Immer mehr ADHS-Diagnosen
Jungen bekommen mehr als doppelt so häufig eine Erstdiagnose für ADHS wie Mädchen. Gleichzeitig steigen die Neudiagnosen bei Mädchen mit einem Zuwachs von 32 Prozent stärker an als bei Jungen mit 21 Prozent. Die DAK-Daten zeigen, dass in Schleswig-Holstein 4,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren 2024 mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt wurden. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse betonte DAK-Landeschef Cord-Eric Lubinski in einer Mitteilung, wie wichtig eine stärkere Vernetzung in der Versorgung junger Menschen sei.
Wichtig aus DAK-Sicht: offener Diskurs und konkrete Umsetzungspläne
„Wir brauchen ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aller, die Kinder begleiten und versorgen. Nur so können sie früh stabilisiert und gezielt unterstützt werden, bevor sich Belastungen verfestigen“, wurde Lubinski in der Mitteilung zitiert. Dafür seien ein offener Diskurs und konkrete Umsetzungspläne entscheidend, um die Resilienz junger Menschen zu steigern und Stressoren zu reduzieren. Potenzial sieht Lubinski insbesondere in der Schule, wo alle Kinder erreicht werden könnten.
Über 19.000 junge Menschen in Schleswig-Holstein sind betroffen
4,6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren wurden 2024 in Schleswig-Holstein mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt. Das entspricht hochgerechnet rund 19.100 jungen Menschen im Norden – davon waren knapp ein Drittel in diesem Zeitraum erstmalig in Behandlung. Knapp 52 Prozent von ihnen erhielt Medikamente verordnet. Auch hier zeigt sich ein Geschlechterunterschied: Während rund 55 Prozent der Jungen 2024 ADHS-Medikamente verschrieben bekamen, waren es bei Mädchen rund 43 Prozent.
UKSH-Experte warnt vor Folgeproblemen
UKSH-Experte Dr. Manuel Munz verwies in der Mitteilung auf mögliche Folgeprobleme von lange unerkannten und unbehandelten Aufmerksamkeitsstörungen. Der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Chefarzt am Zentrum für Integrative Psychiatrie in Kiel nannte etwa Substanzmissbrauch, Verhaltensstörungen, schulisches Scheitern oder Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen.
„Gerade bei Mädchen kann eine ADHS lange unerkannt bleiben und sich hinter anderen psychischen Symptomen und Bewältigungsstrategien verbergen; nicht selten stehen zunächst beispielsweise Essstörungssymptome, Ängste oder zwanghafte Verhaltensweisen im Vordergrund. Eine frühzeitige, leitliniengerechte Diagnostik und suffiziente Behandlung der ADHS, die alle für die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen relevanten Akteure einbezieht, ist deshalb auch für die Prävention sekundärer psychiatrischer und psychosozialer Folgeprobleme von großer Bedeutung", sagte Munz.
Positive Erfahrungen nach einer guten Behandlung
Im klinischen Alltag sei es eindrücklich zu erleben, wie deutlich diese Kinder und Jugendlichen von einer guten Behandlung profitieren können: Der Alltag in den Familien stabilisiere sich, schulische Anforderungen würden wieder besser bewältigbar, und in Freundschaften und anderen sozialen Beziehungen würden wieder positive Erfahrungen möglich. (PM/RED)






