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Weibliche Genitalverstümmelung: Land fördert Fachstelle

Die Fachstelle TABU der Diakonie Altholstein zum Schutz vor weiblicher Genitalverstümmelung (FGM/C) wird in diesem Jahr mit 100.000 Euro vom Landesgesundheitsministerium gefördert. Bei der Übergabe des Fördermittelbescheids betonte Gesundheitsministerin Prof. Kerstin von der Decken (CDU) die Bedeutung der von der Fachstelle geleisteten Arbeit.

Die Fachstelle TABU der Diakonie Altholstein bietet seit 2018 ein landesweites Angebot zum Schutz vor weiblicher Genitalvestümmelung, das sich gezielt an betroffene und gefährdete Frauen und Mädchen richtet.  Die Landesfinanzierung ermöglicht es, die grundlegende Beratungsarbeit der Fachstelle fortzuführen.

„Mit der Förderung tragen wir dazu bei, dass dieses wichtige Angebot verlässlich betrieben werden kann. Wir wollen Mädchen und Frauen besser schützen. Denn kein Mädchen oder keine Frau sollte gezwungen werden, ihre Genitalien verstümmeln zu lassen“, wurde Landesgesundheitsministerin Prof. Kerstin von der Decken (CDU) in einer Pressemitteilung ihres Hauses zitiert. Die Förderung umfasst ein Beratungstandem in Teilzeit, bestehend aus einer sozialpädagogischen Fachkraft sowie einer „Community Coach“ und sichert damit die kontinuierliche Unterstützung von betroffenen Frauen und Mädchen.


Förderung ermöglicht Schutz und Aufklärung für Betroffene

„Die Arbeit unserer Fachstelle für Frauengesundheit bedeutet Schutz, Aufklärung und Unterstützung für Betroffene und ist für viele ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe“, sagte laut Mitteilung Vanessa Trampe-Kieslich, Geschäftsbereichsleitung Soziale Hilfen der Diakonie Altholstein. 
Laut Fachstelle ist weibliche Genitalverstümmelung auch in Schleswig-Holstein Realität. Der Beratungsbedarf halte unvermindert an. Insbesondere Anfragen im Zusammenhang mit FGM/C und Asyl haben nach Angaben der Beratungsstelle in den vergangenen Jahren zugenommen. Im Jahr 2025 seien insgesamt 130 Personen persönlich beraten worden. Darüber hinaus hätten diverse Begleitungen etwa zu Ärztinnen und Ärzten sowie Behörden stattgefunden. „Parallel wächst die Nachfrage nach kollegialer Beratung durch sensibilisierte Fachkräfte und Ehrenamtliche – ein deutliches Zeichen dafür, dass das Thema stärker wahrgenommen wird und zugleich weiterhin große Unsicherheiten bestehen“, so Trampe-Kieslich.

Rund 3.000 Betroffene nur in Schleswig-Holstein
Die Dimension des Problems zeigen folgenden Zahlen: Nach Schätzungen des Bundesfamilienministeriums (2024) sind in Deutschland rund 86.500 Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen, hinzu kommen 11.100 potenziell betroffene Mädchen sowie weitere 25.000 gefährdete Mädchen. Insgesamt sind damit bundesweit fast 123.000 Frauen und Mädchen von FGM/C betroffen oder bedroht. 
Für Schleswig-Holstein liegen spezifische Dunkelzifferschätzungen von Terre des Femmes aus dem Jahr 2022 vor. Demnach sind im Land etwa 2.000 Frauen und rund 1.000 Mädchen betroffen, weitere 461 Mädchen gelten als potenziell gefährdet – insgesamt also rund 3.500 Frauen und Mädchen, die in Schleswig-Holstein von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen oder gefährdet sind.

 

Dabei spiegeln die Beratungszahlen das tatsächliche Ausmaß der Betroffenheit nur eingeschränkt wider. „Viele gefährdete oder betroffene Frauen und Mädchen erreichen spezialisierte Angebote nicht – insbesondere in ländlichen Regionen. Frauen, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben, suchen eine Beratungsstelle häufig erst dann auf, wenn FGM/C im Asylverfahren relevant wird. Der Weg bis zur Kontaktaufnahme ist oft lang und von Unsicherheit geprägt“, wurde Trampe-Kieslich zitiert. (PM/RED)

 

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