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Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alleinerziehende Ärzte und Ärztinnen

Eltern zu werden, verändert das ganze Leben und so auch die Tätigkeit von Ärztinnen und Ärzten. Umso wichtiger ist es, geeignete Rahmenbedingungen für Ärztinnen und Ärzte zur schaffen, damit die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ nicht nur ein schönes Schlagwort bleibt, sondern wirklich umgesetzt wird. Diese Aufgaben sind für alle Eltern eine Herausforderung, noch schwieriger wird die Aufgabe für Alleinerziehende.

Dr. Lara Kolk

Die Herausforderungen vor denen ärztliche tätige Alleinerziehende stehen, sind vielfältig: von Betreuungsplätzen und Kita-Öffnungszeiten über Dienstplangestaltung bis hin zu Weiterbildung und Karrierechancen und eigenen Wünschen.
Es ist notwendig, gesellschaftlich gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um Alleinerziehenden alle Möglichkeiten zu bieten ärztlich zu arbeiten. Einen Betreuungsplatz zu finden, ist teilweise schon schwierig genug, aber oft passen Betreuungszeiten und Dienstzeiten nicht oder nur schlecht zusammen. Alleinerziehende können dann oft nur weniger arbeiten als sie vielleicht wollen. Manche weiterzubildende Alleinerziehende erleben auch Hürden, um ihre jeweilige Facharztweiterbildung voranzubringen. Auch im ärztlichen Team und mit vorgesetzten Oberärztinnen und Oberärzten oder Chefärztinnen und Chefärzte können Differenzen durch die Unwägbarkeiten der Elternschaft auftreten, wie z. B. Kind-krank-Ausfälle oder plötzliche Kitaschließungen durch Personalmangel. Auch eine emotionale Zerrissenheit zwischen den (eigenen) Ansprüchen an die ärztliche Arbeit und dem Wunsch, gut für sein Kind zu sorgen und da zu sein, zermürbt Eltern und besonders Alleinerziehende: das Gefühl, nicht genügend Zeit für die PatientInnen zu haben und trotzdem zu spät loszukommen, um das Kind von der Kita abzuholen, ist ein Gefühl, das sicher viele ärztlich tätige Eltern kennen.
Entsprechende Rahmenbedingungen, um ärztliche Arbeit und Care-Arbeit für Alleinerziehende unter einen Hut zu bringen, sind ein wichtiger ein Teil der Lösung. Aber es braucht zusätzlich auch eine respektvolle, akzeptierende Haltung der Gesellschaft, um Platz zu schaffen für Alleinerziehende für individuelle Entscheidungen über die Berufstätigkeit und die Care-Arbeit. Eltern und gerade Alleinerziehende haben oft das Gefühl, zwischen den Stühlen zu hängen. Sie glauben teilweise, noch mehr leisten zu müssen als KollegInnen ohne Kinder, um für „voll“ genommen zu werden und erleben trotzdem manchmal das Gefühl, außen vor zu bleiben.

Was braucht es also? 

  • Um gute Rahmenbedingungen zu schaffen, sind auf die Bedürfnisse von Alleinerziehende und Dienstpläne angepasste Betreuungszeiten wichtig, wie es in anderen Ländern bereits üblich ist. Zum Teil gibt es solche Angebote schon in größeren Städten, aber nicht flächendeckend. 

  • Neben den Betreuungszeiten muss auch eine gute Betreuungsqualität gewährleistet werden, damit ärztliche Alleinerziehende ihre Kinder auch mit gutem Gefühl in die Betreuung geben können.

  • Es braucht flexible Arbeitszeitmodelle, sinnvolle Dienstplangestaltung und eine ausreichende Personaldecke bei kurzfristigen Ausfällen und auch eine wohlwollende Haltung gegenüber ÄrztInnen, um ihnen den Wiedereinstieg nach der Elternzeit zu erleichtern.

  • Verständnis und Entgegenkommen von KollegInnen und Vorgesetzten hilft, mit den Herausforderungen des Alltages zurecht zu kommen und auf Anforderungen gut reagieren zu können. 

  • Und schließlich: Offenheit, Toleranz, Respekt für individuelle Entscheidungen und Solidarität statt Konkurrenz untereinander stärkt uns als Gesellschaft und als Ärzteschaft.

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