Eine Frau im blauen Blazer, gelben Shirt und mit randloser Brille steht in einem weiten, hellen Gang und schaut freundlich lächelnd in die Kamera.
Anne Schluck © Dirk Schnack

Den Ärztetag neu denken!

Viele Delegierte nehmen die Meinungsbildung auf dem Deutschen Ärztetag nicht durchgängig als zielführend wahr. Kann man den Ärztetag reformieren und falls: wie? Ein Kommentar von Anne Schluck.

Anne Schluck

Ich habe gerade vier Tage Ärztetags-Debatte hinter mir – und wieder empfinde ich das gleiche wie letztes Jahr: Dieses tradierte Format hat Stärken, aber auch Schwächen, die viele von uns seit Jahren bemängeln. 

Mehr als 300 Anträge
Wir behandeln ein extrem vielfältiges Themenfeld. Laufend kommen neue Anträge dazu – am Ende waren es mehr als 300. Viele sind hochaktuell, manche spannen den großen Bogen, andere sind kleinteilig und alle haben ihre Berechtigung. Die Diskussion springt hin und her, nicht nur mir fällt es bisweilen schwer, zu folgen. In der Fülle können viele dieser Anträge nicht so gründlich diskutiert und bewertet werden, wie es ihrer Bedeutung entspräche - in vielen steckt eine Menge Vorarbeit.

Konvolut zur weiteren Bearbeitung an den Vorstand überwiesen
Am Ende wurden die restlichen Anträge wieder als Konvolut an den Vorstand der BÄK zur weiteren Bearbeitung überwiesen - das hat dann mit demokratischen Prozessen nicht mehr viel zu tun. Gerade jetzt, wo in der Gesundheitspolitik so viele Veränderungen anstehen, brauchen wir Strukturen, die uns beim konzentrierten und konstruktiven Mitdenken und -diskutieren unterstützen. Wir sollten als Ärzteschaft mit einer starken gemeinsamen Stimme nach außen treten.

Wie soll es weitergehen? Delegierte sind gefordert!
Weil das die letzten Male nicht wesentlich anders war, haben wir schleswig-holsteinischen Delegierten gemeinsam mit anderen einen Antrag initiiert, der genau dieses Thema adressiert. Wir wollten anregen, dass eine Gruppe aus der Mitte der Delegierten (ohne Vorstände) sich über die kommenden zwei Jahre grundlegende Gedanken zur politischen Meinungsbildung, den Strukturen der Durchführung des Ärztetages, der Repräsentativität und der Bearbeitung von Selbstverwaltungsthemen wie z.B. die Weiterbildung machen soll.

Wieder nur Vorstandsüberweisung
Es ginge darum, den Ärztetag einmal grundlegend auf den Prüfstand zu stellen und von der Basis her neu zu denken. Doch auch dieser Antrag ist ohne Diskussion an den Vorstand gegangen. Wir sind gespannt, was dort daraus gemacht wird.

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