Heilmittel: Ausgaben haben sich in 10 Jahren verdoppelt
Die Krankenkasse stützt ihre Zahlen auf den aktuellen Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Beim Anstieg der Ausgaben spielten Faktoren wie der Mengeneffekt und die Demographie laut AOK eine vernachlässigbare Rolle. Entscheidend sei vielmehr eine gesetzliche Neuregelung zur bundeseinheitlichen Angleichung des Vergütungsniveaus im Jahre 2019. Diese habe dazu geführt, dass ab 1. Juli 2019 für die jeweiligen Leistungspositionen bundesweit die Preise der Region mit den höchsten Vergütungen gültig waren. Dieser Höchstpreis wurde in den Jahren danach Schritt für Schritt durch bundeseinheitliche Versorgungsverträge abgelöst, die der GKV-Spitzenverband mit den Spitzenorganisationen der Heilmittelerbringer für jeden Leistungsbereich verhandelte.
In einer Modellierung hat das WIdO berechnet, welche Heilmittelausgaben 2024 erreicht worden wären, wenn die gesetzliche Anpassung 2019 nicht stattgefunden hätte. Dabei wurden die Kostensteigerungen der Heilmittelleistungen in den sechs Jahren vor der gesetzlichen Neuregelung und die Veränderungen in der Alters- und Geschlechtsstruktur der AOK-Versicherten berücksichtigt. Nach der Modellrechnung hätten die Heilmittelausgaben 2024 in Schleswig-Holstein mit 116 Millionen Euro sechs Prozent unter dem realen Umsatz in Höhe von 124 Millionen Euro gelegen.
Lohnentwicklung konnte nicht Schritt halten
„Das erklärte Ziel des Gesetzgebers war es, mit den Neuregelungen im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) die Attraktivität der Heilmittelberufe durch eine höhere Vergütung zu steigern und dadurch die Versorgung der Patientinnen und Patienten auch langfristig zu sichern“, wurde AOK-Chef Tom Ackermann in einer Mitteilung seiner Kasse zitiert. „Die Lohnentwicklung dieser Berufe bleibt jedoch deutlich hinter den Umsatzsteigerungen zurück.“ Während die Heilmittelausgaben der AOK seit 2018 um 61 Prozent gestiegen sind, war bei den Entgelten für Berufe in der Physiotherapie, der Ergotherapie und der Sprachtherapie von 2018 bis 2024 nur ein Anstieg von 34 Prozent zu verzeichnen. Dies gehe aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. 2024 lag das durchschnittliche Medianentgelt einer vollbeschäftigten Person im Heilmittelbereich in Schleswig-Holstein bei 3.375 Euro, 2018 waren es noch 2.525 Euro. (PM/RED)





