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Kokainmissbrauch in Kiel und Lübeck besonders hoch

Der Kokainmissbrauch ist in Kiel und Lübeck besonders hoch - zumindest gilt dies für den von Ärztinnen und Ärzten diagnostizierten Missbrauch. In beiden Städten liegt die Rate auffällig hoch über dem Bundesdurchschnitt. Die Barmer befürchtet, dass der tatsächliche Konsum deutlich höher ist.

Laut dem Barmer-Morbiditäts- und Sozialatlas wurde im jüngsten Berichtsjahr 2023 bei 13,1 von 10.000 Einwohnern in Kiel Kokainmissbrauch (ICD-10-Diagnosegruppe F140 bis F149) diagnostiziert. Diese Rate liegt nach Angaben der Krankenkasse 295 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 3,3 Betroffenen je 10.000 Menschen. Auch in Lübeck trete die Diagnose mit 8,9 je 10.000 fast dreimal so oft auf wie im Bundesschnitt, teilte die Barmer Landesvertretung mit. 
Kiel und Lübeck führten damit deutlich vor anderen Regionen Schleswig-Holsteins. „Die Analyse kann nur die Spitze des Eisbergs zeigen, da lediglich ein Bruchteil der Konsumentinnen und Konsumenten wegen ihres Kokainmissbrauchs in Behandlung sind“, wurde Barmer-Pressesprecher Torsten Nowak in einer Pressemitteilung seiner Kasse zitiert. 
Auffällig ist auch, dass Schleswig-Holstein mit 5,7 Diagnosen je 10.000 Menschen an der Spitze der bundesdeutschen Flächenländer steht. Nur in den Stadtstaaten Bremen (17,1), Hamburg (13,0) und Berlin (7,5) ist der diagnostizierte Kokainmissbrauch laut Barmer noch häufiger. 

Kokainmissbrauch führt oft zu Depression
Nowak warnte: „Kokain als vermeintliche Leistungsdroge führt schnell in die Abhängigkeit. Für viele beginnt dann eine Abwärtsspirale für Körper und Psyche.“ Die Auswertung zeige, dass 49,6 Prozent der Kokainmissbrauch-Diagnosen mit Depressionen einhergingen. Bei 41 Prozent der Abhängigen werde Alkoholmissbrauch diagnostiziert. Angst- und Zwangsstörungen traten bei 25,1 Prozent der Betroffenen auf. Die Droge könne psychische Erkrankungen auslösen und bestehende Probleme verschlimmern. Schnelle, professionelle Hilfe sei entscheidend, um der Sucht zu entkommen. „Betroffene, Angehörige und Freunde sollten sich Hilfe bei Fachambulanzen oder Suchberatungsstellen holen“, riet Nowak.
In Schleswig-Holstein tritt Kokainmissbrauch am häufigsten bei 30- bis 49-Jährigen auf. Die Diagnoserate liegt mit 13 je 10.000 um 62,5 Prozent über dem Bundesschnitt dieser Altersgruppe. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. Nowak verwies außerdem auf das Risiko, das mit einem zu hohen Leistungsdruck verknüpft ist.  

Viele Betroffene in Gast- und Baugewerbe
Der Barmer-Morbiditäts- und Sozialatlas zeigt auch, in welchen Branchen die Diagnose Kokainmissbrauch am häufigsten gestellt wird - im Gastgewerbe. Hier liegt die Rate mit 11,8 je Betroffenen je 10.000 Personen doppelt so hoch wie im schleswig-holsteinischen Durchschnitt. Auch im Baugewerbe, der Energie- und Wasserversorgung sowie in der Entsorgung sind die Raten mit 9,3 je 10.000 überdurchschnittlich hoch. Im Gesundheits- und Sozialwesen dagegen ist die Rate mit 2,5 je 10.000 Betroffenen unter zehn betrachteten Branchen am zweitniedrigsten. (PM/RED)

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