Mittelalter Mann mit Brille im hellen Hemd steht vor einem Fenster und schaut in die Kamera.
Sören Schmidt-Bodenstein © TK

TK sieht Einsparpotenzial bei Medikamenten

Die Techniker Krankenkasse (TK) sieht großes Einsparpotenzial bei den Ausgaben für Arzneimittel in Schleswig-Holstein. Würden sich die Preise der 30 umsatzstärksten Medikamente am internationalen Niveau orientieren, ließen sich nach ihrer Darstellung jährlich rund 230 Millionen Euro einsparen.

Laut TK könnten in ganz Deutschland sogar 4,73 Milliarden Euro bei den Arzneimittekosten eingespart werden. Einige Arzneimittel in Deutschland seien deutlich teurer als in Ländern wie Dänemark, Norwegen oder Japan. 

„Angesichts der ohnehin angespannten Finanzsituation in der gesetzlichen Krankenversicherung und der zuletzt erneut gestiegenen Zusatzbeiträge können wir es uns schlicht nicht leisten, bei Arzneimitteln dauerhaft internationale Höchstpreise zu zahlen“, wurde Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein, in einer Pressemitteilung seiner Kasse zitiert. „Wenn allein in Schleswig-Holstein fast 230 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden könnten, dann geht es hier nicht um Rechenspiele, sondern um eine ganz konkrete finanzielle Entlastung der Beitragszahlenden", so Schmidt-Bodenstein, der den Gesetzgeber zum Handeln aufforderte. Insbesondere die patentgestützten Arzneimittel sollten nach Auffassung der TK in den Blick genommen werden.

Patentgestützte Arzneimittel als Kostentreiber?
Obwohl die patentgestützten Arzneimittel mit sieben Prozent nur einen vergleichsweise kleinen Anteil der abgegebenen Packungen ausmachen, verursachen sie laut TK mit fast 54 Prozent der Ausgaben einen überproportional hohen Teil der Kosten. Als Beispiel nannte die Kasse ein neues Demenz-Therapeutikum, das jährliche Therapiekosten von 40.000 Euro verursacht. 
Nach Einschätzung der TK ließen sich die Ausgaben für Arzneimittel durch mehrere kurzfristig umsetzbare Maßnahmen spürbar senken. Ein reduzierter Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel von aktuell 19 auf sieben Prozent könnte bis zu sieben Milliarden Euro einsparen. Ein höherer Herstellerabschlag von Patentarzneimitteln auf 17 Prozent würde weitere drei Milliarden bringen. Die Einführung sogenannter Arzneimittel-Fokuslisten würde für eine weitere Milliarde weniger Kosten sorgen. Diese Listen könnte es Krankenkassen ermöglichen, unter (pharmakologisch)-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl zu treffen.

Neu sind weder die Forderungen, noch die Hinweise auf das Einsparpotenzial. Eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Arzneimittel wird im Gesundheitswesen seit Jahrzehnten diskutiert. Neben der TK weisen auch andere Krankenkassen regelmäßig auf die kontinuierlich steigenden Kosten in diesem Segment hin.  (PM/RED)

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