SPD fordert Sonderregelung für die Praxisklinik Travemünde
Die seit mehr als 20 Jahren bestehende Praxisklinik verbindet ambulante und stationäre Betreuung. Neben dem stationären Angebot mit einer interdisziplinären Schmerzklinik und einer Schmerzambulanz sowie einer orthopädischen Belegabteilung befinden sich dort eine internistische, eine chirurgische und eine HNO-Praxis. Ob es nach Umsetzung der Krankenhausreform noch ein stationäres Angebot in der Einrichtung geben wird, ist derzeit offen.
Petition für den Erhalt der Praxisklinik
Ministerin von der Decken hatte in einer Mitteilung bereits durchblicken lassen, dass im Zuge der Krankenhausreform „die Voraussetzung für die Leistungsgruppen in der bisherigen Praxisklinik Travemünde voraussichtlich nicht erfüllt werden“. Offizielle Beschlüsse hierzu gibt es aber noch nicht. Die Äußerungen riefen allerdings den SPD-Ortsverband Kücknitz-Travemünde auf den Plan. In einer vom Verband Ende August gestarteten Petition wird die Landesregierung aufgefordert, „alle Möglichkeiten der Krankenhausreform zu nutzen, um den Erhalt der Praxisklinik in Lübeck-Travemünde zu sichern“. Die Praxisklinik, heißt es in der Petition, sei ein unverzichtbarer Bestandteil der wohnortnahen Gesundheitsversorgung in Travemünde, Kücknitz und den umliegenden Gemeinden. Gemeinsam mit den angeschlossenen fachärztlichen Praxen biete sie eine medizinische Versorgung, „die qualitativ hochwertig, leistungsfähig und eng auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort ausgerichtet ist“.
Die Argumente der SPD
Der Ortsverband bezeichnete eine mögliche Schließung als „schweren Einschnitt“, da die nächsten großen Kliniken rund 20 Kilometer entfernt lägen. Es bestehe Versorgungsbedarf – Travemünde hat rund 14.000 Einwohner und zahlreiche Touristen. Außerdem argumentiert der Verband mit überlasteten Notaufnahmen. Vor Ort könnten Notfallpatienten schnell behandelt werden. Die wirtschaftliche Situation sei nach Angaben von „dort tätigen Ärzten“ gut. Auch die Geschäftsführung der Sana Klinik Lübeck habe wiederholt die Qualität und Leistungsfähigkeit des Verbundes aus Klinik und fachärztlichen Praxen hervorgehoben, heißt es in der Resolution. Es sei daher nicht nachvollziehbar, „warum ausgerechnet eine funktionierende, wohnortnahe und wirtschaftlich tragfähige Versorgungsstruktur aufgegeben werden soll“.
Travemünde pocht auf Sonderregelung
Die Aussage, die fachärztlichen Praxen könnten auch ohne die Praxisklinik eine hochwertige Versorgung gewährleisten, greift nach Überzeugung des Ortsverbandes zu kurz: „Ohne Operationsmöglichkeiten und stationäre Betten würde ein wesentlicher Teil des bisherigen Leistungsspektrums wegfallen. Zugleich würde die Attraktivität des Standorts für junge Ärztinnen und Ärzte sinken. Gerade angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels wäre das ein falsches Signal.“ In der Petition hieß es außerdem: „Dieses Modell ist nicht mit anderen Krankenhäusern vergleichbar. Deshalb muss hier eine Sonderregelung greifen.“
Statement des Trägers
Die Sana Kliniken verwiesen auf Anfrage des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes auf die noch ausstehende Entscheidung: „Eine abschließende Entscheidung zur Zukunft der Praxisklinik Travemünde liegt bislang nicht vor. Nach den bisherigen Äußerungen des Ministeriums für Justiz und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein ist davon auszugehen, dass es Veränderungen bei den stationären Leistungen geben könnte. Von einem bereits beschlossenen ‚Aus‘ der Praxisklinik zu sprechen, wäre daher nicht richtig. Für uns gilt, einer Entscheidung des Ministeriums nicht vorzugreifen.“






