Prof. Henrik Herrmann
Prof. Henrik Herrmann

Traumhaft: Die „Männerschuppen" des BMG

Das Bundesgesundheitsministerium rückt nicht nur die Frauengesundheit in den Fokus. Das Konzept „Männerschuppen" spricht Männer ab 50 Jahren an. Bei Prof. Henrik Herrmann sorgt das für einen unruhigen Schlaf. Muss es nicht auch „Frauenschuppen" geben? Und wann werden „Männerschuppen" für den männlichen Nachwuchs geöffnet? Eine Glosse.

Prof. Henrik Herrmann

Ich habe oft einen unruhigen Schlaf und träume viel. In diesen Träumen kommt auch unser Gesundheitswesen vor. Es zeichnet sich – leider nicht nur in meinen Träumen – durch viele Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und Projekte aus. Viele Menschen kümmern sich im Bundestag, in den Parteien, im Bundesgesundheitsministerium, im Gemeinsamen Bundesausschuss und darüber hinaus darum, dass den Tätigen in der Versorgungsrealität nicht langweilig wird. Ich wundere mich schon seit langem, dass Rapper unser Gesundheitssystem mit Gesetzgebung noch nicht vertont haben: KHVVG und KHAG, GVSG und GDAG, KHZG und GVWG, MFG und NotfallG, PpSG und DVG, TSVG und GKV-VEG, DVPNG und IfSG, DigiG und BEEP, PUEG und PKG – das tut alles weh!

Es geht nicht um Schuppen im Haarschopf
Doch es gibt auch positive Ansätze jenseits von Bürokratie, die jährlich zunehmend abgebaut wird: Die Betroffenen bauen ab! Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) geht mit guten Beispiel voran: Frauengesundheit soll in den Vordergrund gerückt werden – ein begrüßenswerter Ansatz! Medizin, Forschung und Politik haben bei diesem Thema Nachholbedarf erkannt. Frauengesundheit soll Schwerpunkt insbesondere der Gesundheitspolitik werden. Doch halt, es muss auch Gendergerechtigkeit geben, was das BMG gleich erkannt hat und eine Antwort gibt: „Männerschuppen“! Ich und viele andere denken dabei sofort an die Schuppen im Haarschopf von Männern, deren wir mit diversen Haarshampoos versuchen, „Herr“ zu werden – und ureigenes Problem der Männergesundheit. Aber weit gefehlt: „Männerschuppen“ sind ein ernstgemeintes Konzept der gemeindebasierten Gesundheitsförderung und Teilhabe älterer Männer. „Männerschuppen“ als gemeindebezogene Gesundheitsförderung für Männer plus 50 (MASH) und als Orte der Prävention und Gesundheitsförderung im kommunalen Setting für Männer ab 50 Jahren (MARS).

Raum für Reparatur- und Holzarbeiten
Sie geben Raum für gemeinsame Aktivitäten wie Reparatur- und Holzarbeiten, zudem sollten geschlechts- und generationsspezifische Gesundheitsthemen angesprochen und der Einsamkeit vorgebeugt werden. Bislang in einem wissenschaftlichen Modellprojekt zwischen Wiefelstede-Metjendorf und Poel begleitet, sollen „Männerschuppen“ nun ausgerollt werden. Endlich Plätze für Männer, wo sie gemeinsam unter sich sind, Hobbyraum im Keller ade.

Wann kommt der Dachverband für Männerschuppen?
Dieser gute Gedanke geht weiter: Es wird die Gründung eines Dachverbands für „Männerschuppen“ in Deutschland (DMD) angeregt, der die „Männerschuppen“ untereinander vernetzen soll. Landesverbände werden folgen, vielleicht auch eine gewerkschaftliche Vertretung GdMD, die Gewerkschaft der Männerschuppen Deutschland. Qualitätsrichtlinien werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss erarbeitet (QM-MS), wissenschaftliche Evidenzen werden durch die AWMS begleitet, der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Männerschuppen. Hier wird ein Projekt als Nachfolge von MARS bearbeitet mit Namen MERKUR – Männerschuppeneinführung in Kur und Rehabilitation.  Zuletzt wird es auch dem Gesetzgeber nicht erspart bleiben, in einem Männerschuppen-Gesetz die Regeln aufzustellen, kurz „MäSchuGe“ genannt. Hier sind insbesondere der Arbeitsschutz und Hygieneregeln zu definieren. Damit nicht mehrere Ämter diese Regeln überprüfen müssen, sollte als spezifische Organisation der „MMD“ gegründet werden, der Medizinische Männerschuppen Dienst. 

Wo bleiben die Männer unter 50?
Die nächste Herausforderung wird das Begehren von Männern unter 50 Jahren sein, die ebenfalls Zutritt zu „Männerschuppen“ erhalten wollen im Sinne eines generationsübergreifenden Ansatzes und Vorbeugung einer Diskriminierung. Außerdem ist die Einsamkeitsrate bei den 19- bis 22-Jährigen am höchsten! Hier bietet sich frühzeitig die Bildung einer Jugendorganisation an, der „JuMSO´s“, der „Jungen Männerschuppen Organisation“.
Schließlich wird sich die Frage stellen, ob auch Frauen aktiv in die „Männerschuppen“ kommen dürfen  – auch eine Frage der Emanzipation, Gleichberechtigung und Gleichstellung. Oder kommt es zu „Frauenschuppen“-Gründungen? Wie sieht es mit diversen „Mannerschuppen“ aus? Fragen über Fragen, die zu grundlegenden Diskussionen führen und einer Regelung bedürfen. Spätestens dann müssten auch Leistungsgruppen für „Männerschuppen“ definiert werden, welche Qualifikationen, notwendige Kooperationen und, und, und ...
Schweißgebadet wache ich auf – es war nur ein Traum! Ich stehe auf und stelle zunächst den Weihnachtsbaum auf. Und wenn das nicht reichen sollte, suche ich irgendeinen „Männerschuppen“ auf, als Mann und Mensch, einfach so, ohne weiteres Gedöns. 
 

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