Zentrum für Plasmamedizin mit Patientenversorgung am UKSH in Lübeck
Durch Plasmamedizin können chronische Wunden, entzündliche Haut- und Schleimhauterkrankungen sowie therapieresistente Infektionen schonend behandelt werden, ohne gesundes Gewebe zu schädigen. Nebenwirkungen nach einer Krebsbestrahlung können gemildert oder multiresistente Bakterien behandelt werden.
Praxis und Wissenschaft profitieren wechselseitig
Das neue Zentrum widmet sich in Kooperation mit mehreren Fachbereichen der Erforschung, Weiterentwicklung und klinischen Anwendung kalter physikalischer Plasmatechnologien. Patientinnen und Patienten haben damit laut UKSH erstmals in Deutschland die Möglichkeit, sich an einem Forschungszentrum für Plasmamedizin behandeln zu lassen, wo neueste, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Therapieverfahren zum Einsatz kommen. Die Ergebnisse aus der praktischen Anwendung werden genutzt, um die Plasmatherapie weiter zu verbessern und in eine breite klinische Anwendung zu bringen.
Positive Wirkungen durch Behandlung mit kaltem Plasma
„Unser Ziel ist es, die Plasmatechnologie in der Medizin zu etablieren und ihre Wirksamkeit wissenschaftlich zu belegen“, wurde Dr. Christian Seebauer, Leiter des Zentrums und Oberarzt der Lübecker Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in einer Mitteilung des UKSH zitiert. Die Behandlung mit kaltem Plasma könne den Einsatz von Antibiotika reduzieren, den Krankenhausaufenthalt verkürzen und die Lebensqualität der Patienten erhöhen. Seebauer setzt kaltes physikalisches Plasma seit über zehn Jahren ein, hat wissenschaftliche Beiträge dazu veröffentlicht und ein Lehrbuch zur Plasmatherapie mit verfasst.
Einsatz u.a. nach einer Strahlentherapie
Seit den 2.000er Jahren ermöglicht Medizintechnik die Erzeugung von kaltem physikalischem Plasma, das unter 40 Grad warm ist. Damit konnte Plasma, ein ionisiertes Gasgemisch, das in der Natur zum Beispiel in der Sonne vorkommt, therapeutisch eingesetzt werden. Dank der antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften profitieren davon Patienten mit geschädigtem Gewebe – zum Beispiel nach einer Strahlentherapie gegen Krebs.
Auch am Campus Kiel wird geforscht
Wie das UKSH mitteilte, wird auch am Campus Kiel an der Plasmatechnologie geforscht: Die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie beteiligt sich an einer vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Studie zur Behandlung von Entzündungen, die um Zahnimplantate entstehen. (PM/RED)




