Finanzkrise der GKV beschäftigt die Freien Berufe
Die Sorgen und Nöte im Gesundheitswesen beschäftigen neben Ärztinnen und Ärzten auch andere Bereiche im Dienstleistungssektor. Lars-Michael Lanbin, Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe (LFB), stellte die multiplen Probleme in seiner Begrüßung beim diesjährigen Empfang des LFB-Landesverbandes in den Mittelpunkt. „Die Finanzierungskrise der gesetzlichen Krankenversicherung, verursacht durch die Alterung der Gesellschaft und einer gleichzeitig schrumpfenden Erwerbsbasis, erzwingt grundlegende Reformen ohne Denkverbote. Fehlender Nachwuchs in den Freien Berufen, fehlende Anpassungen der Gebührenverordnungen und überbordende Bürokratie gefährden die Gesundheitsversorgung in der Fläche“, wurde Lanbin in einer im Anschluss verbreiteten Pressemitteilung des Verbandes zitiert.
Die Aufweichung des Fremdbesitzverbotes in den freien Berufen durch gewerblich orientierte Investmentgesellschaften führt nach seiner Überzeugung zusätzlich zu einer Aushöhlung der Gemeinwohlverpflichtung der Freien Berufe. Der Verbraucherschutz verliere an Bedeutung. Hier sei die Politik gefordert, gesetzliche Regelungen zu verbessern.
Warnung vor Politikverdrossenheit
Außerdem ging Lanbin auf die Transformation der gesamten Gesellschaft durch geopolitische und demographische Entwicklungen ein: „Wir erleben, dass sich eine Politikverdrossenheit breit macht und wir alle müssen aufpassen, dass daraus keine Demokratieverdrossenheit wird. Das ist die Gemengelage, die Wähler scharenweise in die Arme populistischer Parteien treibt. Hier ist die Koalition in Berlin gefordert, mit grundlegenden Reformen Vertrauen zurückzugewinnen", so Lanbin.
Am Austausch mit den Freien Berufen beteiligte sich u.a. auch Staatssekretär Dr. Olaf Tauras aus dem Landesgesundheitsministerium. Er hob Vielfalt, Vielschichtigkeit und das breite berufliche Spektrum der Freien Berufe hervor. „Es ist der Erfahrungsschatz derer, die in nahezu jedem Lebensbereich in unserem Land Verantwortung übernehmen", betonte Tauras.
Mehr als 50.000 selbstständige Freiberufler im Norden
Im LFB sind ärztliche Organisationen wie Ärztekammer, KV und Ärztegenossenschaft, Körperschaften anderer Heilberufe und die Organisationen weiterer freier Berufe (etwa Anwälte oder Steuerberater) vertreten. In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 51.650 selbstständige Freiberufler, die 110.000 Mitarbeitende beschäftigen und zusammen rund zehn Prozent des Bruttoinlandproduktes erwirtschaften. Die Bedeutung dieser rund 20 Berufe für die Wirtschaft wurde auch durch die Teilnahme des Präsidenten des Unternehmerverbandes Nord, Dr. Philipp Murmann, am Jahresempfang unterstrichen. (PM/RED)






