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Lübecker Studie: Hausarztpraxen behandeln Akutfälle abschließend

Hausarztpraxen behandeln überwiegend Akutpatienten - und die zu 75 Prozent ausschließlich und abschließend. Stationär aufgenommen werden müssen nur 3,4 Prozent der Patientinnen und Patienten, die sich in einer Hausarztpraxis vorstellen. Dies sind zentrale Ergebnisse einer vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) geförderten Studie des Instituts für Allgemeinmedizin an der Lübecker Universität.  

Die Studie zur Inanspruchnahme von ambulanten akutmedizinischen Leistungen in der hausärztlichen Versorgung zeigt, dass 71,4 Prozent aller hausärztlichen Behandlungsfälle in Deutschland Akutfälle sind.  Bei 32,3 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einem Akutfall sind innerhalb von 14 Tagen weitere hausärztliche Kontakte erforderlich. Bei 23,7 Prozent erfolgt eine Überweisung zum Spezialisten, am häufigsten in den gastroenterologischen oder orthopädischen Versorgungsbereich. 29,1 Prozent der Akutfälle von 18- bis 65-Jährigen ziehen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach sich.

Ziel des Projekts war es, das ambulante Inanspruchnahmeverhalten von Patientinnen und Patienten mit dringlichem Behandlungsbedarf in den hausärztlichen Praxen zu quantifizieren. Entlang der Leitfrage, welchen Beitrag die ambulant tätigen Primärärztinnen und -ärzte in der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit akuten Beratungsanlässen leisten, sind die Routinedaten von über 870.000 Behandlungsfällen sowie die Befragungsdaten von gut 550 Konsultationen in die Untersuchung eingeflossen.

„Unsere Studie zeigt, dass mehr als 75 Prozent der akuten Fälle abschließend in der Hausarztpraxis behandelt werden – das heißt ohne Einweisung in ein Krankenhaus oder Überweisung zu einem Spezialisten“, erklärte Dr. Christoph Strumann vom Institut für Allgemeinmedizin an der Universität zu Lübeck.

Bedeutung der Hausarztpraxen wird bei Diskussion um INZ nicht ausreichend bedacht

„Seit Jahren wird beklagt, dass sich in den Notaufnahmen vielfach Patientinnen und Patienten mit nicht-dringlichen Beschwerden vorstellen und hierdurch knappe Ressourcen in der Notfallversorgung für Situationen in Anspruch genommen werden, die in Praxen behandelt werden sollten“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. „Jetzt wird durch die Studie deutlich, dass der größte Anteil der in den Hausarztpraxen auftretenden Akutfälle abschließend ambulant versorgt wird. Für rund ein Drittel der Akutfälle übernehmen die Hausarztpraxen die weitere Koordination der Versorgung. Die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung wird bei der politischen Diskussion um die Einrichtung und Verortung von Integrierten Notfallzentren (INZ) bisher nicht ausreichend bedacht. Denn zum einen sollten nicht mehr Akutfälle in die INZ geleitet werden, zum anderen stellt sich die Frage, wo die Anschlussversorgung stattfinden soll.“

Internationale Studien zeigen laut einer Mitteilung des ZI, dass Hilfesuchende vor allem dann auf Krankenhäuser ausweichen, wenn der Zugang zur hausärztlichen Versorgung aus Sicht der Hilfesuchenden erschwert sei, aber der Zugang zur Notfallversorgung erleichtert werde. 

„Die Ergebnisse der Untersuchung unterstreichen die zentrale Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte in der Akutversorgung. Gleichzeitig entkräften sie das häufige Missverständnis, Hausarztpraxen seien vorrangig für Überweisungen zuständig. Die Stärkung der Primärversorgungsinfrastruktur und die Unterstützung des hausärztlichen Versorgungsbereichs in der Akutversorgung sind daher essenzielle Voraussetzungen für ein nachhaltigeres Gesundheitssystem“,  sagte Prof. Jost Steinhäuser, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin in Lübeck.

200 Millionen Akutfälle in Haus- und Facharztpraxen

Wende man den in der Studie ermittelten Anteil an Akutfällen auf alle hausärztlichen Fälle an, würden in den Hausarztpraxen pro Jahr rund 134 Millionen Akutfälle versorgt, machte von Stillfried deutlich. Demgegenüber hätten die Notaufnahmen während der Sprechstundenzeiten rund 4,9 Millionen Akut- und Notfälle pro Jahr abgerechnet. Dieses Größenverhältnis zeige, wie wichtig die mehr als 33.000 Hausarztpraxen in Deutschland für die Akutversorgung sind. „Wir rechnen insgesamt mit rund 200 Millionen Akutfällen pro Jahr in den Haus- und Facharztpraxen. Würde sich auch nur ein kleiner Teil dieser Patientinnen und Patienten entscheiden, anstelle einer Praxis eine Notaufnahme oder eines der geplanten INZ aufzusuchen, wären deren Kapazitäten sofort überlastet. Im Rahmen der kommenden Notfallreform sollten daher nicht zusätzliche Angebote eröffnet, sondern vorhandene Versorgungsstrukturen sinnvoll zusammengebracht werden“, so von Stillfried. (PM/RED)

Johannes Rieken: Dringliche Patientenfälle in Hausarztpraxen

Wer behandelt dringliche Patientenfälle? In der Öffentlichkeit entsteht zunehmend der Eindruck, dass dies nur in den Notaufnahmen passiert. Die Leistungen der Hausarztpraxen geraten dabei aus dem Blickfeld. Ein Projekt des Instituts für Allgemeinmedizin an der Uni Lübeck könnte dies ändern. Warum das wichtig ist, erläutert Allgemeinmediziner Johannes Rieken im Podcast.

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