Blonde Frau ist aricotfarbenen Kleid und schwarzer Jacke steht auf einer Treppe und hält eine Urkunde in den Händen. Sie schaut direkt in die Kamera.
Prof. Marion van Mackelenbergh erhielt für Ihr Projekt zur nervernschonenderen Brustchirurgie eine Förderung in Höhe von 61.160 Euro. © Fabian Frühling

Förderstiftung vergibt 678.000 Euro für Medizinprojekte am UKSH

Die Förderstiftung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) fördert zwölf neue Medizinprojekte. Insgesamt 678.389 Euro fließen in die Projekte mit dem Ziel, die Patientenversorgung zu verbessern. Dies beschlossen die Mitglieder des Kuratoriums auf ihrer jüngsten Sitzung im Europäischen Hansemuseum in Lübeck.

Die Fördermittel ermöglichen laut Mitteilung der Förderstiftung die Anschaffung neuer Medizintechnik, frühere Diagnosen, schonendere Operationen und bessere Therapien. „Die seit 2013 erzielten Gesamteinnahmen von mehr als 9,3 Millionen Euro und die jährlichen sechsstelligen Fördersummen sind eine große Wertschätzung für das UKSH und für die wichtige Arbeit unserer mehr als 17.500 Mitarbeitenden“, wurde UKSH-Chef Prof. Jens Scholz in einer Mitteilung des UKSH zitiert. 

168 medizinische Projekte wurden seit Gründung unterstützt
Seit ihrer Gründung im Mai 2013 hat die Förderstiftung des UKSH 168 medizinische Projekte mit mehr als 4,3 Millionen Euro unterstützt. Insgesamt belaufen sich die Einnahmen der Förderstiftung seit 2013 auf mehr als 9,3 Millionen Euro; der Stiftungsstock umfasst mehr als 3,6 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte die Stiftung Mittel in Höhe von 512.000 Euro bereitgestellt. 
Ein Fokus der Kuratoriumssitzung ist der direkte Austausch zwischen Wirtschaft und Medizin. Ärztinnen, Ärzte und Forschende stellen ihre Projekte in diesem Rahmen persönlich vor. Anschließend entscheiden die Kuratorinnen und Kuratoren über die Vergabe der Fördermittel. „Wir machen Universitätsmedizin erlebbar“, sagt Pit Horst, Geschäftsführer der Förderstiftung und Leiter der koordinierenden Stabsstelle Fundraising des UKSH. So werde sichtbar, welche Ideen am UKSH entstehen und welchen Nutzen sie für unsere Patientinnen und Patienten haben können.

Zwölf von 34 eingereichten Anträgen erhielten Förderzusagen
2026 wurden insgesamt 34 Anträge eingereicht. Von diesen erhielten zwölf Antragstellerinnen und Antragsteller aus Kliniken und Instituten beider UKSH-Standorte Förderzusagen, davon sieben Projekte vom Campus Kiel, vier vom Campus Lübeck sowie ein campusübergreifendes Vorhaben. Sieben Förderprojekte mit einem jeweiligen Förderwunsch von mehr als 20.000 Euro wurden mit einer Gesamtsumme von rund 613.000 Euro unterstützt. Zusätzlich wurden fünf Vorstands-Förderprojekte mit einem Fördervolumen bis zu 20.000 Euro und einer Gesamtfördersumme von mehr als 65.000 Euro bewilligt. Diese sieben Kuratoriums-Förderanträge haben auf der jüngsten Sitzung der Förderstiftung des UKSH folgende Unterstützung erhalten. Die Reihenfolge bildet das Stimmen-Voting der Kuratoren ab.

Platz 1: Nervenschonende Brustchirurgie mit innovativem HandX-System (Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Brustzentrum, Campus Kiel)
Das Brustzentrum führt mit einer Förderung von 61.160 Euro das halbrobotische HandX-System für eine besonders schonende Brustchirurgie ein. Es ermöglicht präzisere Eingriffe in engen Gewebeschichten und unterstützt den Erhalt von Nervenstrukturen und Hautdurchblutung. Ziel ist es, neben der Tumorentfernung auch Sensibilität und Lebensqualität nach der Operation zu verbessern. „Wir sind sehr dankbar dank der Unterstützung der Förderstiftung des UKSH können wir den Erhalt von Empfinden und Körpergefühl stärker in den Mittelpunkt stellen“, sagt Prof. Marion van Mackelenbergh, Leiterin des Brustzentrums in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Platz 2: Frühen Lungenkrebs präziser diagnostizieren (Klinik für Innere Medizin I, Pneumologie, Campus Kiel)
Mit einer Förderung von 100.000 Euro wird am UKSH eine intraprozedurale 3D-Bildgebung zur Diagnostik früher Lungenkarzinome etabliert. Hintergrund ist das nationale Lungenkrebsscreening, durch das künftig mehr kleine, periphere Lungenrundherde in frühen Stadien entdeckt werden dürften. Die Kombination aus 3D-Bildgebung und robotischer Bronchoskopie ermöglicht eine präzisere, minimalinvasive Diagnostik während des Eingriffs. Dadurch können die diagnostische Sicherheit erhöht, Komplikationen reduziert und die Grundlage für ein überregionales Referenzzentrum am Campus Kiel geschaffen werden. „Je früher Lungenkrebs erkannt wird, desto wichtiger ist eine besonders präzise Diagnostik“, sagt Jarka Lunow, Klinik für Innere Medizin I, Pneumologie, Campus Kiel. Prof. Jan Heyckendorf ergänzte: „Die Förderung ermöglicht uns, kleine verdächtige Veränderungen in der Lunge sicherer zu erreichen und Patientinnen und Patienten schonender zu untersuchen.“

Platz 3: Vermeidbare Blindheit verhindern durch Ultra-Weitwinkel-Bildgebung (Klinik für Augenheilkunde, Campus Lübeck)
Mit einer Förderung von 99.348 Euro führt die Förderstiftung des UKSH eine Ultra-Weitwinkel-Bildgebung zur frühzeitigen Diagnose von Augenerkrankungen ein. Sie ermöglicht eine schnelle, nicht-invasive Darstellung auch peripherer Netzhautbereiche und verbessert die Früherkennung von Erkrankungen wie diabetischer Retinopathie oder Makuladegeneration. Die Methode wird in die klinische Routine integriert und bildet die Grundlage für künftige KI-Anwendungen. „Sehkraft bedeutet Lebensqualität – die Förderung durch das Kuratorium stärkt die Früherkennung nachhaltig“, sagt Sabrina Rhode, Assistenzärztin der Klinik für Augenheilkunde.

Platz 4: Qualitätssicherung für moderne Krebsdiagnostik und Krebstherapie (Radiopharmazie der Klinik für Nuklearmedizin, Molekulare Bilddiagnostik und Therapie, Campus Kiel)
Mit einer Förderung von 100.000 Euro wird am UKSH eine neue LC-MS-Anlage zur Qualitätssicherung von Radiopharmaka beschafft. Die Radiopharmazie stellt unter strengen Qualitätsanforderungen spezielle Radiopharmaka her, die für Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen eingesetzt werden und kommerziell nicht erhältlich sind. Das neue Gerät kann kleinste Mengen unerwünschter Begleitstoffe nachweisen und ersetzt eine zwölf Jahre alte Anlage, die vom Hersteller nicht mehr unterstützt wird. Gleichzeitig ermöglicht die Technik die Entwicklung neuer Radiopharmaka und stärkt damit die moderne Krebsmedizin am UKSH. „Die neue Anlage hilft uns, die Qualität unserer Radiopharmaka langfristig zu sichern und neue Ansätze für Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen weiterzuentwickeln“, sagt Prof. Maaz Zuhayra, Radiopharmazie der Klinik für Nuklearmedizin, Molekulare Bilddiagnostik und Therapie.

Platz 5: Präzisionsmedizin in der Herzchirurgie durch 3D- und VR-gestützte OP-Planung (Klinik für Herzchirurgie, Campus Kiel)
Am Campus Kiel führt das UKSH mit einer Förderung von 34.510 Euro eine 3D- und VR-gestützte Planungssoftware für komplexe Herzoperationen ein. MRT- und CT-Daten können damit chirurgisch orientiert analysiert und Operationen realistisch simuliert werden. Dies verbessert die Planung, erhöht die Patientensicherheit und kann OP- und Intensivzeiten reduzieren. „Die VR-Planung ist ein wichtiger Schritt in Richtung digitaler Präzisionsmedizin, den wir dank der Förderstiftung gehen können“, sagt Dr. Arne Martin Eide, Oberarzt an der Klinik für Herzchirurgie

Platz 6: Frühzeitige Erkennung entzündlicher Arthritiden durch KI-gestütztes Ultraschall-Screening (Klinik für Innere Medizin I, Sektion Rheumatologie, Campus Kiel)
Mit einer Förderung von 120.000 Euro etabliert das UKSH ein neues Versorgungsmodell zur frühzeitigen Erkennung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Im Zentrum steht ein automatisiertes Ultraschall-Screening mit dem Robotersystem ARTHUR, das standardisierte Bilddaten erfasst und KI-gestützt auswertet. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen schneller zu identifizieren und knappe rheumatologische Facharztressourcen gezielter einzusetzen. Gleichzeitig entstehen standardisierte Routinedaten als Grundlage für Forschung und perspektivisch personalisierte Medizin. „Diese Förderung ermöglicht es uns, Patientinnen und Patienten früher zur richtigen Therapie zu führen und gleichzeitig die knappen rheumatologischen Facharztressourcen effizienter einzusetzen.“, sagt Dr. Sorwe Mojtahed Poor, stellvertretende Leiterin der Sektion Rheumatologie der Klinik für Innere Medizin I.

Platz 7: Herzerkrankungen früher erkennen durch neue Ultraschalltechnologie (Klinik für Kardiologie, Campus Lübeck)
Mit einer Förderung von 98.142 Euro soll am UKSH eine Arbeitsgruppe „Myocardial Functional Imaging“ aufgebaut werden. Ziel ist es, die Steifigkeit des Herzmuskels mit einer innovativen Ultraschalltechnologie direkt, strahlungsfrei und nicht-invasiv zu messen. Veränderungen der Herzmuskel-Steifigkeit können ein frühes Zeichen verschiedener Herzerkrankungen sein, etwa bei Bluthochdruck, Herzmuskelverdickung oder kardialer Amyloidose. Die Methode soll am UKSH systematisch geprüft, weiterentwickelt und langfristig in die klinische Routine überführt werden. „Mit dieser Technologie können wir dem Herzen auf neue Weise beim Arbeiten zusehen und krankhafte Veränderungen möglicherweise früher erkennen. Die Förderung hilft uns, moderne Herzdiagnostik aus der Forschung näher an die Patientenversorgung zu bringen.“, sagt Dr. Brunhilde Wellge, Klinik für Kardiologie. 

Beschlossene Vorstands-Förderanträge 2026 der Förderstiftung des UKSH (Projekte mit einem jeweiligen Förderwunsch von 5.000 Euro bis 20.000 Euro)

  • Gefördert wurde der Antrag von Dr. Felix von Criegern, Arzt der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie/Kinderherzchirurgie am Campus Kiel, zur Anschaffung eines mobilen CARL-MOX-Gasblenders für den sicheren Transport von Kindern mit ECMO/ECLS. Die Förderung ermöglicht die Versorgung schwerkranker Kinder auch während notwendiger Verlegungen zwischen Kliniken. Die bewilligte Fördersumme beträgt 14.493 Euro.
  • Gefördert wurde der Antrag von Prof. Janne Giertmühlen, Oberärztin der Interdisziplinären Schmerz- und Palliativambulanz am Campus Kiel, zur Verbesserung der schmerzmedizinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit akuten und chronischen Schmerzen durch den Einsatz von TENS-Geräten. Die bewilligte Fördersumme beträgt 5.736 Euro.
  • Gefördert wurde der Antrag von Laura Frederica Gielen, Assistenzärztin der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Campus Lübeck, zur Anschaffung eines Rolimeters für die objektive Messung des anterioren Tibiavorschubs bei Verletzungen des vorderen Kreuzbandes. Die Förderung dient der präziseren Diagnostik und Beurteilung von Kniegelenksinstabilitäten. Die bewilligte Fördersumme beträgt 5.000 Euro.
  • Gefördert wurde der Antrag von Dr. Sebastian Klapa, Facharzt der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie am Campus Lübeck, zur Durchführung der KIRASAS-Studie und Einführung einer KI-gestützten Robotik-assistierten Arthrosonografie zur Identifizierung entzündlicher Arthritiden. Die Förderung unterstützt die Anschaffung eines modernen Ultraschallgerätes für dieses innovative Forschungs- und Versorgungsprojekt. Die bewilligte Fördersumme beträgt 20.000 Euro.
  • Gefördert wurde der Antrag von PD Dr. Oliver Blanck, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klinik für Strahlentherapie am Campus Kiel, zur Erweiterung der Qualitätssicherung in der stereotaktischen Strahlentherapie von Herzrhythmusstörungen. Die Förderung unterstützt die Entwicklung und Etablierung innovativer Verfahren zur Qualitätskontrolle im Rahmen der STAR-Therapie. Die bewilligte Fördersumme beträgt 20.000 Euro. (PM/RED)
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