COPSY: Neue Sorgen der Kinder
Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist immer noch schlechter als vor der Pandemie: Ein Fünftel berichtet von eingeschränkter Lebensqualität und psychischen Belastungen, besonders betroffen sind Mädchen und junge Frauen ab 14 Jahren. Dies sind Ergebnisse der achten Befragungsrunde der COPSY-Studie (Child Outcomes in Psychology) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Neu ist, dass sich die junge Generation neben ihren Ängsten vor Kriegen auch Sorgen um die Spaltung der Gesellschaft und Zuwanderung macht. Einen Lichtblick gibt es aber auch: Die Studie zeigt, dass der Nachwuchs über gute Bewältigungsstrategien verfügt, um die Krisen zu meistern.
„Unsere COPSY-Studie zeigt immer noch eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu den präpandemischen Daten. Aber nicht jedes Kind mit psychischen Belastungen muss auch behandelt werden – viele junge Menschen entwickeln starke Bewältigungsstrategien und verfügen über persönliche Ressourcen. Diese Stärken müssen wir gezielt fördern, idealerweise schon in der Schule, um ihre mentale Gesundheit nachhaltig zu stärken“, wurde Studienleiterin Prof. Ulrike Ravens-Sieberer in einer Mitteilung ds UKE zitiert. Ravens-Sieberer war, wie berichtet, kürzlich zu Gast auf der Jahresversammlung der Pädiater in Schleswig-Holstein, wo sie mit den Kinder- und Jugendärzten über die Belastungen für den Nachwuchs diskutiert hatte. Dabei war deutlich geworden, dass die Studienergebnisse viele Wahrnehmungen in den Praxen bestätigen.
Stagnation auf hohem Niveau
Die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen hatte sich zu Beginn der Pandemie in 2020 im Vergleich zu den präpandemischen Daten deutlich verschlechtert, dann in den Jahren 2022 und 2023 wieder verbessert und stagniert jetzt auf einem stabilen Niveau. 22 Prozent der jungen Menschen geben weiterhin eine geminderte Lebensqualität an. Damit liegt die Prävalenz noch etwa sieben Prozentpunkte über den Werten vor der Corona-Pandemie. Neu ausgewertet wurde der Verlauf der Einsamkeit. Hier ist das Ergebnis ähnlich wie bei der Lebensqualität: Fühlten sich während der Pandemie rund 39 Prozent der Kinder und Jugendlichen einsam, sind es aktuell noch 18 Prozent. Auch hier ist noch nicht wieder das präpandemische Niveau von 14 Prozent erreicht.
Die allgemeinen psychischen Belastungen sind ähnlich wie in den Vorjahren stabil geblieben. Allerdings ist es auffällig, dass Mädchen und Frauen ab 14 Jahren stärker von psychischen Belastungen betroffen sind als Jungen. Vor allem jugendliche Mädchen und junge Frauen berichten deutlich häufiger von depressiven Symptomen, hier stieg der Anteil im letzten Jahr von 11 auf 17 Prozent, sowie von Angstsymptomen, hier konnte ein signifikanter Anstieg von 20 auf 31 Prozent festgestellt werden.
Die Studie zeigt auch, dass aktuelle gesellschaftliche Diskussionen und Krisen einen spürbaren Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben. Während die Folgen der Pandemie kaum noch eine Rolle spielen, setzen sie sich nun intensiv mit Themen wie Kriegen (70 Prozent), Terrorismus (62 Prozent), wirtschaftlicher Unsicherheit (57 Prozent) und der Klimakrise (49 Prozent) auseinander und erleben diese Entwicklungen als belastend. Neu erhoben wurden jetzt Fragen nach gesellschaftlicher Uneinigkeit und migrationspolitischen Herausforderungen: 56 Prozent der Befragten sorgen sich um eine Spaltung der Gesellschaft und 51 Prozent aufgrund von Zuwanderung. (PM/RED)



