"Von Militarisierung kann keine Rede sein"
Mit zunächst Unglauben und dann Entsetzen habe ich die Leserbriefe der Kollegen Klein und Cüppers zum Bericht über die zivil-militärische Zusammenarbeit der vorigen Ausgabe gelesen. Mit Schlagworten, die ich sonst nur von Vertretern der Parteien Die Linke und BSW kenne, wird in einem Leserbrief ein „Aufruf zur Militarisierung des Gesundheitswesens und der Gesellschaft“ durch den Artikel beklagt. Im anderen Brief wird allen Ernstes eine Parallele zu den dunklen Zeiten des Nationalsozialismus gesehen, weil auf einem Cover des Ärzteblattes ein Generalarzt unserer demokratischen und der freiheitlich demokratischen Grundordnung verpflichteten Parlamentsarmee Bundeswehr abgebildet war. Dieser schräge Vergleich ist aus meiner Sicht ein unerträglicher Vorgang, der eines studierten und promovierten Kollegen eigentlich unwürdig sein sollte.
Ich gehe fest davon aus, dass sich die allerwenigsten Menschen in Deutschland, die genannten Herren Merz und Pistorius eingeschlossen, einen Krieg wünschen. Leider verschweigen die beiden Kollegen, welche wohlbekannten Gründe seit 2022 für die leider wieder bestehende Notwendigkeit existieren, sich wie im Kalten Krieg 1.0 auf eine kriegerische Auseinandersetzung vorzubereiten. Betrachtet man die damaligen Vorbereitungen der Bundesrepublik Deutschland für den Verteidigungsfall, kann von einer „Militarisierung“ des Landes aktuell nun wirklich keine Rede sein. Als Anschauungsobjekt für echte Militarisierung möge man bitte nach Russland schauen, wo wie einst im Dritten Reich und in der DDR schon Kindergarten- und Schulkinder militärisch ausgebildet werden. Aus welchen Gründen das geschieht, das möge jeder für sich selber entscheiden. Ich würde mir daher bei allem Verständnis für berechtigtes Unbehagen und dem Wunsch nach Frieden – wer hätte den nicht? – einen reflektierteren Umgang mit den im Artikel leider wohl nicht vermeidbaren Planungen für den worst case wünschen.
Dr. Gregor Naths