Migräne: Ausgaben für Arzneimittel auf Rekordhoch
Die von der AOK gemeldeten Verordnungen durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Schleswig-Holstein gingen zu Lasten aller gesetzlichen Krankenkassen. Gegenüber 2018 haben sich die Ausgaben für dieses Segment laut Krankenkasse mehr als verdreifacht. Zurückzuführen ist dieser Anstieg u.a. auf Wirkstoffe zur Vorbeugung von Migräne, die neu auf den Markt gekommen sind. Laut AOK sei der Verordnungsanteil dieser neuen Wirkstoffe zwar gering, verursache aber enorme Kosten. „Die Frage ist, ob diese neuen Medikamente immer zielgerichtet eingesetzt werden und die notwendigen Vortherapien durchgeführt wurden. Hier sehen wir Handlungs- und Aufklärungsbedarf“, wurde AOK-Vorstandschef Tom Ackermann in einer Mitteilung seiner Kasse zitiert.
Fast 102.000 Migränemittel verordnet
Insgesamt stellten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Schleswig-Holstein 2024 fast 102.000 Verordnungen über Migränemedikamente aus. Obwohl auf die neuen Wirkstoffe nur 8,7 Prozent der Verordnungen für spezifische Migränetherapeutika entfallen, verursachen sie fast 67 Prozent der Kosten. Als Prophylaxe müssen die neuen Wirkstoffe monatlich gespritzt werden und nicht nur gezielt bei einem Migräneanfall. Außerdem muss der Therapieerfolg regelmäßig geprüft werden. Laut AOK profitiert die Mehrzahl der Migräne-Patienten von den bewährten Therapien - kombiniert mit nicht-medikamentösen Maßnahmen. „Nur, wenn Patientinnen und Patienten auf ihre bisherigen Medikamente nicht ansprechen, diese nicht vertragen oder aufgrund anderer Krankheiten nicht einnehmen können, kann eine Umstellung auf einen der neuen Wirkstoffe angezeigt sein", hieß es in der Mitteilung der AOK.
Viele Betroffene greifen bei Migräne auch zu Schmerzmitteln. Zu den ärztlich verordneten Migränemitteln kommen noch die Schmerzmittel, die ohne Rezept in der Apotheke frei verkäuflich sind. Die AOK warnte in diesem Zusammenhang vor einem „Teufelskreis”, falls Schmerzmittel regelmäßig eingenommen werden: Eine verstärkte Einnahme von Schmerzmitteln könne auch zu einem Anstieg der Schmerzen führen. „Häufig werden Kopfschmerzen nicht richtig ernst genommen, viele Betroffene greifen vorschnell zu Medikamenten, anstatt sich aktiv mit der Krankheit auseinander zu setzen. Häufig hilft es, den Lebensstil zu verändern und Migräne-Auslöser zu vermeiden“, wurde Ackermann zitiert. Er erinnerte zugleich an positive Effekte von nicht medikamentösen Maßnahmen.
Mehr Kinder und Jugendliche betroffen
Als „erschreckend" bezeichnete die AOK die Tatsache, dass immer mehr Kinder und Jugendliche von Migräne betroffen sind. Verantwortlich dafür sei die Veränderung der Lebensumstände der Kinder in den letzten Jahren: Sie stehen häufiger unter Stress, sitzen vermehrt vor dem Bildschirm oder PC und bewegen sich weniger. (PM/RED)




