Mann mit Brille im blauen Poloshirt lächelt in die Kamera.
Prof. Anselm Uebing, Präsident der DGPK © Dirk Schnack

Viele Erwachsene mit angeborenem Herzfehler unterversorgt

Die Deutsche Herzstiftung sensibilisiert mit einer bundesweiten Informationskampagne über Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) Betroffene und Ärzte für die lebenswichtige Nachsorge. Zwei Ärzte aus Schleswig-Holstein erklären, warum die Kampagne nötig ist.

Menschen mit angeborenen Herzfehlern benötigen eine lebenslange Nachsorge durch einen Spezialisten. Darauf macht aktuell die Deutsche Herzstiftung bei der Vorstellung ihrer bundesweiten EMAH-Informationskampagne unter dem Motto „Checkst Du? Geh erwachsen mit angeborenem Herzfehler um. Mach den EMAH-Check!“ aufmerksam. 

 „Selbst nach einer erfolgreichen Operation oder Therapie im Kindesalter bleibt ein angeborener Herzfehler eine lebenslange Erkrankung. Deren regelmäßige EMAH-fachgerechte Nachsorge durch einen Spezialisten ist lebenswichtig, um vermeidbaren lebensbedrohlichen Komplikationen vorzubeugen“, wurde Kardiologe Prof. Bernhard Schwaab in einer Mitteilung der Deutschen Herzstiftung zitiert. Schwaab ist Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt für Kardiologie der Curschmann-Klinik, Timmendorfer Strand. 

Gemeinsame Anstrengungen gefordert
„Fatalerweise unterbleibt bei vielen Betroffenen diese EMAH-spezifische Nachsorge, insbesondere weil ein Großteil der EMAH aus vielerlei Gründen nicht an bestehende Versorgungsstrukturen angebunden ist – das müssen wir durch gemeinsame Anstrengungen mit den herzmedizinischen Fachgesellschaften, den zuständigen Sozial- und Gesundheitsministerien der Länder und relevanten Gesundheitsorganisationen ändern“, so Schwaab.

200.000 EMAH ohne spezialisierte Behandlung
Unterstützung erhielt er u.a. von Prof. Anselm Uebing. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) und Klinikdirektor am Kieler UKSH ist besorgt, weil mehr als 200.000 Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern derzeit keine spezialisierte Betreuung erhalten. „Die Notwendigkeit einer kontinuierlichen, lebensbegleitenden Betreuung durch einen EMAH-spezialisierten Kinderkardiologen oder eine Kinderkardiologin oder einen EMAH-spezialisierten Kardiologen oder eine Kardiologin ist jedoch die Voraussetzung für eine fachgerechte Versorgung von EMAH und damit zur Vermeidung von Komplikationen im Langzeitverlauf“, wurde Uebing von der Deutschen Herzstiftung zitiert.

 Die Ursachen für die Versorgungslücke sind laut Herzstiftung vielfältig: 

  • Betroffene fühlen sich gesund und unterschätzen die Bedeutung der lebenslangen Nachsorge.
  •  Viele EMAH wissen nicht, dass sie lebenslang regelmäßige Kontrolluntersuchungen benötigen. 
  • Auch betreuende Ärzte der Grundversorgung sind nicht immer ausreichend über die Notwendigkeit einer spezialisierten Nachsorge von EMAH informiert. 

Der Übergang von der kinderkardiologischen Versorgung zur spezialisierten Versorgung bei einem EMAH-Kardiologen oder einer EMAH-Kardiologin (Transition) ist nicht immer strukturiert und lückenlos gewährleistet, sodass die spezialisierte Betreuung zu oft mit dem Ende der kinderkardiologischen Betreuung abbricht. (PM/RED)

 

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