Heilmittelausgaben klettern auf Rekordniveau
Im Jahr 2015 betrugen die Ausgaben für Heilmittel in Schleswig-Holstein noch 225,3 Millionen Euro. Laut AOK, die sich mit ihren Angaben auf Daten des Wissenschaftlichen Instituts bezieht, setzte sich der Trend auch 2025 fort. Konkrete Zahlen wurden dazu aber nicht vorgelegt.
Zwei Gründe für den Kostenanstieg
AOK-Chef Tom Ackermann nannte in einer Mitteilung seiner Kasse zwei Gründe für den Ausgabenanstieg. Neben der bundesweiten Angleichung des Vergütungsniveaus für die Leistungserbringenden im Jahr 2019 zählt nach seiner Einschätzung auch die Einführung der Blankoverordnung dazu. Der therapeutische Nutzen dagegen sei noch unklar, so die AOK.
Blankoverordnungen: Umsatzanteil beträgt 4,7 Prozent
Blankoverordnungen können in der Ergotherapie und für die Physiotherapie bei Erkrankungen im Bereich des Schultergelenks ausgestellt werden. Nach der ärztlichen Diagnose können die Therapeutinnen und Therapeuten dann eigenverantwortlich über das Heilmittel, die Behandlungsfrequenz und die Menge der Behandlungen entscheiden. Laut Analyse machten die Blankoverordnungen in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr 2,2 Prozent aller Physiotherapie-Verordnungen mit einem Umsatzanteil von 4,7 Prozent aus.
Ärztliche Regelverordnungen sind deutlich günstiger
Im vierten Quartal 2025 sei aber bereits mehr als jede zweite Physiotherapie-Verordnung im Diagnosebereich der Schulterbeschwerden als Blankoverordnung ausgestellt worden, gab die AOK zu bedenken. Diese Verordnungen kosteten im vierten Quartal 2025 durchschnittlich 677 Euro je Verordnung, während ärztliche Regelverordnungen im Schnitt mit 198 Euro zu Buche schlugen. „Das ist vor allem dadurch zu erklären, dass sowohl die Behandlungsdauer als auch die Frequenz der Behandlungen bei Blankoverordnungen höher lagen als bei den ärztlichen Regelverordnungen", so die AOK Nordwest.
Physiotherapien machen Zweidrittel des Heilmittelumsatzes aus
Mit 69,2 Prozent entfielen im Jahr 2024 laut Heilmittel-Report mehr als zwei Drittel des Heilmittel-Umsatzes der GKV in Schleswig-Holstein auf Physiotherapien. Auch bei den abgerechneten Verordnungen hat die Physiotherapie mit 83,3 Prozent den höchsten Anteil. Sie ist vor allem für ältere Versicherte relevant, während bei den Kindern bis 14 Jahren vorrangig die Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie sowie Ergotherapie abgerechnet werden.
Langfristiger Bedarf steigt
„Zum Kostenanstieg im Heilmittelbereich beigetragen hat auch eine Ausweitung der Möglichkeit zu langfristigen Heilmitteltherapien“, so Ackermann. So hat sich die Zahl der Verordnungen des langfristigen Heilmittelbedarfs seit der Einführung 2017 bis zum Jahr 2025 fast vervierfacht – von 65 Verordnungen auf 251 Verordnungen je 1.000 bei der AOK versicherte Heilmittelpatientinnen und -patienten in Schleswig-Holstein. (PM/RED)





