Der Notfallsanitäter als Lotse
Das Akut-Einsatzfahrzeug der RKiSH aus Rendsburg musste im ersten Jahr zu rund 600 Einsätzen ausrücken. Es soll eine Lücke zwischen klassischer Notfallrettung und ambulanter medizinischer Betreuung schließen. Die Akut-Einsatzfahrzeuge (AEF) werden durch weiterqualifizierte Akut-Notfallsanitäter besetzt. Diese verfügen über eine zusätzliche 180-stündige Qualifikation, die auf die besonderen Anforderungen der aufsuchenden Akutversorgung ausgerichtet ist. Die Weiterbildung orientiert sich inhaltlich an dem in anderen Bundesländern bestehenden Konzept der Gemeindenotfallsanitäter.
Telemedizinzentrale zur Unterstützung im Hintergrund
Die Akut-Notfallsanitäter arbeiten eigenständig und alleine auf einem speziell ausgestatteten Einsatzfahrzeug, das bewusst ohne Transportmöglichkeit konzipiert ist. Dadurch liegt der Fokus des AEF auf der medizinischen Einschätzung, Beratung und Steuerung der Patienten in die jeweils passende Versorgungsstruktur. Die Einsatzkräfte werden durch moderne Medizintechnik, digitale Entscheidungshilfen sowie die rund um die Uhr erreichbare Telemedizinzentrale der RKiSH unterstützt. Zur Ausstattung gehören unter anderem Diagnostikgeräte, ein Multifunktionsmonitor mit Defibrillator, ausgewählte Medikamente sowie weiteres Akut- und Notfallequipment.
Ziel: in die richtige Versorgungsstruktur lotsen
Dies soll die Notfallsanitäter in die Lage versetzen, Patienten direkt vor Ort medizinisch einzuschätzen, zu beraten und bei Bedarf gezielt primär in geeignete ambulante Versorgungsstrukturen zu vermitteln. „Die insgesamt 37 Akut-Notfallsanitäter der RKiSH fungieren dabei als Lotsen im Gesundheitswesen und helfen dabei, für die Betroffenen die passende Versorgungsebene zu finden. Krankenhauseinweisungen und
-transporte werden nur dann veranlasst, wenn sie medizinisch erforderlich sind. Darüber hinaus können die Akut-Notfallsanitäter jederzeit den diensthabenden Telenotarzt der RKiSH zur Beratung hinzuziehen“, teilte die RKiSH hierzu mit.
Entlastung für andere Bereiche des Gesundheitswesens
In der Ausweitung des Modells auf Standorte in Heide, Kaltenkirchen, Pinneberg und Noer sieht de RKiSH einen Schritt zur differenzierten Notfallversorgung. Das Konzept trage dazu bei, Rettungswagen und Notaufnahmen zu entlasten und die vorhandenen Ressourcen gezielter für zeitkritische Notfälle einzusetzen. Disponiert werden die AEF aus der Integrierten Regionalleitstelle Mitte in Kiel für den Kreis Rendsburg-Eckernförde und aus der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn für die Kreise Dithmarschen, Pinneberg, Segeberg und Steinburg.
112 wird auch genutzt, wenn kein Notfall vorliegt
Die RKiSH sieht in dem Modell eine mögliche Antwort auf die sich verändernden Anforderungen in der Notfallversorgung. „Immer mehr Menschen suchen Hilfe über die 112, obwohl nicht immer ein klassischer Notfall vorliegt. Als verantwortlicher Rettungsdienstdurchführer in unseren fünf Kreisen müssen wir darauf Antworten finden“, wurde Geschäftsführer Sönke Lase in einer Mitteilung der RKiSH zitiert. (PM/RED)





