Ein jüngerer Forscher im weißen Kittel sitzt am Schreibtisch vor einem Bildschirm und weist auf einen Punkt in einer Darstellung auf dem Schirm. Ein zweiter, älterer Kollege steht neben dem Schreibtisch und schaut auf den Bildschirm.
Prof. Gunnar Cario, Direktor der Klinik für Kinderonkologie und ‑rheumatologie (links) und Dr. Lennart Lenk, Leiter der translationalen ALL-Forschungsgruppe der Kinderonkologie. © UKSH

Studie gibt Hoffnung bei T-Zell-Leukämie im Kindesalter

Kinder und Jugendliche mit der T‑Zell‑akuten lymphoblastischen Leukämie (T‑ALL) sollen künftig gezielter und wirksamer behandelt werden können. In einer neuen internationalen Studie wird untersucht, ob ein zusätzliches Medikament die Leukämiezellen empfindlicher für Chemotherapie machen und so deren Wirkung verstärken kann.

Durchgeführt wird die Studie unter Leitung von Prof. Gunnar Cario an der Kieler Klinik für Kinderonkologie und ‑rheumatologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Das Kieler Studienzentrum für Leukämie im Kindes- und Jugendalter koordiniert das Vorhaben und erhält dafür eine Förderung in Höhe von über 2,4 Millionen Euro durch die Deutsche Krebshilfe.

ALL ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. In Deutschland erkranken nach Angaben des UKSH jährlich rund 550 bis 600 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren neu an einer ALL. Durch eine monatelange intensive Chemotherapie können heute etwa 90 Prozent der Betroffenen geheilt werden. Bei bestimmten Subtypen der Erkrankung wie der T‑ALL sind die Heilungschancen jedoch deutlich geringer.

Mehr als 130 Studienzentren in zehn Ländern

Das von Kiel aus koordinierte internationale Studienkonsortium ALL-BFM (Acute Lymphoblastic Leukemia Berlin-Frankfurt-Münster) umfasst über 130 Studienzentren in zehn Ländern. Ziel ist eine an den individuellen Subtyp und die jeweilige Prognose angepasste Behandlung: Während Betroffene mit sehr guter Heilungschance von einer Reduktion der Chemotherapie profitieren sollen, verfolgt die neue Studie einen anderen Ansatz. Für Kinder und Jugendliche mit hohem Rückfallrisiko soll die Wirksamkeit der Therapie nicht durch eine weitere Steigerung der Chemotherapie-Dosis, sondern durch eine gezielte Erhöhung der Empfindlichkeit der Leukämiezellen verbessert werden. Diesen Mechanismus adressiert die neue Studie.

„Unser Ziel ist es, Leukämiezellen vom T-Zelltyp empfindlicher für die abtötende Wirkung der Chemotherapie zu machen, indem wir den Mechanismus des sogenannten programmierten Zelltods – der Apoptose – wieder aktivieren, den diese Zellen herunterreguliert haben", wurde Cario in einer Pressemitteilung des UKSH zitiert. Das Medikament Venetoclax sei dafür ein vielversprechender Ansatz. Die Studiengruppe seit weltweit die erste, die diesen Ansatz in der Erstlinientherapie von Kindern mit ALL untersucht.  

Internationales Forschungsprogramm geplant

Begleitend zur klinischen Studie ist ein umfangreiches internationales Forschungsprogramm geplant, das von Dr. Lennart Lenk, Leiter der translationalen ALL-Forschungsgruppe der Kinderonkologie, koordiniert wird. „Die internationale Begleitforschung ist ein zentraler Bestandteil dieses Projekts. Durch die enge Zusammenarbeit zahlreicher nationaler und internationaler Forschungsgruppen können wir das Ansprechen der T-ALL auf Venetoclax umfassend untersuchen und darauf aufbauend neue Therapieansätze entwickeln“, wurde Lenk zitiert. 

Das Projekt ist eingebettet in die Forschungsaktivitäten des Kiel Oncology Network (KON) der Medizinischen Fakultät der Kieler Christian-Albrechts-Universität und des Universitären Cancer Centers Schleswig-Holstein (UCCSH) – dem Zusammenschluss aller onkologischen Einrichtungen des UKSH sowie der Universitäten in Kiel und Lübeck. Darüber hinaus ist es eng mit der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Klinischen Forschungsgruppe „CATCH ALL – towards a cure for all adults and children with Acute Lymphoblastic Leukemia (ALL)“ verbunden. In diesem Rahmen entwickeln klinisch und wissenschaftlich tätige Expertinnen und Experten neue Konzepte für Präzisionstherapien. (PM/RED)

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