr Demut". Die KVSH setzt auf Aufklärung. Sie verwies darauf, dass wegen der im fachärztlichen Bereich geltenden Budgetierung bundesweit aktuell über 40 Millionen erbrachte Termine nicht vergütet würden. Ihre Schlussfolgerung: „Wird der finanzielle Spielraum weiter eingeschränkt, wird es logischerweise nicht mehr, sondern weniger Termine geben. Eine politisch gewollte und grundsätzlich sinnvolle Patientensteuerung wird so unmöglich gemacht."
Nach Überzeugung der KVSH erfolgen die „allermeisten" Facharzttermine innerhalb weniger Tage, Notfälle würden sofort versorgt. Sie verwies zugleich darauf, dass laut einer Befragung des GKV-Spitzenverbandes jeder siebte Patient noch am selben Tag einen Facharzttermin bekomme. „Wir müssen eine ehrliche Diskussion führen: Wer alle Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung jederzeit, ungeschmälert und sofort haben will, muss auch offen sagen, dass dies mit den derzeit verfügbaren Finanzmitteln nicht möglich ist, sagte Schultz laut KV-Mitteilung. (PM/RED)






