EPA: Großer Informationsbedarf zum Start
Die Mehrheit der Befragten (53 Prozent) gab an, sich persönlich weniger gut oder gar nicht gut über die elektronische Patientenakte informiert zu fühlen. 45 Prozent sehen sich dagegen sehr gut oder eher gut informiert. Bei der Betrachtung der verschiedenen Altersgruppen zeigt sich eine Abweichung in der Gruppe der ältesten Befragten über 60 Jahre: Hier überwiegt mit 56 Prozent der Anteil derer, die sich sehr gut oder eher gut informiert fühlen.
„Offenbar haben sich gerade die älteren Menschen, die häufiger von Erkrankungen betroffen sind und öfter in die Arztpraxis müssen, schon intensiver mit dem Thema ePA und den Vorteilen der Patientenakte auseinandergesetzt“, sagte Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest, zu diesem Detailergebnis.
EPA kein Thema beim Arztbesuch?
Die befragten Versicherten, die seit Januar 2025 in ärztlicher Behandlung waren, sind bisher kaum mit dem Thema elektronische Patientenakte in Berührung gekommen: 84 Prozent der Menschen mit einem Arztbesuch im laufenden Jahr geben an, dass die ePA in der Arztpraxis bisher kein Thema gewesen sei. Neun Prozent berichten, dass sie schon vom Arzt, der Ärztin oder Praxisangestellten darauf angesprochen worden seien, sieben Prozent haben das Thema ePA selbst angesprochen. „Mit der Verpflichtung zur Befüllung und Nutzung der ePA ab dem ersten Oktober dürfte sich der Anteil der Versicherten, die mit dem Thema in Berührung kommen, deutlich erhöhen“, prognostizierte Ackermann. „Erst mit der aktiven Befüllung durch Arztpraxen und Kliniken kann sich der Nutzwert der ePA wirklich entfalten. Schon heute berichten Ärztinnen und Ärzte beispielsweise, dass die automatisch befüllte Medikationsliste in der ePA einen besseren Überblick über Medikamente ermöglicht, die von Kolleginnen und Kollegen verordnet wurden. Wenn jetzt Dokumente wie Arztbriefe oder Laborbefunde hinzukommen und die letzten technischen Hürden überwunden sind, dürfte die Nutzung der elektronischen Patientenakte schnell zu einer selbstverständlichen Routine werden.“
Weitere Ergebnisse der Umfrage:
Das Interesse der gesetzlich Versicherten an der Nutzung der ePA scheint groß. 87 Prozent der gesetzlich Versicherten gab an, Interesse daran zu haben, über ihre ePA künftig Gesundheitsdaten wie etwa Arztbriefe oder Laborbefunde einzusehen. Etwas weniger ausgeprägt ist das Interesse daran, in Zukunft selbst Dokumente in der eigenen ePA zu speichern und seinen Ärztinnen und Ärzten zugänglich zu machen: 64 Prozent stimmen hier in der aktuellen Befragung eindeutig oder eher zu, 18 Prozent äußern sich ablehnend.
Auf die Frage, wer Informationen zur ePA bereitstellen sollte, sehen die Befragten vor allem die Krankenkassen in der Pflicht (95 Prozent), gefolgt von staatlichen Stellen wie dem Bundesgesundheitsministerium (78 Prozent), den ärztlichen Praxen (7 Prozent) und den Medien (53 Prozent). Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen: Von den jüngeren Befragten zwischen 18 bis 39 Jahren werden die Medien mit 60 Prozent deutlich häufiger genannt als von der ältesten Gruppe der Menschen über 60 Jahren (47 Prozent).
Ackermann verwies in diesem Zusammenhang auf die Anschreiben der Krankenkassen an ihre Versicherten und auf das Online-Angebot auf der Webseite. Die Informationen unter dem Stichwort „ePA für alle“ weist seit dem Start bundesweit mehr als zwei Millionen Seitenaufrufe auf. Für die forsa-Befragung sind vom 18. August bis zum 4. September 2025 insgesamt 500 gesetzlich versicherten Personen ab 18 Jahren in Schleswig-Holstein befragt worden. Es handelte sich um eine Kombination von telefonischer Befragung und Online-Erhebung. (PM/RED)





